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Die AfD menscheln lassen

Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Der rechte Podcaster Ben Berndt bei einem Interview mit der dpa (Köln, 24.6.2026)

Der Spiegel hatte vor dem Parteitag der AfD in Erfurt geraunt, dort werde es »Machtkämpfe« geben. Am Montag danach meldeten die Hamburger Sensationelles: Die Machtkämpfe seien »schmutzig« gewesen. Sie zeigten, »wie aggressiv und missgünstig die Rechtsextremisten auch untereinander sind«. Igittigitt. Auf Spiegel-Niveau wollte dpa nicht bleiben und veröffentlichte am Montag ein langes Interview mit Benjamin Berndt, einem Unternehmer aus Köln, der vor etwa zwei Monaten den echten AfD-Chef Björn Höcke viereinhalb Stunden lang in seinem Videopodcast »Ungeskriptet« menscheln ließ. Angeschaut haben sich das bislang mehr als sechs Millionen Leute.

Die Nachrichtenagentur fragt Berndt: »Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, wen Sie einladen?« Antwort: »Mich interessiert jemand intuitiv. Ich sehe ein Reel oder lese einen Artikel und denke: Mit dem würde ich gern mal sprechen. Früher waren das Kampfsportler, dann Unternehmer, jetzt finde ich Politik spannend.« Wunschgäste? »Im Moment würde ich gern mit Elon Musk sprechen, mit dem US-Podcaster Joe Rogan, mit Benjamin Netanjahu oder auch mit Wladimir Putin.« Warum betone er immer wieder, kein Journalist zu sein? »Journalist ist kein geschützter Begriff. Viele haben eine journalistische Ausbildung gemacht und Standards gelernt. Ich habe keine Ahnung, was journalistische Standards sind. Wenn Journalisten sagen, das sei wichtig: Macht das! Ich unterhalte mich einfach mit Menschen, so wie wir das seit Jahrtausenden tun.« Auch sonst hält sich Berndt von Fakten fern: »Ich habe kein festes Medienprotokoll. Ich lese nicht morgens Zeitung A, dann Newsletter B und schaue Nachrichtensendung C. Ich schaue mir an, was mir der Algorithmus zeigt.« Beste Voraussetzungen also für die Produktion der Mischung aus Fahrstuhlmusik und der Seifenoper »Neonazis sind auch nur Menschen«, von Podcasts eben.

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Berndt ist für Ausgewogenheit: »Wir haben in den vergangenen Jahren viel über Diversität gesprochen – über Geschlecht, Herkunft oder Religion. Aber Meinungsdiversität wäre auch spannend. Ein Quoten-AfDler in jeder Redaktion würde dem Journalismus guttun. Das ist aktuell die erfolgreichste Partei in Deutschland und gleichzeitig die unbeliebteste in vielen Redaktionen. Wenn dort Menschen säßen, die diese Perspektive wirklich verstehen, würde das helfen. Im Zweifel müssten wir Journalisten, die AfD-Sympathisanten sind, sogar Jobgarantien geben. Nicht, weil ich ihre Meinung teile, sondern weil Journalismus verstehen muss, warum so viele Menschen diese Partei wählen.« Der Mann hat nicht mitbekommen: Sein Wunsch wurde längst erfüllt. AfD-Quote auf allen Kanälen. (as)

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Erschienen in der Ausgabe vom 07.07.2026, Seite 2, Ansichten

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→ Leserbriefe
  • Reinhold Schramm aus Berlin 8. Juli 2026 um 12:37 Uhr
    Wollten die westlichen Administrationen der multinationalen Konzerne und Wirtschaftskonglomerate deren europäischen, britischen und nordamerikanischen Eigentümern, Hauptaktionären, Multimillionären und Multimilliardären ein Ende des Krieges zwischen der Ukraine und der Russischen Föderation? So hätten sie dies bereits nach dem Ende der UdSSR haben können. Was ihnen unter Jelzin noch nicht möglich war und unter Putin bisher nicht gelungen ist: die militärische, gesellschaftspolitische und wirtschaftliche Übernahme und Ausschaltung der politisch-militärischen Administration der Russischen Föderation, erhoffen sie sich mithilfe der ukrainischen Truppen und politisch Hilfswilligen zu erreichen. PS: Es geht ihnen um die Beseitigung der führenden Administration und kapitalistischen Oligarchen der Russischen Föderation und um die vollständige wirtschaftliche Übernahme, insbesondere um die natürlichen reichen Rohstofflagerstätten und deren Bodenschätzen. ► Hierfür sind auch die politisch-militärischen Führungen der NATO-Bündnisstaaten und derer der wirtschaftspolitischen Europäischen Union dazu bereit, bis an die Grenze einer unmittelbaren konventionellen und nuklearen militärischen Kriegsführung zu gehen. Auch mit dem Risiko einer atomaren Kriegsführung Frankreichs und Großbritanniens gegen die Nuklearmacht der Russischen Föderation. ► Die ideologische und militärische Kriegspolitik der regierenden Administration der Ukraine und die deutsche sozialdemokratische und christdemokratische Parlamentsmehrheit und Bundesregierung wären hierfür offensichtlich auch dazu bereit, eine nukleare Vernichtung der Bevölkerungen Deutschlands, Polens und der Ukraine zu billigen? 08.07.2026, R.S.
