Kein Tritt nach oben
Gewalt an Schulen hat zugenommen. GEW fordert mehr Personal zur Prävention
Individualismus und Konkurrenz werden in diesem Staate früh erlernt. Gleichzeitig sind die Voraussetzungen im täglichen Wettbewerb zu bestehen im höchsten Maße ungleich. Das deutsche Bildungssystem vermindert Ausgrenzung hier nicht nur nicht, sondern verstärkt sie. Der Befund ist jahrzehntealt. Nun aber entlädt sich die ganze Konkurrenz immer öfter gewaltvoll – auch auf dem Schulhof. Als erstes Bundesland hat Berlin eine Studie zu Gewalt an Schulen herausgebracht. Am Montag stellte die Bildungssenatorin die Ergebnisse vor. 38 Prozent der Lehrkräfte und pädagogischen Mitarbeiter nehmen demnach Gewalt unter Schülern als großes Problem wahr, 18 Prozent sogar als sehr großes Problem. Das deckt sich mit den Angaben der Schülerinnen und Schüler. Das Spektrum der Gewalterlebnisse reicht dabei von Beleidigungen bis hin zu Schlägen, Tritten und Prügeln.
Besonders deutlich wird das in den Antworten von Jugendlichen aus der 9. Klasse auf die Frage nach entsprechenden Erfahrungen in diesem oder im vergangenen Schuljahr. Knapp zwei Drittel (63 Prozent) von ihnen berichteten von Beleidigungen, knapp die Hälfte (49 Prozent), dass sie von Mitschülern lächerlich gemacht oder blamiert worden seien. Jeweils rund ein Viertel gab an, ausgegrenzt oder gemobbt (26 Prozent) beziehungsweise geschlagen, getreten oder geboxt (25 Prozent) worden zu sein. Vier Prozent berichteten davon, sogar verprügelt worden zu sein. Und auch an Grundschulen nimmt die Gewalt zu. Konflikte eskalierten deutlich schneller, erklärte CDU-Politikerin Katharina Günther-Wünsch.
Die GEW sieht ihre Erfahrungen in der Studie bestätigt. Entscheidend sei, dass aus den Ergebnissen entsprechende Verbesserungen für die Schulen abgeleitet werden. »Das A und O ist verlässliche Beziehungsarbeit. Dafür brauchen Schulen ausreichend Personal und stabile Unterstützungsstrukturen«, erklärt Felicia Kompio, Vorsitzende der GEW Berlin. »Der Lehrkräftemangel muss entschieden bekämpft werden. Es braucht den Ausbau der Schulsozialarbeit und auch der Schulpsychologie.«
Ähnlich äußerte sich die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Bundestag, Nicole Gohlke: »Kinder, denen Perspektiven genommen werden, die zu Hause Armut und Enge erleben, denen immer mehr Hilfs- und Unterstützungsangebote gestrichen werden – bei diesen Kindern entlädt sich Frustration, und zwar auch auf dem Schulhof. Das ist die direkte Folge einer Politik, die lieber über Bundesjugendspiele schwadroniert, statt echte Hilfen auf den Weg zu bringen.« Oder bestehende Hilfen sogar kürzt, wie in Berlin, weshalb die GEW fordert: »Wer Gewaltprävention ernst nimmt, darf funktionierende Angebote nicht wegsparen. Präventionsarbeit muss langfristig finanziert und abgesichert werden.« Der Schulalltag könnte so weniger gewaltvoll sein, sozial selektiv wird er bleiben.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 2,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
