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Klassenfrage Mobilität

Neue Konzernstrategie der Bahn

Foto: Christoph Soeder/dpa
Blick vom Bahntower der DB auf das Reichstagsgebäude

Mehr als 30 Jahre bemühte sich das deutsche Großkapital, die Bahn zu ruinieren. Die eifrigsten Helfer waren CSU- und CDU-Verkehrsminister, von denen vor allem die Scheuersche Pest der Elektroroller als grausiges Mahnmal blieb. In zivilisierten Ländern wurde der mörderische Fußgängerjagdschrott wieder entsorgt. Es gibt trotz alledem eine gute Nachricht: Die Bahn überlebt. Die Zombies, die im Interesse der Familien Piech, Porsche, Quandt, Klatten usw. in Ministerämter und an die Bahnspitze gehievt wurden, schlugen ihr Blessuren, aber sie ist unkaputtbar, weil Teil dessen, was heute Daseinsvorsorge heißt und marxistisch, also gültig, formuliert der Reproduktion der Ware Arbeitskraft dient. Mobilität ist eine Klassenfrage – wie Bildungs- und Gesundheitswesen, Mieten, Altersrenten oder funktionierende Kommunen. Wer das der Profitgier unterwirft, zerstört bewusst und kurzsichtig immer erneut Gemeinwohl, das Allgemeine der Gesellschaft, deren Lebensgrundlagen. Von Klimaschutz und Vernunft gar nicht zu reden.

Die Geschichte der Bahn seit 1994 steht dafür exemplarisch. Der antikommunistische Wahn, der dieses Land seit seiner Gründung formt, wittert im Staatsbetrieb stets Sozialismus und setzt dessen systematisch herbeigeführten Katastrophen daher immer noch eins drauf. Die jüngsten Desaster der Bahn lösten bei den Hyänen der Konzernmedien am Donnerstag wieder einmal den ewig gleichen Geifer aus: »Bruchbude« (Bild), »Trennung von Gleisinfrastruktur und rollendem Betrieb« (Handelsblatt) und unisono verlogen: »Ist die Bahn noch zu retten?«

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Die Ahnungslosen geben nicht auf, aber Zerstörung der Bahn ist ungefähr wie Auflösen der Bevölkerung, wozu das deutsche Großkapital ja neigt. Es ist Bahn-Chefin Evelyn Palla anzurechnen, dass sie der Bahn mit der am Donnerstag im Aufsichtsrat vorgestellten Strategie aufhelfen will. Deren erster Punkt allerdings – ab diesem Jahr Gewinn erzielen – besagt: Zunächst wieder der falsche Schritt. Daseinsvorsorge kostet. Alles Übrige – Streckensanierung, Verlässlichkeit – hängt von dieser Einsicht ab. Pallas Strategie schränkt die Aussichten ein. Außerdem hat sie einen CDU-Verkehrsminister über sich, der als wichtigste Amtshandlung bisher die Senkung der Luftverkehrssteuer ab dem 1. Juli vollbracht hat. Die Bahn bleibt ein Kampffeld.

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Erschienen in der Ausgabe vom 26.06.2026, Seite 1, Ansichten

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