Aus Leserbriefen an die Redaktion
Nulltarif ist möglich und löblich
→ Zu jW vom 29.7.: »Preisspirale im Nahverkehr«
Hilfreicher als das Lamento des Mitteldeutschen Verkehrsverbunds (MDV) über »steigende Betriebskosten« wäre es, gäbe er denn freundlicherweise an, zu welchem Anteil diese aus dem Fahrscheinverkauf bestritten werden. Bundesweit liegt dieser Wert etwa bei 20, allerhöchstens 30 Prozent. Die übrigen 70 bis 80 Prozent sind »Regionalisierungsmittel«, die der Bund an die Länder, diese gegebenenfalls an Bestellerinstanzen (z. B. Verbünde), diese wiederum an die Verkehrs-»Unternehmen« zahlen. Insofern ist der Stadtverband Halle (Saale) der Linkspartei vollumfänglich zu unterstützen, vor allem die Formulierung: »Es braucht mehr Mittel von Land und Bund«, in Verbindung mit dem Statement, öffentlicher Verkehr müsse öffentlich getragen werden (wie sonst?), was 1993/96 sogar »Schwarz-Gelb« und der SPD noch klar war (siehe Bahn-»Reform« und »Regionalisierung«).
In diesem Kontext wäre – über den MDV hinaus, möglichst EU-weit – zu fordern: Auch im Schienenpersonenfernverkehr, kurz: SPFV, müssen Tariffremdkörper wie Eurostar (Ex-Thalys), Flixtrain, die zukünftige italienische Fernbahn und jeder andere »Anbieter« gezwungen werden, den DB-Fernverkehrstarif anzuwenden, meinetwegen mit ICE-Konditionen. Die entsprechenden Fahrplantrassen schließen ja auch dichtere ICE-Takte aus! Der angeblich »diskriminierungsfreie« Netzzugang darf nicht mehr – wie jetzt! – zur Fahrgastdiskriminierung führen! Alle Fernverkehrstickets sind von den »Anbietern« gegenseitig zu akzeptieren bzw. dürfen sich nur mehr auf bestimmte Strecken, nicht mehr auf bestimmte Züge beziehen! Ein Verbund muss entstehen – wie es für den Regionalverkehr schon vor über 30 Jahren klar war.
Zur Nulltarifförderung gilt abermals, die heutigen Anteile – quasi 80, jedenfalls aber 70 Prozent »Nulltarif« bereits realisiert! – im Auge zu behalten: 20 Prozent mehr machen den Bund nicht arm, und sei es mit – zur Abwechslung sinnvollem! – »Sondervermögen«. Luxemburg hat bereits Nulltarif. Wer also mit Deutschland-Ticket nach Trier kommt, kann mit zwei Linienbussen nach Echternach fahren, mit Bus und Tram via Junglinster nach Luxembourg-Ville und von dort mit Zug nach Trier – oder alles in Gegenrichtung. Das macht Spaß. Übrigens spart Nulltarif auch ökosozial unnütze »Arbeitsplätze« im Kontrollwesen und bei Automatenherstellern ein, lindert also den Fachkräftemangel.
Durch wegfallende (bzw. auf echten Vandalismus o. ä. beschränkte) Auseinandersetzungen wären schon eine Ermordung, häufiger auch Verletzungen, Bespucken und vergleichbare Übergriffe auf Kontrollpersonal vermieden worden. Auch ich wäre neulich eine halbe Stunde früher heimgekommen, die mir und meinem Chauffeur ein egomanischer Jugendlicher nicht gegönnt hatte: Er meinte, Nulltarif könne individuell durchgesetzt werden – das geht aber nur politisch!
Bernhard May, Wuppertal
Fragen über Fragen
→ Zu jW vom 28.7.: »Zu Zitat des Tages«
»Miete für viele schwer bezahlbar: Was hält vom Kauf ab?« fragt eine dpa-Überschrift. Vermutlich wurde sie von keiner KI ausgedacht, sondern von einem »richtigen« Menschen. Einem gut situierten Menschen, selbstredend. Was hält Mieter eigentlich davon ab, ihre Wohnungen zu kaufen, um sich diese monatliche Ausgabe zu ersparen? Wie kann es sein, dass sie auf diese so einfache wie geniale Idee nicht kommen?
Die Frage, was vom Kauf abhält, ist genauso infam wie eine Äußerung von Marco Rubio (»Zitat des Tages«, 22.12.2025): »Kuba ist ein Desaster (…). Es sind inkompetente Leute, die dieses Land zerstört haben.« Seit über sechzig Jahren von den USA sanktioniert und dann beschuldigt zu werden, das Land zerstört zu haben – was für eine hundsgemeine Aussage!
Und hier bin ich wieder bei der Frage, die mich umtreibt: Wem fällt eine solche Gemeinheit eigentlich noch auf? Wen von unseren Wohlstandsbürgern interessiert das überhaupt? Am 18. Juli sollen 3.000 Menschen in der Parkaue in Berlin-Lichtenberg ihre Solidarität mit Kuba bekundet haben. Ich konnte leider nicht dabei sein. Die Berliner Abendschau hat in ihrer Sendung um 19.30 Uhr diese Veranstaltung komplett ignoriert, totgeschwiegen. Soviel zur »freien« Berichterstattung in den Staatsmedien.
Margitta Mattner, per E-Mail
»Keine so ganz neue Idee«
→ Zu jW vom 28.7.: »Das bekannte Muster«
Der Anschlag auf den CSD war kaum vorüber, da brachte Innenminister Dobrindt den Vorschlag nach der Einführung einer Präventivhaft ein. Zugegebenermaßen ist das keine so ganz neue Idee. Vor fast hundert Jahren nannte man so etwas »Schutzhaft«, und die sollte dazu dienen, ausgemachte »Gefährder« ohne großes Federlesen an Orten zu konzentrieren, wo man sie wunderbar »überwachen« konnte. Die weitere Entwicklung kann man in jedem beliebigen Buch über deutsche Geschichte nachlesen.
Da sage noch einer, die heutigen Regierenden wären geschichtsvergessen. Angesichts dessen sollte es uns kalt den Buckel herunterlaufen, welche »bewährten« Ideen heute von Regierenden eingebracht werden dürfen. Übrigens auch an allem vorbei, was im Grundgesetz an Normen des Umgangs des Staates mit seinen Bürgern festgeschrieben ist. Unwillkürlich muss ich an Julius Fučík mahnende Worte denken: »Menschen, ich hatte euch lieb. Seid wachsam!« Es braucht nicht erst Wahlsiege der AfD, damit jene unseligen Zustände zurückkehren können, die es auf deutschem Boden schon einmal gab.
Joachim Seider, Lychen
Auch ich wäre neulich eine halbe Stunde früher heimgekommen, die mir und meinem Chauffeur ein egomanischer Jugendlicher nicht gegönnt hatte: Er meinte, Nulltarif könne individuell durchgesetzt werden – das geht aber nur politisch!
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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