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Aus Leserbriefen an die Redaktion

Foto: ZUMA Press/imago/Montage jW

Drohnenfutter

→ Zu jW vom 6.6.: »Tag des Tages: Tag der Bundeswehr«

Jetzt und nicht erst jetzt wanzt sich die Clique der Kriegstreiber an Kinder sowie Jugendliche heran. (Rüstungs-)Industrie und Politik inklusive Bundeswehrmacht gedenken gleichermaßen, wieder gen Osten zu ziehen. Gesucht wird deshalb dringend Kanonen- (früher) bzw. Drohnenfutter (aktuell). Das Auswärtige Amt unter Leitung des begossenen Wadepudels (Verlierer bei der Wahl zum UN-Sicherheitsrat) ließ schon früher den konkreten Einsatzort festlegen. Man kann es nicht oft genug wiederholen: »Russland wird immer ein Feind für uns bleiben.« Wer aber wird an heraufzubeschwörender Ostfront für die Interessen des deutschen Kapitals geopfert werden? Kinder unserer Bourgeoisie? Eher eine Ausnahme. Nachkommen aus dem Überbau kapitalistischer Verhältnisse, also exemplarisch der führenden Politik? Wohl kaum. Die heutige EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen war 2016 ausnahmsweise einmal ehrlich: »Ist jemand von ihren (sieben) Kindern bei der Bundeswehr?« Antwort: »Nein.« Lassen wir einmal den Klassenbegriff beiseite und nutzen Bezeichnungen bürgerlicher Soziologie: Teile der sogenannten Mittelschicht sind für das Sterben fest eingeplant. Die Bundeswehr rührt ihre Werbetrommeln, wie der bekannte Rattenfänger von Hameln seine Pfeife nutzte. So war es immer, so wird es immer bleiben? Unter anderem diverse Schulstreiks gegen Wehrpflicht lassen hoffen …

Frank Lukaszewski, Oberhausen

Zweiklassengesundheitsversorgung

→ Zu jW vom 11.6.: »Mit Sparwahn in den Kollaps«

Was in diesem Artikel zu kurz kommt: 1. Durch die immense Aufrüstung gehen für die Gesundheitsversorgung beträchtliche finanzielle Ressourcen verloren. Warum kein Sondervermögen für Gesundheitsversorgung? 2. Durch die immer enger werdende Verbindung zwischen Militär und großen Teilen des zivilen Gesundheitswesens (Stichwort: Militarisierung des Gesundheitswesens) wird es ein Zweiklassenversorgungssystem geben: das eine bevorzugt für das Militär und seine Bedürfnisse, das andere zur Versorgung der Zivilbevölkerung, die nur noch mit Krümeln, die das Militär abwirft, notdürftig in den Genuss kommt.

Ernst-Ludwig Iskenius, Lübtheen

SPD in der Beletage

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→ Zu jW vom 9.6.: »Historischer Coup«

Es macht fassungslos, wie tief die SPD gesunken ist! Ihr Führungspersonal ist buchstäblich bereit, ihre Mitglieder und Sympathisanten, die Gewerkschafter und auch die junge Generation für Posten in der politischen Beletage (die den Zugriff auf die Pfründe gewährt) zu verkaufen. Bärbel Bas verkauft die Werktätigen an die Konzerne, Boris Pistorius die Jugend an den Krieg und Lars ­Klingbeil das Land an die Finanzbourgeoisie.

P. Tiedke, Golzow

Vorwurf genügt

→ Zu jW vom 5.6.: »Gewerkschaft Verdi äußert sich zum sanktionierten Journalisten Hüseyin Doğru«

»Nach unseren Erkenntnissen ist Herr Doğru Medienunternehmer und selbst seit Jahren nicht hauptberuflich journalistisch tätig.« Nun, davon soll es mehrere geben. Herr Musk, Frau Springer – ich bin neugierig, inwieweit Christoph Schmitz-Dethlefsen da auf Gleichbehandlung pocht. »Dem die EU ›enge finanzielle und organisatorische Verbindungen zu Organisationen und Akteuren der Staatspropaganda in Russland‹ vorwirft. Ob das zutrifft, kann ich nicht überprüfen.« Kann er nicht. Zur Solidaritätsverweigerung reicht es, dass da wer was vorwirft. »(W)aren Nachfolger des ehemaligen russischen Propagandanetzwerks RT« – ist das gerichtlich festgestellt worden? Oder reicht es auch hier, dass wer was vorwirft? »(D)essen Verbreitung 2022 EU-weit verboten worden ist.« Na, dann muss es wohl stimmen: Weil das kein Angriff auf die journalistische Freiheit gewesen sein kann, gibt es nie mehr einen – außer in Putin-Land natürlich.

René Bartsch, Glauchau

Bildungshunger

→ Zu jW vom 27.5.: »Zehntausend Stunden«

Dass sich das bundesdeutsche Schulsystem in einem bedauernswerten Zustand befindet, sollte nicht zu oberflächlichen Gedankenspielen verleiten. Zu leicht landet man dann gemeinsam mit dem Kapital bei Vorstellungen, die denen der Klippschule des 19. Jahrhunderts ähneln. Dem Kapital ist ohnehin jeder Aufwand zuviel, den es mitfinanzieren muss. Deshalb ist es zu gern zu jeglichen Einsparungen in diesem Bereich bereit. Es ist kaum hundert Jahre her, als es ausreichend schien, dem Pöbel den Katechismus und das Beten beizubringen, vielleicht noch ein wenig Schreiben, Lesen und Rechnen dazu. Es war der Bildungshunger der werktätigen Massen, die mühsam erzwingen mussten, das alte Bildungsprivileg der Herrschenden zu brechen. Bildung ist etwas viel Komplizierteres, als etwas in Köpfe hineinzuschütten. Lernen ist ein anstrengender und hochkomplizierter Prozess, der seinerseits erst einmal mühsam gelernt werden muss. Bekanntlich hat es mit dem Nürnberger Trichter ja nie so richtig geklappt. Für das Lernen braucht man eine Basis, Werkzeuge, die einem den Erwerb neuer Kenntnisse erst ermöglichen. Die DDR verfügte über eine Akademie der Pädagogischen Wissenschaften, in der hochqualifizierte Menschen intensiv über die Auswahl der in Zukunft erforderlichen Werkzeuge nachdachten. Die BRD zeigt heute gegenüber dieser Aufgabe ein nahezu stümperhaftes Verhalten. Zudem ist Lernen nichts, was sich problemlos auf die individuelle Schiene abschieben lässt. Lernen ist ein sozialer Prozess, in dem eine der wichtigsten Komponenten die Aneignung von sozialen Werten und Verhaltensweisen ist. Genau das aber braucht Zeit, Raum und Organisation. Diese Rahmenbedingungen des Lernens einfach durch Spielen ersetzen zu wollen ist keine gute Idee. An dieser Stelle sollten wohl besser erfahrene Pädagogen fortsetzen. (…)

Joachim Seider, Berlin

Es ist kaum hundert Jahre her, als es ausreichend schien, dem Pöbel den Katechismus und das Beten beizubringen, vielleicht noch ein wenig Schreiben, Lesen und Rechnen dazu. Es war der Bildungshunger der werktätigen Massen, der mühsam erzwingen musste, das alte Bildungsprivileg der Herrschenden zu brechen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 15.06.2026, Seite 14, Leserbriefe

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