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Palestinian Feminist Collective

Israels Krieg gegen palästinensische Körper

Palestinian Feminist Collective veröffentlicht verstörenden Bericht zu seit Jahrzehnten anhaltender systematischer sexualisierter Gewalt durch die Besatzungsmacht

Foto: Ashraf Amra/ZUMA Wire/imago
Hinter Gittern sind palästinensische Frauen der Gewalt durch israelischen Soldaten noch schutzloser ausgeliefert (Gaza-Stadt, 21.12.2021)

Das israelische Militär setzt sexualisierte Gewalt systematisch als Waffe gegen palästinensische Männer, Frauen und Kinder ein. Obwohl Vorwürfe sexualisierter Folter durch israelische Soldaten und Einsatzkräfte seit Beginn des Völkermords gegen die Bevölkerung in Gaza vor zweieinhalb Jahren massenhaft vorgebracht werden, ist diese Praxis keineswegs neu, sondern seit Jahrzehnten etabliert. Das geht aus einem Ende vergangener Woche veröffentlichten Bericht des Palestinian Feminist Collective hervor.

Eine der vielen Betroffenen ist die palästinensische militante Befreiungskämpferin Rasmea Odeh. Sie wurde 1969 gemeinsam mit ihrem Vater und zwei Schwestern festgenommen. Über Wochen hinweg soll sie verhört, verprügelt und mit Elektroschocks gefoltert worden sein. Soldaten sollen sie ausgezogen, angekettet und mit Metallstangen auf ihren Kopf geschlagen haben. Vor den Augen ihres Vaters sei sie vergewaltigt worden, sagte sie später vor der UNO aus. Soldaten sollen ihren Vater Yusef auch aufgefordert haben, seine Tochter zu vergewaltigen. »Denkt nicht einmal daran. So etwas würde ich niemals tun«, habe er laut Aussage vor der UNO erwidert. Daraufhin seien er und seine Tochter verprügelt worden. »Sie haben ihre Beine gespreizt und ihr den Stock hineingeschoben. Sie blutete aus dem Mund, im Gesicht und aus ihrem Gesäß.«

Auch Rasmeas Schwester Aisha wurde demnach schwer misshandelt. Nach einer solchen Folterrunde hätten Soldaten sie aus der Zelle getragen und vor einer Gruppe Männern präsentiert, »um mich nackt vor ihnen zur Schau zu stellen«, wie sie 2004 im Dokumentarfilm »Women in Struggle« aussagte. »Dann zerrten sie mich zurück in den Raum und begannen von vorne.«

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»Sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt sind seit jeher ein wesentlicher Bestandteil des zionistischen Projekts und bestimmen bis heute den systematischen Krieg gegen palästinensische Körper, Intimität, das häusliche Leben und Lebensräume«, heißt es im 200seitigen Bericht »A Predatory State: Israeli Systemic Sexualized and Gendered Violence Against Palestinians«. Darin wurden Zeugenaussagen von Folterüberlebenden, Medienberichte, wissenschaftliche Forschungsergebnisse, Berichte der UNO, Aufzeichnungen von palästinensischen, israelischen und internationalen Menschenrechtsorganisationen sowie freigegebenes israelisches Archivmaterial zusammengetragen. »Das Ausmaß und die Einheitlichkeit der Beweise«, so halten die Autorinnen fest, »schließen jegliche Behauptung aus, wonach es sich bei dem Missbrauch um vereinzelte Vorfälle handelt«. Die Dokumentation veranschauliche eine »institutionalisierte Entmenschlichung«, die darauf ausgerichtet sei, »kollektiven Schaden und Bestrafung an Palästinensern auszuüben«, und diene dazu, »den Widerstand gegen einen Zustand kollektiver Unterwerfung zu brechen«. Es werden Fälle von erzwungenem Entkleiden, sexualisierten Misshandlungen bis hin zu Vergewaltigungen palästinensischer Frauen und Mädchen dokumentiert. Ein Abschnitt widmet sich der Vergewaltigung von Palästinensern durch eigens dafür trainierte Hunde. Die israelischen Streitkräfte »weisen Vorwürfe bezüglich des systematischen Missbrauchs von Inhaftierten zurück«, zitiert The Intercept einen Militärsprecher in einer Stellungnahme gegenüber dem US-amerikanischen Onlineportal.

Der Einsatz sexualisierter Gewalt reicht bis vor die israelische Staatsgründung zurück. So werden im Bericht Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen sowie weitere Grausamkeiten durch zionistische Milizen im Zuge des Massakers von Deir Yassin im April 1948 dokumentiert. »Eine Augenzeugin sagte, dass ihrer Schwester, die im neunten Monat schwanger war, in den Nacken geschossen wurde. Ihre Angreifer schnitten daraufhin ihren Bauch mit einem Metzgermesser auf und entnahmen das ungeborene Kind«, wird aus einem Werk des US-amerikanisch-israelischen Historikers Nathan Krystall zitiert.

Ein weiterer Aspekt, der in dem Report behandelt wird, ist die gezielte Erpressung von queeren Palästinensern durch israelische Geheimdienste. Das als »esqat« bezeichnete Vorgehen beruhe laut den Autorinnen auf umfassender Überwachung des Privatlebens sowie sogenannten »Honeytrap«-Operationen, bei denen Betroffene in romantische oder sexuelle Beziehungen gelockt würden. Informationen über die sexuelle Orientierung oder intime Beziehungen würden anschließend genutzt, um die Betroffenen zur Arbeit als Informanten zu zwingen oder sie innerhalb ihrer Familien und Gemeinden zu diskreditieren. Mit dieser »kolonialen Strategie« solle »der Ruf, die Glaubwürdigkeit, die politische Integrität, die religiöse Ehre oder die kulturelle Würde einer Person in den Augen ihrer Familie oder Gemeinschaft« beschädigt werden, mit dem Ziel, »Palästinenser psychologisch von sich selbst und ihrer Gesellschaft zu entfremden«, heißt es weiter. Der Bericht beschreibt diese Praxis als Teil einer umfassenden Strategie sozialer Zersetzung, die darauf abziele, Angst, Misstrauen und Spaltung innerhalb der palästinensischen Gesellschaft zu erzeugen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 10.07.2026, Seite 15, Feminismus

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