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Aus Leserbriefen an die Redaktion

Foto: ZUMA Press/imago/Montage jW

»Erschreckend aktuell«

→ Zu jW vom 3.8.: »Halali zur Hexenjagd«

Ich höre wiedermal diese CDs der Austropopmusiker und kann die Lieder immer noch mitsingen (kenne sie aus meiner Jugend in der DDR), die »Liederbücher« von dem Label Polydor (damals noch als LPs) u. a. Die beiden hochbegabten Künstler, Poeten und bissigen Satiriker Ludwig Hirsch und Georg Danzer wurden ja auch in der DDR gespielt. Lieder voller Humanität und mit berührenden Geschichten über zumeist männliches Verhalten und die Zustände in der kapitalistischen Gesellschaft, wie Eileen Heerdegen ausreichend und gut beschreibt.

Die Texte sind erschreckend aktuell, weil sich nichts geändert hat – ich denke an Danzers »Frieden«, »Die Freiheit«, »10 kleine Fixer« und auch »Traurig, aber wahr« – mit der Zeile: »Dass a Frau nur frei sein kann / wann’s ned abhängt von an Mann«.

Wie diese Rahel Kislinger zu solchen Schmutztiraden kommt, ist mir unbegreiflich, und ohne die jW wüsste ich davon gar nichts, denn ich lebe fast analog: ohne TV, PC, Radio oder Handy, und da fällt mir Hirschs Lied von der gottverdammten Pleite ein … die Autorin des Artikels wird es kennen, aber ich weiß keinen von der jüngeren Generation, der diese Liedermacher kennt.

Petra Schwarz, Oberseifersdorf

»Großes Talent«

→ Zu jW vom 10.8.: »Aus Leserbriefen an die Redaktion«

Die Aussage des Lesers Konrad Mahr, veröffentlicht auf der Leserbriefseite vom 10. August, verdient es, hier wiederholt zu werden: »Zerstört wird Kuba nicht in Havanna, sondern in Washington, dem Epizentrum globaler Inkompetenz.« Genauso ist es!

Zum Stichwort »Washington« aber nun noch folgendes: Vielleicht renne ich bei den Lesern der jungen Welt offene Türen ein, möchte aber trotzdem an Worte des Autors Michael Lüders erinnern (das Zitat muss ich nicht nachschlagen, ich habe es im Kopf): »Washington besitzt ein großes Talent, die Feinde des Westens erst zu züchten, um sie anschließend wieder mit großem Aufwand zu bekämpfen – zur Freude der Rüstungsindustrie.«

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Wär’ hilfreich, wenn viele das im Kopf behielten. Aktuell ist »unsere Schutzmacht« dabei, sich China als Feind heranzuzüchten; mit Russland und diversen arabischen Staaten ist ihr das bereits gelungen. Wie Michael Lüders die komplexe Weltlage mit einem einzigen präzisen Satz zu erklären weiß, finde ich geradezu genial!

Margitta Mattner, per E-Mail

Das gute Leben

→ Zu jW vom 3.8.: »Rot ist das neue Grün«

Leider wird nicht die Energiequelle Nummer eins vermerkt – Strom sparen. Indem China dem Konsumwahn des Westens folgt und glaubt, dass sei Fortschritt, tappt es bewusst in die »Falle« des Glaubens an ein unendliches Wachstum. Auch in China entsteht – so wie überall im Kapitalismus – jeden Tag zigtausendfach sinnloser Müll in Gestalt zahlreicher »Produkte« und digitaler Anwendungen, von denen Katzenvideos noch die sinnvollsten sind – eine irrsinnige Energieverschwendung! Es gibt ein Leben mit möglichst viel Konsum – oder ein gutes Leben.

Marian Rose, per E-Mail

»Wir sind wieder bei Marx«

→ Zu jW vom 10.8.: »Betrüger am Werk«

Es braucht nicht gleich nachgeschlagen zu werden, was Marx über Arbeitszeit in kapitalistischer Marktwirtschaft geschrieben hat. Die Damen und Herren des Kapitals könnten es uns kaum besser verständlich machen mit ihrer Gier nach mehr und mehr Mehrarbeit, unbezahlte sowieso und noch darüber hinaus. In dem Maße, wie sich Frau und Mann der Arbeit nicht mehr gegen die Gier des Kapitals wehren, in dem Maße wird es dreister und unersättlicher.

Wenn denn die Lohnarbeitenden in ihrer unverbrüchlichen Solidarität mit dem Kapital, zum Wohle des Kapitals auch noch glauben, je besser es ihm gehe, dann gehe es auch ihnen gut, dann können die Vertreter sogenannter Arbeitgeber sich jede Maßlosigkeit der Forderungen nach mehr und längerer Arbeit erlauben, können sich der gewerkschaftlichen Einsicht gewiss sein. »Wer von seinem Tag nicht zwei Drittel für sich selbst hat, ist ein Sklave«, proklamierte bereits Friedrich Nietzsche (1844–1900). Wir sind wieder bei Marx, aber eben nicht, wie es einst Rosa Luxemburg ausrief. Wir sind es in der Perspektive von Marx, der ein Dulger heute Ausdruck verleiht, mit zwölf Stunden am Tage und mehr, mit einer Lebensarbeitszeit bis zum Lebensende und solange noch Arbeit profitabel und billigst verwertbar ist.

Roland Winkler, Aue

Nach oben gefallen

→ Zu jW vom 3.8.: »Sanfte Sprache«

Da muss irgendwas passiert sein mit »unserer« Tanja Gönner, auf dem Weg von der baden-württembergischen Umwelt- und Verkehrsministerin (2005–2011) zur Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).

In den Jahren der großen Auseinandersetzungen um »Stuttgart 21« (»Schwarzer Donnerstag« am 30. September 2010) gehörte sie zu denen, die uns Aktive der S21-Widerstandsbewegung mit üblen Beleidigungen, Halb- und Unwahrheiten in aggressiver Form »bekriegt« haben. In der Bewegung hatte sie deshalb den Spitznamen »Schwarze Mamba« bekommen. Für alle, die in Schlangenkunde nicht so bewandert sind: Die Schwarze Mamba ist die längste Giftschlange Afrikas, ihr Biss kann innerhalb von 20 Minuten zum Tod durch Atemstillstand führen.

Nach der Abwahl von MP Mappus bei der Landtagswahl 2011 musste auch sie ihren Posten räumen und fiel natürlich nach oben. Über die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (2012–2022) landete sie im November 2022 beim BDI. Wo sie ihr Gift unterwegs gelassen hat, ist mir nicht bekannt.

Ebbe Kögel, Stetten im Remstal

Auch in China entsteht – so wie überall im Kapitalismus – jeden Tag zigtausendfach sinnloser Müll in Gestalt zahlreicher »Produkte« und digitaler Anwendungen, von denen Katzenvideos noch die sinnvollsten sind – eine irrsinnige Energieverschwendung!›‹

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Erschienen in der Ausgabe vom 13.08.2026, Seite 14, Leserbriefe

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