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Rüstungsmesse Eurosatory

Töten ist der letzte Schrei

Inspiriert vom Schlachtfeld Ukraine: Auf der Pariser Rüstungsmesse Eurosatory sind die Kriegsprofiteure trotz FCAS-Desaster in Sektlaune

Foto: IMAGO/Chris Emil Janßen
Kombination aus Schlips und Knarre auf Rüstungsmessen weit verbreitet: Stand von Heckler & Koch in Paris

Kriegerische Zeiten sorgen für Rekorderlöse in der Rüstungsindustrie, und so brach auch die Pariser Rüstungsmesse Eurosatory, die am Montag begann und an diesem Freitag zu Ende geht, eine Reihe von Superlativen. Gut 2.600 Unternehmen stellten ihre Rüstungsgüter vor. Sie kamen aus 68 Ländern und präsentierten ihre Panzer, Drohnen und Geschosse mehr als 76.000 Besuchern. Jede dieser Zahlen ist höher als bei der vorigen Eurosatory des Jahres 2024, die ihrerseits bereits einen starken Anstieg gegenüber 2022 verzeichnet hatte. Besonders präsent waren Rüstungsunternehmen aus Frankreich, so etwa Thales, Safran und MBDA. Auch Deutschland war mit rund 100 Rüstungsfirmen stark vertreten, darunter mehrere Branchengrößen wie Rheinmetall, Hensoldt und Diehl Defence.

Wie üblich weckten auch auf der diesjährigen Eurosatory vor allem Neuentwicklungen die Aufmerksamkeit. Sie hatten – auch das ist alles andere als ungewöhnlich – oft etwas mit den Kriegen der Gegenwart zu tun, diesmal vor allem mit dem Ukraine-Krieg. So führte das ukrainische Unternehmen OM Defense Systems eine Drohne vor, die besonderes Aufsehen erregte, weil sie sich mit einem Sturmgewehr bewaffnen lässt. Der Hersteller musste freilich einräumen, dass das Gerät noch nicht so effizient mit dem Gewehr hantieren kann wie gewünscht. Die Spezialkräfte, denen man es zu Testzwecken übergeben habe, hätten schon bald wieder auf herkömmliche Sprengsätze gesetzt, die man meist mit Hilfe von Drohnen abwerfe. Der italienische Rüstungskonzern Leonardo präsentierte gemeinsam mit seiner norditalienischen Tochterfirma IDV (Iveco Defence Vehicles) die Haubitze VBM 155 mit gut 70 Kilometern Reichweite, zu deren Entwicklung er sich ebenfalls durch den Ukraine-Krieg hatte inspirieren lassen. IDV stellte außerdem unbemannte Kleinpanzer vor, die an der Seite gewöhnlicher Panzer operieren können. Angeregt wurde das – na? Genau: durch den Ukraine-Krieg.

Politisch überschattet wurde die Pariser Rüstungsmesse durch den Abbruch der Entwicklung des deutsch-französischen Kampfjets der sechsten Generation, den die Bundesregierung Anfang vergangener Woche bekanntgegeben hatte. Die Spannungen zwischen Frankreich und Deutschland waren auch auf der Eurosatory unübersehbar. Leicht erkennen konnte man sie, wenn man sich die diversen Panzerbauvorhaben anschaute, die dort fleißig beworben wurden. Das große deutsch-französische Kampfpanzerprojekt MGCS (Main Ground Combat System), ein Äquivalent zum Kampfjetprojekt FCAS (Future Combat Air System), das vor allem von KNDS getragen wird – einem Zusammenschluss der deutschen KMW und der französischen Nexter –, wird mindestens zehn Jahre später als geplant fertig werden. Bis dahin braucht es Zwischenlösungen, »Überbrückungspanzer«, wie manche es formulieren. Einen solchen stellte KNDS auf der Eurosatory vor, dabei Technologie beider Unternehmensteile nutzend. Das deutsch-französische Gerät namens Capint (Capacité intermédiaire) werden Frankreichs Streitkräfte erwerben.

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Parallel dazu gab es auf der ­Eurosatory allerdings, so musste es aus französischer Perspektive wirken, zwei deutsche Extrawürste zu bewundern. Zum einen stellten KNDS Deutschland und Rheinmetall einen zweiten »Überbrückungspanzer« vor, eine Weiterentwicklung des »Leopard 2«; manche nennen das rein deutsche Fahrzeug provisorisch »Leopard 3«. Rheinmetall wiederum präsentierte gemeinsam mit der italienischen Leonardo ein auf dem Rheinmetall-Panzer »Panther« basierendes Gefährt, das die italienischen Streitkräfte erwerben wollen. Der Preis liegt laut Angaben aus Militärkreisen beim Dreifachen des Preises eines »Leopard 2«. Dass deutsche Konzerne gleich zwei Kampfpanzer anbieten wollen, die faktisch mit dem krass verzögerten MGCS konkurrieren, während die französischen Streitkräfte brav bei der deutsch-französischen KNDS kaufen, ist ein perfektes Beispiel für den Zustand der »deutsch-französischen Freundschaft«.

Zwar dominierten auf der Rüstungsmesse noch Unternehmen aus westlichen Ländern. Wer genau hinsah, konnte aber erkennen: Da wachsen außerhalb Europas und Nordamerikas eine ganze Reihe Konkurrenten heran, die sich daran machen, den alten westlichen Platzhirschen Marktanteile abzunehmen. Die türkische Rüstungsindustrie etwa war mit mehr als 50 Unternehmen vertreten. Eine Randnotiz? Spanien verhandelt zur Zeit über den Erwerb des Kaan, eines türkischen Kampfjets der fünften Generation. Solche Jets produziert in Westeuropa niemand. Einige ihrer Produkte präsentierte auch die EDGE Group aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Sie hat sich vorgenommen, auf den europäischen Markt vorzudringen. Unternehmen aus nichtwestlichen Ländern werden von der hiesigen Öffentlichkeit immer noch ignoriert. Das muss nicht, aber könnte sich – wie im Fall der Türkei – als Fehler erweisen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 19.06.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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