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Aus Leserbriefen an die Redaktion

Foto: ZUMA Press/imago/Montage jW

Angebot zu komplex

→ Zu jW vom 11./12.7.: »Feuer unterm VW-Dach«

Was in dem Artikel nicht steht, aber für mich als Ingenieur ein interessanter Punkt in der ganzen VW-Leidensgeschichte ist, ist, dass der VW-Chef jetzt endlich eingesehen hat, dass das Unternehmen betriebswirtschaftlichen Unsinn macht, seit Jahren, indem es mindestens im Jahresrhythmus neue Autos rausbringt, die in fast allem anders sind als ihre Vorgänger, und damit hinsichtlich Planung, Einrichtung, Montage und Service eine Unmenge an Vorhalt von Werkzeugen und Teilen erfordert. Nun sah er ein, dass die Modellpalette um 50 Prozent reduziert werden muss. Das ist noch nicht genug.

Und dass die Angebotskomplexität, also die Komponentenvielfalt, um 70 Prozent gesenkt werden muss. Das bringt nötige und richtige Einsparungen in Größenordnungen.

Und apropos Werkschließungen. Kann sein, die Chinesen bezahlen VW alle Verluste und übernehmen dafür die zur Schließung in Rede stehenden Fabriken. Das bringt VW zwar die nötige finanzielle Befreiung, stellt ihm aber den besseren Konkurrenten direkt vor die Nase.

Wolfgang Schlenzig, Berlin

Esther Bejaranos Wirken

→ Zu jW vom 10.7.: »Ihr Auftrag verpflichtet«

So verdienstvoll es ist, dass der Autor anlässlich ihres 5. Todestages an das Wirken der Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano in einer kleinen Notiz, aber zusätzlich mit einem eindrucksvollen Foto erinnert, so wenig verständlich ist es, dass er zwar erwähnt, dass sie Ehrenvorsitzende der VVN-BdA war, nicht aber, dass sie seit seiner Gründung vor 40 Jahren Vorsitzende des Auschwitz-Komitees war. Das Auschwitz-Komitee in der BRD hat dieses Jahrestages am 28. Juni 2026 im Stavenhagen-Haus, ihrem »Wohnzimmer«, gedacht, in dem sie bis ins hohe Alter ihre Geburtstage feierte. (…)

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Lothar Zieske, Hamburg

»Webfehler des ›Repräsentativen‹-Systems«

→ Zu jW vom 9.7.: »Warum wollen Sie die Urabstimmung anfechten?«

(…) Das Problem der Verzerrung/Abfälschung von Mehrheiten zwischen Basis und Vorstand reicht offensichtlich weit über Bündnis 90/Die Grünen hinaus, ja stellt auf den kleinen und großen Ebenen einen Webfehler des »Repräsentativen«-Systems dar. (…)

Beispiel Linkspartei: Außerhalb der leidigen und noch immer/schon wieder aktuellen Militarismus/Adenauerismus-Frage: Eine Mitgliederbefragung hatte eine innerparteiliche Mehrheit zugunsten des bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) gebracht. Dieses Ergebnis wurde vom Bundesvorstand gecancelt. (…)

Beispiel SPD und Grüne: Jusos und Junge Grüne fordern zum Glück noch immer die Selbstverständlichkeit einer Vermögensteuer – wie Die Linke zum Glück sogar noch als Gesamtpartei. Diese Forderung wird bei SPD und Grünen regelmäßig »von oben« abgeschmettert.

Beispiel SPD: Wie viele – bzw. wenige – Noch-immer-SPD-Wähler:innen wollten jemals den »Seeheimer Kreis« wählen? (…) Why the fuck rekrutieren sich SPD-Vorstände und -Regierungen durchweg aus »Seeheimern« und ihnen nahen »Spin-Doctors«? (Vgl. Lafontaine, »Das Herz schlägt links«. Der Autor war damals noch SPD-Genosse und berichtete aus erster Hand.) Warum hatte unsere Republik zwar nominell nicht weniger als vier (!) SPD-Kanzler, darunter aber mit Willy Brandt einen einzigen (!) Sozialdemokraten im schlechterdings möglichen Wortsinne? Schmidt mag als keynesianischer Volkswirt einen halben solchen abgegeben haben, innen-, außen- und militärpolitisch aber leider nicht. Von Schröder und Scholz brauche ich nicht zu reden.

Parteiunabhängiges Beispiel Gebietskörperschaften: Warum bleibt ein Kanzler (mit Richtlinienkompetenz!) mit schlappen 17 Prozent Zustimmung im Amt? Dies wäre allenfalls konstruktiv, würde es auch die noch immer erschreckend hohen Unions-Umfragewerte auf 17, besser 15 Prozent drücken oder gar den Unions-Abspaltungen ÖDP oder Team Todenhöfer mit knapp über fünf Prozent in Parlamenten helfen. – Leider sind Katholiken als solche nicht als Wechselwähler getauft.

Beispiel EU: Positiv werte ich unter Demokratiekriterien, dass das EP sogar in Telstaaten mit vordemokratischem Mehrheitswahlrecht (Frankreich, früher auch Britannien) für das EP sich der Verhältniswahl anbequemen musste. (Wäre ich im rabenschwarzen Oberschwaben geblieben, ich hätte bei Mehrheitswahlrecht zeitlebens keine einzige wirkmächtige Stimme abgeben können!) Negativ: Besagtes EP entbehrt allerwichtigster Kompetenzen wie der stringenten Kontrolle einer frei schwebenden Von-der-Leyen-»Kommission«. Es fehlt die Option eines – gerne konstruktiven – Misstrauensvotums gegen alle »Kommissare«, m. E. auch je für sich als einzelne Geisterfahrer. Letztere Option fehlt allerdings auch auf Bundesebene noch: Lobbyistin Reiche könnte nur vom Kanzler entthront werden oder freiwillig ins Privatleben untertauchen. Unsere Volksvertreter:innen können sie formal nicht abwählen und somit auch die Bevölkerung in diesem Punkt nicht effektiv vertreten. Und dieser Merz da wird sie weder entlassen noch selbst zurücktreten, dem gegen ihn formal möglichen Misstrauensvotum steht die zum Glück formal eingehaltene Brandmauer entgegen – und vielleicht auch die Weigerung, den BSW-Anteil 2026 nachzuzählen, was strukturell andere Möglichkeiten eröffnete.

»Mehr Demokratie wagen« (Brandt) war und ist stets wichtig, heute in ganz besonderem Maße. Daher wünsche ich Griesehop vollsten, durchschlagenden Erfolg, mag mich auch das nur als Nicht-mehr-Wähler der Grünen seit Mitte der 90er mittelbar betreffen. (…)

Bernhard May, Wuppertal

VW bringt mindestens im Jahresrhythmus neue Autos raus, die in fast allem anders sind als ihre Vorgänger, und damit hinsichtlich Planung, Einrichtung, Montage und Service eine Unmenge an Vorhalt von Werkzeugen und Teilen erfordern.

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Erschienen in der Ausgabe vom 18.07.2026, Seite 14, Leserbriefe

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