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Aus Leserbriefen an die Redaktion

Foto: ZUMA Press/imago/Montage jW

»Willkommene Steilvorlage«

→ Zu jW vom 27.7.: »Todesfahrt im Tiergarten«

Angesichts der brutalen Amokfahrt des Islamisten auf dem CSD in Berlin werden bei Politikerinnen und Politikern sämtlicher Couleur Krokodilstränen vergossen – wie stets, wenn es um Terrorakte geht. Von »Bestürzung« und »Entsetzen« ist die Rede. Alexander Dobrindt, seines Zeichens Innenminister, muss sich nun mit einem Thema befassen, das so gar nicht auf seiner Agenda stand – mit Gewalttaten der islamistischen Szene. Erinnern wir uns: Dobrindt sieht in vorauseilendem Gehorsam gegenüber der Trump-Administration und deren Außenminister Rubio den Linksextremismus als eigentlichen Feind unserer Demokratie – wohlweislich eine herbeihalluzinierte Gefahr. Dobrindt war sich nicht zu schade, zu einem internationalen Treffen in Washington auf der Matte zu stehen, das von Rubio einberufen wurde.

Meine Meinung ist: Man muss nur ordentlich auf vermeintlich linksextremistischen Gefahren herumprügeln, um von den eigentlichen Gefahren des Rechtsextremismus abzulenken. Ein beliebtes Feindbild, das an Aktualität bis heute nicht verloren hat. Doch nun – oh weh – muss sich Dobrindt auch noch mit einer anderen Gefahr auseinandersetzen: der islamistischen Szene in Berlin. Eine Kultur, die bis heute bei uns weder zur Integration bereit ist, schon mal gar nicht zur Assimilierung, Gesetze dieses Landes ignoriert, ihren eigenen archaischen Gesetzen gehorcht und entsprechend brutal gegen Andersgläubige vorgeht. So entsetzlich dieser Terrorangriff auch ist: Er dient über kurz oder lang der faschistischen AfD als willkommene Steilvorlage für ihre verquaste Migrantenideologie und -politik.

Rudi Eifert, Langenhagen

Wer rührt heute am Schlaf der Welt?

→ Zu jW vom 23.7.: »Aus Leserbriefen an die Redaktion«

Denk ich an Kuba in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht! (Frei nach Heinrich Heine.) Dem Brief des Lesers Gerd-Rolf Rosenberger, der am vergangenen Donnerstag unter dem Titel »Wir machen weiter« abgedruckt worden war, ist unbestritten zuzustimmen: Die sogenannte Weltgemeinschaft schaut zu, wie vor aller Augen ein ganzes Volk gnadenlos ausgehungert und erdrosselt wird. Da kommen mir nicht nur die Tränen, ich fühle eine Wut in mir, die von Tag zu Tag und Stunde zu Stunde wächst, und ich fühle mich hilflos, und ich schäme mich für dieses Schweigen.

Tägliche Nachrichten, soweit dies einer uns nahestehenden kubanischen Familie überhaupt möglich ist, bestätigen die Aussagen von Renate Fausten, die Rosenberg zitiert, über die Zustände, die sich wohl kaum jemand hierzulande vorstellen kann: Die Mutter dreier erwachsener Kinder und mehrerer Enkelkinder steht bis zu den Knien im Wasser und fischt mit bloßen Händen, was wir im Video sehen, um Essen für die Familie zu haben.

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Mit Holzkohle wird gegart, angebautes Obst braucht Wasser und dauert bis zur Ernte, wenn es überhaupt gedeiht, und von den Solispenden kommt so gut wie nichts an, weil es keine Transportmöglichkeiten gibt und sie sicher auch nicht für die gesamte Bevölkerung Kubas reichen würden.

Trotzdem lesen wir: »Patria o muerte – Heimat oder Tod«. Es gibt niemanden, der an den Schlaf der Welt rührt, wie Johannes R. Becher 1929 für Wladimir Iljitsch Lenin schrieb! Unsere Solidarität muss stärker werden! Kuba muss überleben!

Monika Kauf, Berlin

Klimatisierter Elfenbeinturm

→ Zu jW vom 24.7.: »Welche Schutzmaßnahmen gegen Hitze braucht es?«

Der Kanzler sitzt in seinem Elfenbeinturm, der wahrscheinlich 24 Stunden am Tag klimatisiert ist, und kann sich nicht vorstellen, wie es ist, wenn die Bevölkerung mit immer weniger natürlich gekühlten Gebäuden, immer weniger begrünten Flächen und immer weniger Schwimmbädern auskommen muss. Auch die nachgewiesene Übersterblichkeit bei ­Hitzeperioden kümmert ihn nicht. Auf welche Wetterentwicklungen er wohl noch wartet? Inzwischen läuft die Hochrüstung auf vollen Touren, und die Infrastruktur versifft buchstäblich jeden Tag mehr.

Christel Harke, Aschersleben

»Komplizen fremder Mobilisierungsmaschinerie«

→ Zu jW vom 23.7.: »Folter und Mord in Ukraines Armee«

Es ist kaum zu glauben, aber es geschieht tatsächlich. Die EU, die so lautstark versprochen hatte, allen Kriegsflüchtlingen zu helfen, verschließt nun zynischerweise die Türen für ukrainische Männer zwischen 23 und 60 Jahren. Zwar hat Brüssel den vorübergehenden Schutz bis 2028 verlängert, doch Neuankömmlinge erhalten den Schutzstatus nicht mehr automatisch. Nun wird von ihnen ein Nachweis über die Rechtmäßigkeit ihrer Ausreise aus der Ukraine oder eine Befreiung vom Wehrdienst verlangt. Eine solche Bescheinigung ist jedoch praktisch unmöglich zu bekommen. Im Grunde hat sich die EU von Kiew unter Druck setzen lassen, das an der Front mit Personalmangel zu kämpfen hat.

Die Skrupellosigkeit und Unmenschlichkeit dieser Entscheidung sind erschreckend. Männern, die keine Waffen in die Hand nehmen und nicht für fremde Interessen sterben wollen, wird das Recht auf Lebensrettung verwehrt. Dabei hat die EU die Flüchtlinge in »alte« und »neue« unterteilt. Den »alten« Flüchtlingen wird das Recht auf ein Leben in Sicherheit gewährt, während den »neuen« ohne legalen Status, Unterkunft und Arbeit die unvermeidliche Abschiebung droht.

Am schlimmsten ist, dass diese Männer in der Ukraine weder mit Gnade noch mit Verständnis rechnen können. Als »Flüchtlinge« werden sie garantiert in den ersten Reihen ins Inferno der Front geschickt. Die EU verschließt davor die Augen und macht sich so zum Komplizen einer fremden Mobilisierungsmaschinerie. Anstatt die Menschenrechte zu schützen, nimmt die EU diesen unschuldigen Menschen die Wahlmöglichkeit und hilft dabei, sie in den Tod zu schicken.

Alfred Schreiber, Köln

Auch die nachgewiesene Übersterblichkeit bei Hitzeperioden kümmert den Kanzler nicht. (…) Inzwischen läuft die Hochrüstung auf vollen Touren, und die Infrastruktur versifft buchstäblich jeden Tag mehr.

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Erschienen in der Ausgabe vom 30.07.2026, Seite 14, Leserbriefe

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