  • Reinhold Schramm aus Berlin 7. Juli 2026 um 15:26 Uhr
    Fakt ist aber auch: Die Aufrüstungs- und Kriegspolitik wird in Deutschland nicht von der bürgerlichen AfD und auch nicht von Björn Höcke vorangetrieben. Der Kriegskapitalismus in Deutschland wird ideologisch und demagogisch von den Sozialdemokraten und Christdemokraten in der Bundesregierung vorangetrieben. Es sind vor allem jene politischen Kräfte in der kapital-monarchistischen Tradition die den Ersten Weltkrieg und den kapital-faschistischen Zweiten Weltkrieg vorantrieben. Zugleich hierbei federführend die Sozialdemokratie, die mit ihrer demagogischen Irreführung der deutschen Arbeiterklasse deren Mobilisierung für den Ersten Weltkrieg betrieb. Ebenso mit dem Verzicht auf den die Arbeiter mobilisierenden Klassenkampf gegen die NSDAP, SA und SS vor 1933. Und ihren freiwilligen Übergang und ihrer Einordnung und Unterordnung der sozialdemokratischen gewerkschaftlichen Basis in die kapital-faschistische Volksgemeinschaft – von Kapital und Arbeit – in die Deutsche Arbeitsfront (DAF). PS: Es besteht aktuell keinen Nachweis hierfür, dass die aktuelle AfD-Führung, analog den heutigen Sozialdemokraten und Christdemokraten, eine kapital-faschistische Volksgemeinschaft oder diesbezüglich eine Sozialpartnerschaft zwischen der Putzkraft und den Repräsentanten der Finanz-, Kriegs- und Monopolbourgeoisie propagiert. Meine Leseempfehlung für ein tieferes Verständnis vom Kapitalismus und (modifizierten) Faschismus: Kurt Pätzold/Manfred Weißbecker: Geschichte der NSDAP 1920 bis 1945; Pätzold/Weißbecker: Adolf Hitler. Eine politische Biographie. Militzke Verlag; Götz Aly: Wie konnte das geschehen? Deutschland 1933 bis 1945; Sven Beckert: Kapitalismus. Geschichte einer Weltrevolution. 07.07.2026, R.S.
    • Onlineabonnent*in Oliver S. aus S. 8. Juli 2026 um 13:30 Uhr
      Fakt ist, dass die AfD die Wiedereinführung der Wehrpflicht in ihrem Programm festgeschrieben hat. Die AfD eine Friedenspartei? Lesen Sie beispielsweise mal folgenden Antrag: https://dserver.bundestag.de/btd/20/117/2011754.pdf. Wessen Interessen vertritt eine bürgerliche Partei? Die des Proletariats? Meine Leseempfehlung ist der Text von Clara Zetkin: »Der Kampf gegen den Faschismus«. Dort wird die unrühmliche Rolle der deutschen Sozialdemokratie erklärt. Ebenso ist dort am Beispiel des italienischen Faschismus nachzulesen, was wir von den Wahlversprechen einer faschistischen Partei zu halten haben. Beschrieben sind auch die Gründe, was eine faschistische oder protofaschistische (AfD) Partei für die Massen attraktiv macht: »[ …] der Faschismus, mag er sich noch so kraftmeierisch gebärden, ein Ausfluß der Zerrüttung und des Zerfalls der kapitalistischen Wirtschaft und ein Symptom der Auflösung des bürgerlichen Staates ist. Nur wenn wir verstehen, daß der Faschismus eine zündende, mitreißende Wirkung auf breite soziale Massen ausübt, die die frühere Existenzsicherheit und damit häufig den Glauben an die Ordnung von heute schon verloren haben, werden wir ihn bekämpfen können.« Es gibt aktuell reichlich gute Gründe anzunehmen, dass das globale kapitalistische System in eine finale Krise geraten ist, die es im Rahmen seiner Borniertheit nicht wird lösen können. Auch die AfD und ihre Politiker haben keine Lösungen, sie stehen lediglich Spalier auf dem Weg in den Abgrund.
