Grantlerversteher des Tages: Markus Söder
Das Weltbild im weiß-blauen Freistaat am Fuße der Alpen fasste der Kabarettist Bruno Jonas gerne mit drei Glaubenssätzen zusammen: »Mia san mia«, »Des hamma scho immer so gmacht« und »Da könnt ja jeder kemma«. Nach dieser bayerischen Dreifaltigkeit funktionierte auch die allumfassende Staatspartei jahrzehntelang als Selbstläufer. Doch diese Zeiten sind passé. Am Franz-Josef-Strauß-Ring muss sich die CSU die Macht mit den Wadenbeißern der Freien Wähler teilen. Bei den Kommunalwahlen im März fuhr sie ihr schwächstes Ergebnis seit 74 Jahren ein. Und die AfD schert sich einen Teufel um das Straußsche Diktum, rechts der CSU dürfe es keine demokratisch legitimierte Partei geben. »Die Wölfe stehen vor der Tür«, warnt Markus Söder.
Für den Landesvater in den Fußstapfen des gottgleichen FJS läuft es derzeit nicht optimal. Nur 83,6 Prozent bei seiner Neuwahl zum Parteichef im Dezember galten als Warnschuss. Dann mahnte Parteivize Manfred Weber in seinem Pfingstbrief, weniger dem Zeitgeist als eigenen Überzeugungen zu folgen, denn Gemeinschaftsgefühl lasse sich weder mit Schlagzeilen noch mit Klickzahlen erzeugen. Ein Frontalangriff auf den Social-Media-Star und Foodblogger in der Staatskanzlei, der inzwischen – nach einem angeblichen Rasierunfall wieder bartlos – bemüht erscheint, einen Staatsmann zu mimen.
Nach einer »knallharten Aussprache« auf der Parteivorstandssitzung am Montag präsentierte Söder einen Zehnpunkteplan für neue Einigkeit. Die Parteibasis soll durch digitale Umfragen und Basiskonferenzen besser eingebunden, Programm- und Grundsatzkommissionen wiederbelebt und ein außenpolitischer Kongress abgehalten werden. Kurz gesagt: Den Grantlern an der Basis und Laberern im Apparat wird Gelegenheit zum Dampfablassen gegeben. Damit an der Spitze alles beim Alten bleibt und weiterhin gilt: »Jetzt red’ i.«
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