Aus Leserbriefen an die Redaktion
»Land! Housing! Dignity!«
→ Zu jW vom 20.7.: »Steve Bikos Erbe lebt«
Ich freue mich sehr, dass die junge Welt mit dem Abdruck des Textes von Mumia Abu-Jamal an den südafrikanischen Freiheitskämpfer Steve Biko erinnert hat. Sein Name und sein aufopferungsvoller Kampf für ein freies, entkolonisiertes Südafrika sind leider nur wenigen hier in Deutschland bekannt, auch wenn 1988 in den Kinos für kurze Zeit der Film von Donald Woods »Steve Biko. Schrei nach Freiheit« aufgeführt wurde. Im Zuge des medialen Hypes um Nelson Mandela und seinen African National Congress (ANC) fielen Steve Biko und so manch andere, in Südafrika geliebte große Freiheitskämpfer wie z. B. Robert Sobukwe und sein Pan Africanist Congress of Azania unter den Tisch.
Steve Biko gehörte nicht dem ANC an, sondern agierte als herausragende und charismatische Persönlichkeit innerhalb des mehr militanten »Black Consciousness Movement«. Das Ziel der »Bewegung des Schwarzen Bewusstseins« war ein befreites Südafrika mit dem Namen »Azania«, das – wie Mumia Abu-Jamal schreibt – »einen grundlegenden Bruch mit dem Apartheidstaat Südafrika bedeutet hätte«. Wer guten Kontakt zu den verarmten und verbitterten Menschen in Südafrika hat und nicht nur die Wohlstandsgegenden um Kapstadt und der »Garden Route« herum genießt, wird mit Freude feststellen, dass es einen wachsenden politischen Widerstand gibt.
Mumias großes Verdienst ist es, auf die Bewegung »Abahlali baseMjondolo«, die Bewegung der »Bewohner der Hütten«, aufmerksam zu machen. Sie ist tatsächlich mehr als nur eine Obdachlosenbewegung. Ihre Hauptparole (siehe ihre informative Homepage) »Land! Housing! Dignity!« zeigt eine Richtung an, die schon zu Steve Bikos Zeiten die große politische Sehnsucht ausdrückte. Die Apartheid gibt es nicht mehr, aber der Kampf für ein freies, würdevolles und gerechtes Leben steht auch in dieser »demokratischen« Zeit nach der Apartheid auf den Fahnen der sich wehrenden Menschen in Südafrika!
Uwe Gertz, Hamburg
»Noch kein heißer Krieg«
→ Zu jW vom 22.7.: »Kommunisten unter jedem Bett!«
Kubas Volk in Gefahr! Noch tobt kein heißer Krieg. An seiner Vorbereitung hat der Außenminister der USA, Marco Rubio, indes jedoch weitergearbeitet und angebliche Gründe für die Army genannt. Ganz im Sinne der außenpolitischen Doktrin von Präsident Truman, wörtlich: »Den Sozialismus aufzuhalten und zurückzudrängen.« Der damalige sowjetische Präsident Gorbatschow hat dazu leider das Tor entriegelt. Deutschland steht als Mitglied der NATO nicht abseits der Doktrin des Uncle Sam. Der deutsche Minister Dobrindt erlaubt per Gesetz nunmehr, zur Waffe zu greifen, wenn es die Situation erfordert. Deutsche Wähler, bitte denkt an geschichtliche Verläufe. Sie wiederholen sich.
Günter Buhlke, per E-Mail
Die Sache mit der »Sache«
→ Zu jW vom 13./14.6.: »Ein bisschen Südsee«
Wendehälse können ihm nicht verzeihen, Wessis verstehen nicht, was »Sache« ist. Politiker sehen in Zweideutigkeiten Gefahr. Aber alle Hermann-Kant-Leser schätzen seinen bissigen, hintergründigen Humor. Er ist ein Schriftsteller mit Verantwortung und Charakter. Mit Satire und Ironie hat er für die »Sache« gestritten und damit das Seine getan.
Nach 35 Jahren stimme ich diesen seinen Worten voll zu: »Und weil ich eine andere ›Sache‹ weder sah noch sehe.« Zur Horizonterweiterung für alle Leser, die verstehen wollen, wie die »Sache« DDR war, empfehle ich Irmtraud Gutschkes Buch über Hermann Kant: »Die ›Sache‹ und die ›Sachen‹«.
Angelika Füßler, Berlin
»Schamlos inszeniert«
→ Zu jW vom 20.7.: »Auf Druck des Kanzlers«
Kristian Stemmler hat einen wohltuend sachlichen Artikel über den Rücktritt von Jens Spahn geschrieben. Und doch hat er, wie mir scheint, eine wesentliche Komponente übersehen. In der TV-Werbung heißt es zur Zeit bei einem Verdauungsmittel: »Und meine Darmbeschwerden sind ›wie weg‹!« Es heißt dort, vermutlich dem Wettbewerbsrecht geschuldet, keineswegs: »… sie ›sind weg‹!« Der sprachlich diskret beschworene Schein der Wirklichkeit kaschiert hier ein vermutlich völlig haltloses Versprechen. Der Schein, das symbolische Handeln, oft vom Betrug nur um Haaresbreite entfernt, ist ein kaum beachtetes Grundelement unseres öffentlichen Lebens geworden. Vor diesem Hintergrund lässt sich zeigen: Herr Spahn ist eben nicht »weg«, er ist lediglich »wie weg«.
Der Rummel um seinen Rücktritt, der zum existenzvernichtenden Absturz hochgejazzt wird, ist eine schamlos inszenierte, billige Farce der politischen Clique und nahezu aller Medien. Hätte die Person Spahn einen Funken von Anstand oder gar von Ehre, dann hätte es heißen müssen: »Er ist von allen politischen und anderen öffentlichen Ämtern zurückgetreten.« Davon ist nicht einmal ansatzweise die Rede, danach fragt auch niemand im politischen Klüngel in Berlin. Eine Krähe, weiß man, hackt der anderen kein Auge aus.
Dieser infame Mensch Jens Spahn wird uns bleiben, den kriegen wir nicht los. Er wird als Abgeordneter im Bundestag reden, er wird durch die Talkshows geschleust werden. Infam deshalb, weil der Tag kommen wird, an dem er erklärt, er habe ja nichts getan, was in Deutschland strafbar wäre. Womit er recht hat. Die Leihmutterschaft ist zwar in Deutschland nicht erlaubt, aber Strafen bis zu drei Jahren Gefängnis werden nur für das Handeln von ärztlichem Personal und kommerziellen Agenturen angedroht. Durch seinen sogenannten Rücktritt ist Spahn eng im Dunstkreis der Macht geblieben, er wird an die Macht zurückkommen wollen.
Manche Wiederholungen sind nötig, deshalb sage ich: Herr Spahn gehört in die Kategorie der Darmbeschwerden, die nicht »weg«, sondern nur »wie weg« sind.
Klaus Schittich, Freiburg
Die Apartheid gibt es nicht mehr, aber der Kampf für ein freies, würdevolles und gerechtes Leben steht auch in dieser »demokratischen« Zeit nach der Apartheid auf den Fahnen der sich wehrenden Menschen in Südafrika!
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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