      • Reinhold Schramm aus Berlin 8. Juli 2026 um 14:52 Uhr
        Fakt ist, die AfD ist eine konservative bürgerliche Partei. Fakt ist aber auch das die AfD keinen militärischen Konflikt mit der kapitalistischen Russischen Föderation beabsichtigt. Ebenso wie alle anderen bürgerlichen Parteien ist sie keine Partei des Proletariats, keine Partei der Arbeiterklasse! Sie beabsichtigt keine Befreiung der Werktätigen von der kapitalistischen Gesellschaftsformation. ► Die AfD ist wie die anderen bürgerlichen deutschen Parteien, ebenso wie die SPD, CDU, CSU, FDP, Bündnis-olivgrünen und die bürgerliche Linke, eine Partei des Kapitals, eine Partei der deutschen Bourgeoisie, insbesondere der Finanz- und Monopolbourgeoisie. PS: Die AfD beabsichtigt keine Kriegsführung gegen die kapitalistische Volksrepublik China und auch nicht gegen die kapitalistische Russische Föderation. Aber auch keine imperialistische Annexionspolitik gegen Grönland, Kanada und auch gegen Kuba, seitens der USA, wie sie von der christdemokratischen und sozialdemokratischen Bundesregierung geduldet wird. 08.07.2026, R.S.
        • Onlineabonnent*in Oliver S. aus S. 9. Juli 2026 um 15:23 Uhr
          Aus dem Antrag, den die AfD unter der Überschrift »Deutsche Rüstungsunternehmen am höheren Rüstungsetat beteiligen – Rüstungsindustrie wieder wettbewerbsfähig machen« vom 11.06.2024 in den Deutschen Bundestag eingebracht hat, geht eindeutig hervor, welche Prioritäten sie rüstungspolitisch setzt. Dieser Partei ist genauso zu trauen wie etwa Josef Goebbels, der im Jahr 1933 in einem Interview sagte: »Ich bin der festen Überzeugung, der Frieden in Europa muss erhalten bleiben. Käme ein Krieg, es wäre das größte Unglück für die Welt. Und wie er auch ausgehen mag: Sieger wie Besiegte würden nur furchtbarstes Unglück und größte Not ernten. Deshalb wird es das Bestreben der Reichsregierung sein, den Frieden auf jeden Fall zu erhalten.« Auch die AfD wird den Zwang zur Kapitalakkumulation nicht aufheben können. Welche Auswirkungen das auf die Weltpolitik hat, hat Lenin mit seiner Imperialismus-Analyse aufgezeigt. Dass die aktuelle wie die vorherige Bundesregierung zu 100 % die US-Agenda unterstützt, ist völlig unbestritten. Dass zunächst die Ukraine und bald auch die EU in einen heißen Konflikt mit Russland geopfert werden sollen, scheint ein offenes Geheimnis. Die AfD vertritt nun die Fraktion der deutschen Bourgeoisie, die aus persönlichen und geschäftlichen Gründen kein Interesse daran hat, durch einen atomaren Schlag Russlands zu verglühen. Die USA sind zu allem bereit, um ihre schwindende Hegemonie über den Planeten aufrechtzuerhalten. China ist die zentrale Macht, die dem faschistoiden US-Imperium etwas entgegenzusetzen hat. Die Hälfte der Unternehmen in China befindet sich in Staatsbesitz. Jeweils 25 % gehören In- bzw. Ausländern. Das Imperium kann nur materiell und militärisch eingehegt werden. Der chinesische Weg ist richtig, er beruht auf den Grundlagen des Marxismus-Leninismus. http://german.china.org.cn/china/archive/cpc19/2017-09/18/content_50020236.htm
          • Reinhold Schramm aus Berlin 10. Juli 2026 um 11:40 Uhr
            Sie sollten sich auch ernsthaft mit der historischen Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaftsformation und der antikommunistischen Partei und Staatsführung der VR China beschäftigen! Info-Empfehlung: Alle zugänglichen Quellen und Medien -- auch in deutscher Übersetzung -- aus der VR China. 10.07.2026, R.S.
