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Aus Leserbriefen an die Redaktion

Foto: ZUMA Press/imago/Montage jW
Disco-Sally schwingt das Tanzbein: Studio 54

»Mechanismen der Macht«

→ Zu jW vom 16.7.: »Schwarze Galle«

Endlich ein intelligenter Antikriegsfilm: »Die Odyssee« von Christopher Nolan. Ich war von den Kritiken so irritiert, dass ich den Film gar nicht anschauen wollte – und dann total begeistert. Nicht so wegen der Bildsprache, sondern weil ich einen großartigen Antikriegsfilm gesehen habe: Frauenbefreiung (Helena) als Vorwand für handfeste wirtschaftliche Interessen (Handelsroute), Aufrüstung aufgrund von Gerüchten, dass Angriffe bevorstehen würden (wie heute in Europa), und am Schluss die Erkenntnis, dass das gefährliche Seevolk das eigene ist; Zerstörung einer Zivilisation auch durch List und Lüge (Trojanisches Pferd); Verpflichtung, Verantwortung und Schuld von Entscheidungsträgern (Odysseus’ differenzierte Reflexion) usw. … Mechanismen der Macht vom Feinsten!

Christine Bauer-Jelinek, Wien (Österreich)

»Auf professionellem und teilweise Weltniveau«

→ Zu jW vom 1./2.8.: »Verschollenes Erbe«

»Auch bei der Architektur der Ostmoderne und neoklassizistischen Kulturbauten, bei bildender Kunst, Bühne, Film und natürlich in der DDR-Musikgeschichte ist vieles für jene zu entdecken, die sich auf die Spuren von Hanns Eisler, Paul Dessau und auch in den Populärbereich begeben.« Also reden wir über den Populärbereich. Spätestens als ich nach den Weltfestspielen der Jugend und Studenten 1973 auf Anraten eines FDJlers zum ersten Mal die Musik von Uschi Brüning mit der Band von Günther Fischer und den Texten von Gisela Steineckert gehört hatte, wurde mir klar, dass die Populärmusik der DDR auf einem anderen, neuen gesellschaftlichen Fundament aufgebaut war als dem der BRD.

Hier waren großartige politische Liedermacher wie Franz Josef Degenhardt, Hannes Wader, Dieter Süverkrüp, Hanns Dieter Hüsch und Rockgruppen wie Floh de Cologne, Die Conrads oder sozialkritische Barden wie Klaus Hoffmann oder Reinhard Mey einem begrenzten Zuhörerkreis zugänglich. Massenwirksam über die Medien hingegen nach dem Motto »Liebe, Triebe, Hiebe« oder »Ein bisschen Frieden«, »Da, da, da« waren die üblichen Banalitäten aus den Charts des Westens. Das konnte auch gar nicht anders sein, wollte man das Bild einer heilen Konsumwelt gegenüber der »Tristesse des Ostens« doch mit allen Mitteln und Tricks bewahren.

Irgendwann in den 90ern mäanderten aus heiterem Himmel aber ganz andere Töne aus dem »Reich des Bösen« zu uns herüber: City, Karat, Stern-Combo Meißen, Puhdys, Lift oder Electra waren Namen, die aufhorchen ließen. So was gab es im Westen noch nicht: Sänger und Instrumentalisten auf professionellem und teilweise Weltniveau mit anspruchsvollen deutschen Texten – das war auf diesem Niveau und in dieser Verbreitung neu. Selbst einen auch damals sogar in der DDR unterschätzten Holger Biege konnten wir nur bewundern.

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Dabei waren wir noch nicht einmal z. B. bei Gisela May oder den vielen Singegruppen des »Festivals des politischen Liedes«, das unter der Regie von Hartmut König im deutschsprachigen Raum bis heute einmalig war. Warum diese Vergleiche? Mit Brecht fällt die Antwort leicht: »Der Friede ist das A und O aller menschlichen Tätigkeiten – aller Produktion, aller Künste, einschließlich der Kunst zu leben.« (…)

Manfred Pohlmann, per E-Mail

Plädoyer für Wasserspeicher

→ Zu jW vom 6.8.: »Dürre frisst Ackerland«

Die Sonne schickt doch eine Rechnung: Ernteausfälle wegen Wassermangel erhöhen die Nahrungsmittelpreise. Wasser ist Leben, und deshalb ist nicht nur ein sparsamer Umgang damit notwendig, sondern es sind auch »Wasserspeicher« für die Landwirtschaft und in der Stadt, um Regenwasser aufzufangen oder Rückhaltebecken aufzufüllen. Wasservorrat anlegen ist also eine Aufgabe, die lebensnotwendig ist, in jeder Kommune und jedem Bundesland zur Pflicht gemacht werden muss. Der Bund hätte hier mit einem »Notstandsgesetz« eine ganz wichtige Aufgabe zu erfüllen, für mehr als 83 Millionen Bundesbürger.

Thomas Bartsch-Hauschild, Hamburg

Zweiklassengesellschaft bei Unicredit

→ Zu jW vom 3.8.: »Unicredit greift zu«

Der jW-Artikel »Unicredit greift zu«, der sich mit der drohenden Übernahme der Commerzbank befasst, beleuchtet zwar den Machtkampf in Frankfurt am Main, lässt aber eine entscheidende, unsoziale Realität völlig außer acht: die Situation der ostdeutschen Tochtergesellschaften.

Wenn in der Presse pauschal von »IT-Infrastruktur« oder »Backoffice« die Rede ist, verschleiert das das Schicksal Tausender Beschäftigter. Es geht hier konkret um die Com-TS-Gesellschaften in Magdeburg, Halle (Saale) und Erfurt. An diesen Standorten wurden einst Billiglohnbetriebe ausgegründet, um den Bankentarifvertrag zu umgehen. Während die Angestellten der Kernbank (AG) über Beschäftigungsgarantien bis 2030 geschützt sind, stehen die Arbeitsplätze in den ostdeutschen Servicezentren bei einer Unicredit-Übernahme als erste und völlig schutzlos zur Disposition. Hier gibt es nur eine Regelungsabrede, die exakt zum 31. Dezember 2027 ausläuft.

Dass die bürgerliche Presse diese Zweiklassengesellschaft im Konzern ignoriert, überrascht nicht. Dass aber die junge Welt den realen Existenzkampf von rund 1.500 Beschäftigten in Sachsen-Anhalt und Thüringen mit keinem Wort erwähnt und statt dessen nur den Frankfurter Abwehrkampf, enttäuscht zutiefst. Gerade sie sollte den Finger in diese Wunde der Tarifflucht und der Benachteiligung ostdeutscher Standorte legen!

Yvonne Teutscher, per E-Mail

Als ich zum ersten Mal die Musik von Uschi Brüning mit der Band von Günther Fischer und den Texten von Gisela Steineckert gehört hatte, wurde mir klar, dass die Populärmusik der DDR auf einem anderen, neuen gesellschaftlichen Fundament aufgebaut war.

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Erschienen in der Ausgabe vom 08.08.2026, Seite 14, Leserbriefe

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