Aus Leserbriefen an die Redaktion
Suche nach dem Ausweg
→ Zu jW vom 20.7.: »Selenskij antwortet auf Proteste«
Personelle Rochaden an der Spitze der ukrainischen Armee ändern nichts an der Realität des Krieges. Wer glaubt, mit neuen Generälen oder Umbesetzungen die strategische Lage grundlegend wenden zu können, verwechselt Symbolpolitik mit militärischer Wirklichkeit. Nach Jahren des Krieges sind die menschlichen und wirtschaftlichen Verluste enorm. Gleichzeitig wächst in der ukrainischen Gesellschaft die Kriegsmüdigkeit.
Proteste gegen die Regierung und Kritik an der Führung zeigen, dass viele Menschen einen Ausweg aus der Gewalt suchen. Statt immer neue Personalentscheidungen als Zeichen der Entschlossenheit zu präsentieren, müsste endlich die Frage nach einer politischen Lösung in den Mittelpunkt rücken. Ein Krieg endet nicht dadurch, dass dieselben Konzepte von anderen Personen umgesetzt werden. Entscheidend ist, ob die politische Führung bereit ist, Konsequenzen aus der Entwicklung an der Front zu ziehen und den Weg für ernsthafte Verhandlungen zu öffnen. Ohne einen Kurswechsel wird jede neue Armeeführung lediglich das Gesicht einer Politik sein, die ihre Ziele nicht erreicht.
Klaus Neumann, Bremen
Kein Salonkommunist
→ Zu jW vom 1.7.: »Der Salonkommunist«
Von 1976 bis 1982 stand Hans Werner Henzes »El Cimarrón« im Spielplan des Volkstheaters Rostock. Vokalist Frank Brandau, Dirigent Gerd Puls. 100 Vorstellungen, darunter Gastspiele in Schweden, Mexiko, der UdSSR, Angola, Venezuela, der VR Polen, Bulgarien, Frankreich, Italien, Berlin, Leipzig, Dresden und anderen Städten der DDR. Das muss wieder ins Bewusstsein der Leute, denn es ist heute nirgendwo mehr dokumentiert, auch nicht im Internet. (Ebensowenig wie die DDR-Erstaufführung von Henzes »La Cubana«, Regie: Hanns Anselm Perten, im Rahmen der »Henze-Tage« am Volkstheater Rostock 1982.) Als Kammersänger Frank Brandau vor einigen Jahren starb, würdigte die Monatsschrift der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger ihn als Interpreten von italienischen und Kavalierbaritonpartien; von »El Cimarrón« kein Wort.
Henze: »In den Theatern der DDR habe ich mehr über das Leben, den Sozialismus und die Liebe gelernt als irgendwo anders.« (In: Hans Werner Henze, »Schriften und Gespräche 1955–1979«, Henschelverlag Berlin/DDR 1981, S. 10) Ihre Überschrift »Der Salonkommunist« ist eine Unverschämtheit. Ihre Einschätzung Henzes mit unkritisch übernommenen Spiegel- und Melos-Zitaten zu grundieren, ist unterhalb der Gürtellinie. Wen meinen Sie mit »Ostberliner Akademie der Künste«? Die Institution hieß Akademie der Künste der Deutschen Demokratischen Republik. Luigi Nono und Henze waren Freunde. Dass er mit Karlheinz Stockhausen und Helmut Lachenmann nichts zu tun haben wollte, ist verständlich.
Henze: »Jeder Mensch ist auf der Suche nach Schönheit, nach einer heilen Welt, wo die Utopie ihr Ende findet, wo es keine Ketten mehr gibt, wo die Menschen sich frei entfalten können. Diese Welt ist im Kapitalismus undenkbar, aber der Kommunismus erkämpft sie.« (Ebd., S. 152 f.)
Peter Wittig, per E-Mail
»Wir machen weiter«
→ Zu jW vom 18./19.7.: »Feinde der Hoffnung«
Die sogenannte Weltgemeinschaft schaut zu, wie vor aller Augen in Kuba ein ganzes Volk gnadenlos ausgehungert und erdrosselt wird. Es kommen einem die Tränen, wenn Renate Fausten (Granma) schreibt, dass Kulturveranstaltungen stattfinden. Sogar die Buchmesse versuchen sie irgendwie hinzukriegen.
Aber Kuba bleibt allein. Die internationale Solidaritätsbewegung – zu der Marxisten-Leninisten und Friedensaktivistinnen gehören – löst die grundlegendsten Probleme nicht. Wir »können uns keine Tanker schicken, und alle, die es könnten, kneifen aus Angst. Wunderschöne Worte in der UN-Generalversammlung, die alle die Aufhebung insbesondere der Energieblockade fordern – aber es folgt nichts. Sie lassen uns alle verhungern und gucken zu«, heißt es bei Fausten in ihrem Beitrag »Kuba ist nicht allein?«.
Staaten wie China, Russland und auch Vietnam sind gefordert. Für Vietnam war leider der sogenannte Friedensrat von Trump in Gaza wichtig. Lawrow hätte bei seinen Afrikabesuchen zur Herstellung einer »multipolaren Weltordnung« einen Umweg über Havanna machen sollen, konkret mit einer Zusage für lebenswichtige, ausreichende Öllieferungen an Kuba. Es gibt noch nicht einmal gemeinsame Statements der Solidarität von BRICS und der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit zu Kuba und Iran.
Wir machen weiter. Ab August 2026 sammeln wir jeden Freitag in Bremen-Nord Spenden für den Verein zur Förderung alternativer Energien in der Karibik e. V., für Solaranlagen zur Stromversorgung der Familien und sozialen Zentren! In vielen Jahren der Friedensarbeit wurden auf der Straße in Bremen-Vegesack für Kuba über 16.000 Euro gesammelt.
Gerd-Rolf Rosenberger, Bremen
»Liefert nicht mehr«
→ Zu jW vom 18.7.: »Kriegsplan gegen die Revolution«
Heute sind meine Pakete zurückgekommen, die ich nach Kuba versenden wollte. DHL liefert nicht mehr. Im Juni wurden sie noch transportiert. Johann Wadephul sieht keine US-Blockade gegen Kuba. Vielleicht sollte er hinfliegen. So wie er damals nach Syrien geflogen ist. Dort ist ihm der Satz herausgerutscht, dass angesichts der Verhältnisse nicht nach Syrien abgeschoben werden könne. Das hat ihm von seiten seiner christlichen Parteimitglieder viel Ärger eingebracht. Daher ist es für ihn günstig, dass er wegen der Blockade, die er nicht erkennt, gar nicht nach Kuba fliegen kann, weil der Flugverkehr aus Europa eingestellt ist und ihm so keine Sätze angesichts der Verhältnisse herausrutschen können.
Thomas Lenke, per E-Mail
Von 1976 bis 1982 stand Hans Werner Henzes »El Cimarrón« im Spielplan des Volkstheaters Rostock. 100 Vorstellungen, darunter Gastspiele in Schweden, Mexiko, der UdSSR, Angola, Venezuela, der VR Polen, Bulgarien, Frankreich, Italien, Berlin, Leipzig, Dresden und anderen Städten der DDR.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
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