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Aus Leserbriefen an die Redaktion

Foto: ZUMA Press/imago/Montage jW

»Es gehört in jede Schulbibliothek«

→ Zu jW vom 26.6.: »Mehr als zwei Jahre klüger«

Es ist verdienstvoll, dass am Ende dieses datenbelasteten Monats (am 22. Juni 1941 begann »Fall Barbarossa«) Konrad Wolfs »Kriegstagebuch« von Kai Köhler thematisiert wird. Es stimmt: Die Sprache ist – tagebuchkonform – einfach. Gerade das macht das Buch, nicht nur für Jugendliche, so lesenswert! Es gehört in jede Schulbibliothek, ja, ich möchte sagen: Jeder Deutsche sollte es lesen! Und der Film »Ich war neunzehn« (ebenfalls von Konrad Wolf, Defa, 1968) sollte als bester Antikriegsfilm unseren Schülern gegen »Kriegstüchtigkeit« gezeigt werden. Was ich beim neuerlichen Lesen von Wolfs Tagebuch am wichtigsten fand: Dem eingeimpften Hass des deutschen Militärs steht die eindrucksvoll überzeugende Einflussnahme der Sowjets gegenüber, die Kraft, den Gegner davon zu überzeugen, die Waffen in einem mörderischen, bereits verlorenen Krieg zu strecken. Überzeugen statt sinnlosem Morden. Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft dieses Buches.

Eva Ruppert, Bad Homburg

Soziale Errungenschaften opfern?

→ Zu jW vom 30.6.: »Noch mehr Reformen angedroht«

Kriegstüchtig werden durch Sparen, Streichen, Kürzen, länger Arbeiten. So lässt sich m. E. das aktuelle Programm der Bundesregierung zusammenfassen: Die Infrastruktur zerbröselt, Kitas, Schulen und Universitäten werden vernachlässigt, Kranksein, Wohnen und Pflege werden immer teurer, Schwimmbäder, Bibliotheken und Krankenhäuser schließen usw. Unsere Steuergelder gehen statt dessen an Bundeswehr und Rüstungskonzerne.

Kaum einer stellt die Frage, ob wir unsere sozialen Errungenschaften wirklich opfern wollen, damit Deutschland zur »militärischen Führungsmacht in Europa wird«, wie von der Bundesregierung gefordert. Laut Greenpeace und westlichen Friedensforschungsinstituten ist Europa militärisch dem russischen Staat bereits jetzt mehrfach überlegen. Der vermeintliche Angstgegner Russland schafft es nicht einmal, seine Kriegsziele in der Ukraine durchzusetzen (…).

Heinz Quix, Übach-Palenberg

»Neoliberaler Ungeist«

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→ Zu jW vom 26.6.: »Klassenfrage Mobilität«

Seit Beginn der 1980er Jahre herrscht bei uns der neoliberale Ungeist. Inzwischen haben mehrere Generationen von BWL-Studenten nichts anderes gelernt, als die Kostensenkung durch Personalabbau als Patentrezept für die Lösung aller unternehmerischen Probleme zu halten. Die 90er Jahre standen unter dem Zeichen der Privatisierung der beiden großen Staatsbetriebe Bahn und Post. Ich habe diesen Prozess, der ein Paradigmenwechsel war, miterlebt und darunter gelitten. Von den beiden Opfern blieben nur Bruchstücke, die noch irgendwie funktionieren. Die Spur der Verwüstung durch die neoliberale Politik zieht sich durch die gesamte Wirtschaft. Bau- und Wohnungswesen sind fast komplett in der Hand von Großinvestoren. Genossenschaftliche Modelle existieren noch, aber wie lange? Doch das ist noch nicht das Ende, jetzt ist das Gesundheitswesen einschließlich Pflege dran. Klinikprivatisierung und Gewinnmaximierung, sind der sicherste Weg in die Versorgungskatastrophe. Pharmakonzerne und Krankenkassen werden von der Politik bzw. vom Steuerzahler durch immer höhere Zuzahlungen gesponsert, Apotheken gehen kaputt. Die Marginalisierung der Unter- und Mittelschicht nimmt Fahrt auf.

Helmut Hahn, Darmstadt

»Nicht ausreichend berücksichtigt«

→ Zu jW vom 29.6.: »Nehmt das, ihr alten Säcke«

Planungssicherheit und Vertrauensschutz sind gerade für Menschen wichtig, die am Ende ihres langen Arbeitslebens feststellen, dass es ihnen immer schwerer fällt, mit den Anforderungen und Veränderungen ihrer Arbeitswelt mitzuhalten. Ich denke dabei weniger an die Menschen mit »nur« 35 Jahren beruflicher Tätigkeit. Sondern an die Menschen, die derzeit schon über 40 Jahre lückenlos gearbeitet haben und lange damit planen konnten, in den nächsten vier Jahren ohne Abzüge in Rente gehen zu können. Allein bei dieser Gruppe werden laut den aktuellen Plänen »Übergangsfristen und Vertrauensschutz« nicht ausreichend berücksichtigt. Für mich eine heftige Ungerechtigkeit, insbesondere für die Jahrgänge 1963 bis 1965, die derzeit fast 45 Jahre gearbeitet haben. Nein – ich selbst bin von dieser Neuregelung nicht betroffen. Als langjähriger Rentenberater, Betriebsrats- und Gesamtbetriebsratsvorsitzender möchte ich allerdings auf diese wohl größte Ungerechtigkeit der aktuellen Rentenpläne hinweisen.

Kurt Lennartz, Aachen

»Nie zur Rechenschaft gezogen«

→ Zu jW vom 16.6.: »Systembedingt brutal«

Der umfangreiche Beitrag von Christian Selz ist – wie ich das von Ihrem Südafrika-Korrespondenten kenne – exzellent recherchiert, faktenreich und pointiert formuliert. Darin analysiert und bewertet er den historischen Wendepunkt, den der Schüleraufstand in Soweto vom Juni 1976 in der Geschichte Südafrikas darstellt, aus der Perspektive der Opposition gegen das System der Apartheid, das die UNO 1973 als »Verbrechen gegen die Menschheit« verurteilt hat. Scharfe Kritik richtet der Autor zu Recht gegen die westliche Unterstützung Apartheidsüdafrikas, wobei jedoch die zentrale Rolle der Bundesrepublik leider unterbelichtet bleibt.

Tatsächlich war die BRD einer der stärksten Finanziers der Apartheid und hat (neben Israel, wie von Selz erwähnt) entscheidend dazu beigetragen, dass Südafrika eine Atombombenkapazität entwickelt hat. Der African National Congress hatte hierzu als erster 1975 und 1977 zwei weltweit beachtete Dokumentationen anhand von Geheimdokumenten veröffentlicht. Im Jahr 1993, wenige Monate vor der absehbaren Machtübergabe an eine ANC-geführte Regierung, vernichtete Apartheid-Südafrika sechs Atombomben. Für ihre enge Kollaboration mit dem Apartheidregime sind Staaten wie die Bundesrepublik Deutschland nie zur Rechenschaft gezogen worden, wie dies ursprünglich von der südafrikanischen Wahrheits- und Versöhnungskommission erwogen worden war.

Ingeborg Wick, per E-Mail

Inzwischen haben mehrere Generationen von BWL-Studenten nichts anderes gelernt, als die Kostensenkung durch Personalabbau als Patentrezept für die Lösung aller unternehmerischen Probleme zu halten.

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Erschienen in der Ausgabe vom 02.07.2026, Seite 14, Leserbriefe

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