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Aus Leserbriefen an die Redaktion

Foto: MDR/Capricornum Film/Thomas Quanter

»Tief eingeprägt«

→ Zu jW vom 1.7.: »Die Vermittlerin«

Es war Mitte der 60er Jahre. Plötzlich wurden wir EOS-Schüler in der Aula zusammengerufen. Vorn saß ein schmächtiger Mann, geflüchtet aus dem faschistischen Spanien. Er berichtete von den Folterungen der Gefangenen durch die spanische Geheimpolizei, dass es uns kalt den Rücken hinunterlief. In Spanisch natürlich. Und die, die jedes Wort so zu übersetzen verstand, dass wir jungen Oberschüler verstanden, wie grausam Faschismus ist, das war Christiane Barckhausen. Ihr Name hat sich mir damals ebenso tief eingeprägt, wie die abgrundtiefe Abscheu vor dem Faschismus. Danke, Christiane, für dein Leben und dein Tun!

Joachim Seider, Lychen

»Aus der Mottenkiste«

→ Zu jW vom 18.7.: »Kabinettssitzung vor Kampfflugzeugen«

Wie tief die Grünen gesunken sind, überrascht ja seit J. Fischer 1995, spätestens seit 1999, nicht mehr. Noch in den 1980er Jahren wurden sie sogar von ihren Kritikern liebevoll »die Ökopaxe« genannt, versuchten sie doch, ähnlich wie die leider erfolglosen Demokratischen Sozialisten aus SPD-Dissidenten, Ökologie und Pazifismus zu verbinden – wofür ich sie 1980 bis 1990 wählte, auf Länderebene sogar noch etwas später. Ende der 1980er demonstrierten wir in Bell (Hunsrück) gegen US-amerikanische »Cruise Missiles«, die dort in derselben Anzahl herumstanden wie anschließend unsere Grabkreuze. CDUler Bernhard Vogel hatte die Frechheit, Rheinland-Pfalz als »größten Flugzeugträger der NATO« zu diffamieren, und das auch noch liebevoll! Das war derselbe, der später in Thüringen recycelt wurde und dort wie in Rheinland-Pfalz eine Bahnstrecke nach der anderen stillegen ließ, die nun mühsam reaktiviert werden müssen – wobei immerhin die CDU erst neuerdings wieder stört: Scharping, Beck, Dreyer und Schweitzer konnten CDU-frei regieren!

Jedenfalls wertete eine grüne Regionalpolitikerin es zutreffend als positiv, sich von den USA zu emanzipieren – mit dem wichtigen Zusatz: »aber nicht zugunsten einer deutsch-französischen Waffenbruderschaft«! Mein Applaus war ihr gewiss. Übrigens war die EG gerade darin noch relativ harmloser als die EU, dass sie kein militaristisches, sondern ein ökonomisches Bündnis war.

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So ist natürlich bis heute, liebe Agnieszka Brugger (Bündnis 90/Die Grünen), eine drohende Kollaboration mit einer – hier französischen – Atommacht eben gerade kein »sehr guter Weg«, sondern ein sehr schlechter und sehr gefährlicher! Dann schon lieber Monsieur Macron außer seinen militaristischen auch seine »friedlichen« Atomflausen ausreden, bitte! Deren hiesiges Gegenstück sind wir ja mit Unterstützung der Grünen beinahe – leider mit den Ausnahmen Gronau (Westfalen) und Lingen – losgeworden.

Neulich auf dem Essener »Gutes-Klima-Festival« erklärte ich einer grünen Lokalpolitikerin, ich wolle selbstredend gar nicht militärisch »verteidigt« werden; sie meinte, sie schon, und kramte Original-CDU-Sprech aus der Mottenkiste der 1960er Jahre: so mit »Abschreckung« und »Freiheit« und Blablabla. (…)

Bernhard May, Wuppertal

»Praktisch bewährt«

→ Zu jW vom 24.7.: »Ernte 26: Mähdrescherlegenden«

Die Mähdrescher aus dem Kombinat Fortschritt Landmaschinen waren die besten im Bereich des RGW und auch sonst sehr konkurrenzfähig. Der (hier nicht erwähnte) E 516 war ein riesiges Gerät mit damals enormer Effizienz. Die Mähdrescher waren ein begehrtes Gut im Austausch der RGW-Länder und im Export gegen Devisen. Die Landwirtschaften der ČSSR und Ungarns setzten voll auf Fortschritt, dafür gab’s bei uns z. B. Škoda-Pkw und -Lkw sowie Busse von Ikarus. Der E 512 hat sogar was Ikonisches, weil er so gelungen und verbreitet war von der Ostsee bis zur Donau, lange im Einsatz war (ab 1968) und die Modernität der sozialistischen Landwirtschaft begreiflich machte.

Ab 1962 hat die DDR hart in die umfassende Mechanisierung der Großraumlandwirtschaft investiert (Traktorenwerk Schönebeck mit dem ZT 300/303, dem Allrad-W50 aus Ludwigsfelde für Transportarbeiten, Mähdrescherwerk Bischoffswerda-Singwitz und weiteren selbstfahrenden Maschinensystemen für die Futterernte). Für den E 512, den ZT 300-Traktor und den W 50 wurden dieselben, nur leicht abgewandelten Motoren aus Nordhausen verwendet. Synergie pur, was so geplant war. Diese kombinierten Investitionen waren ein voller Erfolg. Doch solche gewaltigen Investitionen konnte die DDR nie wieder aufbringen, davon hat sie bis zum letzten Tag gezehrt. Die Landwirtschaft in der DDR war bis zum letzten Tag in guter Verfassung. Das Bündnis von Stadt und Land (oder Arbeiterklasse und Genossenschaftsbauern) hatte sich praktisch bewährt.

André Möller, Berlin

Die Würde des Menschen …

→ Zu jW vom 21.7.: »Haste wenig, zahlste drauf«

Die gesamte Miete für die Wohnung plus Nebenkosten verringert das Nettogehalt um fast 30 Prozent und mehr – die übrigen Lebenshaltungskosten sind da noch gar nicht mit eingerechnet. Noch 50 Euro für die Kapitalrente jeden Monat einzahlen oder mehr ist nicht mehr drin. Überhöhte Mietsteigerungen werden nicht gesetzlich gestoppt. Mieten werden so zur Armutsfalle – Sozialwohnungen werden nicht genug gebaut. Ein Umzug in eine kleinere Wohnung mit weniger Miete – nicht zu finden. Eigenbedarf wird zum Teil ausgenutzt, um jemanden loszuwerden, und der Mietkündigungsschutz so elegant ausgehebelt. Die Würde des Menschen beginnt nicht auf der »Straße« oder beim Essenholen von der Tafel. Der Sozialstaat ist zum »Armutsstaat« heruntergestuft worden, dank CDU/SPD-Koalition – länger arbeiten und Leistungen im Krankheitsfall gestrichen oder Zuzahlungen bei Medikamenten erhöht.

Thomas Bartsch-Hauschild, Hamburg

Die Mähdrescher aus dem Kombinat Fortschritt Landmaschinen waren die besten im Bereich des RGW und auch sonst sehr konkurrenzfähig. Der E 516 war ein riesiges Gerät mit damals enormer Effizienz.

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Erschienen in der Ausgabe vom 27.07.2026, Seite 14, Leserbriefe

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