    • Onlineabonnent*in Wolfgang D. aus E. 7. Juli 2026 um 17:52 Uhr
      Exzellenter Leserbrief, danke. Der Kampf gegen Rechts müsste gegen die Mitte laufen. Zumal die akuten Faschisten in Kiew und Jerusalem deren besten Freunde sind. Wer Höcke dagegen als Faschisten verkaufen will, ist ein armes Opfer der kognitiven Kriegsführung.
  • gerdos aus Nordrhein-Westfalen - Witten 7. Juli 2026 um 10:00 Uhr
    Herr Berndt ist sehr gerissen, wenn er sich nicht als Journalist bezeichnet, denn damit befreit er sich von bestimmten journalistischen Standards wie journalistische Sorgfaltspflicht, journalistische Ethik oder gründlicher Recherche nebst Vorbereitung auf ein Thema. Schon in seinen Videotiteln kokettiert er oft mit Tabubrüchen. Wenn ich mir die Schar der illustren Gäste, darunter zu gefühlten 90 % das »Who is who« der rechten Prominenz, eingefleischte Hardcoremaskulisten, Medizinscharlatane, Klimaleugner, Verschwörungstheoretiker, Pseudowissenschaftler usw. ansehe, dann ist dieser Podcast »ungescripted« in meinen Augen eine reaktionäre Propagandaschleuder. Ausnahmen unter den bisherigen Gästen wie Gregor Gysi, Jan van Aken, Ricarda Lang und Melanie Amann lassen sich hierbei als Feigenblatt missbrauchen. In den Kommentarspalten findet sich ebenfalls zu über 90 Prozent eine Schulterklopferblase, die von diesem unwissenschaftlichen Format regelrecht begeistert ist. Kritische Kommentare werden vom Team gelöscht. Was Ben B. unter Meinungsfreiheit versteht, ist nichts anderes, als die langfristige Etablierung einer hegemonialen Deutungsherrschaft und Definitionsmacht. Besonders erschreckend ist daher der Erfolg dieses Formats, denn es zeigt, wie leicht Massen manipuliert werden können oder ihr Welt- und Gesellschaftsbild in den Interviews bestätigt finden. Auf jeden Fall stößt der Kampf gegen Rechts hier an seine Grenzen. Im Interview mit dem Comedian Serdar Somuncu hat Herr Berndt übrigens zugegeben, AfD-Wähler zu sein.
  • Frank Lukaszewski aus Oberhausen 6. Juli 2026 um 23:45 Uhr
    Es heißt, man ließ diesen ostdeutschen Westimport faschistischer Prägung mit chronischem Muskelkater im rechten Arm »menscheln«. Höcke, Intellektuellensimulation samt goebbelschem Volksaufklärungsblutfluss in den braun verrosteten Arterien? Der menschelt? Wachte sein Wotan plötzlich nicht richtig? Da steht die Frage im (östlichen Lebens)Raum, welche Medikamente wirken, um solche Wahrnehmungsverzerrungen bei uns zu erzeugen. Verschreibungspflichtig? Oder sind sie bald Pflicht? Zukünftig Bestandteil des Trinkwassers? Wäre ich jetzt Satiriker, dürfte mir nunmehr zu B. H. menschenfeindliche, gefährliche, denkferne Flachpfeife über die Tasten kommen. Bin kein Satiriker. Ist halt Tatsache. Denkfern sei übrigens als eines der wesentlichen Markenzeichen meisterpropperdämlichen AfD im allgemeinen zu benennen. Das sollten die sich eigentlich rasch patentieren lassen. Ja, viele andere torfdummen Eigenschaften können an dieser Stelle nicht Aufzählung finden. Platzmangel. Patentamtsmangel.
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