Aus Leserbriefen an die Redaktion
»Investitionen ins Personal«
→ Zu jW vom 8.6.: »IG BCE-Chef will Betriebsvermögen schonen«
»Es dürfe nicht passieren, ›dass Betrieben Vermögenswerte entzogen werden, die für Investitionen gebraucht werden‹.« Das ist doch mal eine Forderung eines Gewerkschaftsbosses, hinter die man sich voll und ganz stellen kann. Natürlich hat Michael Vassiliadis damit vollkommen recht. Also Schluss mit der Ausschüttung von Dividenden, von Profit, der im Privatvermögen der Besitzer landet oder zur Spekulation auf internationalen Finanzmärkten eingesetzt wird. Statt dessen lieber Investitionen ins Personal, in die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, in die Aus- und Weiterbildung, in neue Maschinen und Ausrüstungen, die Arbeitszeitverkürzungen bei gleichem Lohn ermöglichen. Ich fürchte nur, ganz so revolutionär hat Vassiliadis das gar nicht gemeint. Ein wirklich beherzter Kampf um solche Ziele ist wohl von den DGB-Gewerkschaften nicht zu erwarten. Allenfalls mal ein paar große Worte, damit die Mitglieder glauben, darum ginge es den Gewerkschaftsbossen wirklich. Die zucken ja noch nicht einmal, wenn das Kapital den Achtstundentag aufs Korn nimmt, eine vor hundert Jahren sehr, sehr mühsam erkämpfte Errungenschaft der Arbeiterklasse.
Joachim Seider, Berlin
»Konsequenz: Er desertierte«
→ Zu jW vom 6./7.6.: »Exzess des Staatsterrorismus«
Dass sich der sogenannte Kommissarbefehl vom 6. Juni 1941 in der Truppe schnell herumgesprochen hatte, wie Dietrich Eichholtz schrieb, kann ich aufgrund einer Zeitzeugenaussage bestätigen. Auf ein Nichtwissen des einfachen Soldaten zu diesem völkerrechtswidrigen Mordbefehl kann sich also nicht berufen werden. Hans Fritz Zippel, späterer Sprecher der Mannschaften im antifaschistischen »Nationalkomitee Freies Deutschland«, NKFD, zog wenige Stunden vor dem Angriff auf die Sowjetunion gemeinsam mit einem Kameraden die Konsequenz: Er desertierte und lief zur Roten Armee über. Unmittelbar nach dem Angriff Nazideutschlands musste er erleben, wie Piloten der deutschen Luftwaffe die flüchtende Zivilbevölkerung niedermähten.
U.-J. Kluge, per E-Mail
»Für ein Leben in Frieden und Gerechtigkeit«
→ Zu jW vom 5.6.: »US-Terror gegen Kuba«
Kriegstreiber, die die Lebensgrundlagen des kubanischen Volkes zerstören, die Unternehmen mit Sanktionen drohen, wenn sie in oder mit Kuba Geschäfte tätigen, die verhindern, dass solidarische Hilfe anderer Länder Kuba zugute kommen kann, gehören vor ein internationales Gericht, bevor sie die ganze Welt zerstören! Dass dies nicht passiert, ist bittere Realität und schlimm genug! Viel schlimmer aber finde ich, dass sich der große Rest der Welt nicht nur erpressen lässt, sondern zuschaut, wohl wissend, dass es jedes Land dieser Erde treffen kann, wenn man diesen Machthabern nicht das Handwerk legt. Wann besinnen sich die Völker dieser Erde und stehen auf, nicht nur für Kuba, sondern für ein Leben in Frieden und Gerechtigkeit für die gesamte friedliebende Menschheit?!
Monika Kauf, Berlin
Verratene Ideale
→ Zu jW vom 23.5.: »Revanche für den 8. Mai«
Seit Joschka Fischer wissen wir, wohin sich diese »grüne« Partei entwickelt hat, von ihr ist bestenfalls grüne Tarnfarbe übrig geblieben. Vom »Panzertoni« bis zur Russland-Ruiniererin Annalena Baerbock – wo sind noch Spuren der einstigen Ansprüche und politischen Grundsätze der pazifistischen Umweltpartei? Wie kommt es, dass sich Parteien in historisch kurzer Zeit einem solchen Wandlungsprozess unterwerfen? Wenn wir schon versuchen, das zu verstehen, es uns zu erklären aus der bürgerlichen Demokratie selbst, der Vereinnahmung und Korrumpierung in diesem politischen System der Macht und des Geldes, dann bleibt immer noch die Frage, wie es gelingt, große Mehrheiten der Mitglieder dieser Parteien an sich zu binden, ihnen den gewandelten Zeitgeist, Ideale und Versprechen weiszumachen, ohne dass die Mitglieder sich demokratisch machtvoll zu Wort melden und solchen Parteien den Rücken kehren. (…)
Roland Winkler, Aue
Ablenkung
→ Zu jW vom 8.6.: »Tod und Spiele«
Viele von uns fragen sich, warum nicht mehr Leute wegen des Kriegskurses, der vielseitigen Verschlechterung der Lebenslage der abhängig Beschäftigten und zunehmend antidemokratischer Maßnahmen der Regierung, ganz zu schweigen von der katastrophalen Außenpolitik, auf die Straße gehen. Man erinnere sich an die Massenproteste der 80er Jahre in der BRD gegen die Stationierung von US-Mittelstreckenraketen. Nach dem römischen Stillhaltekonzept »Brot und Spiele« trägt die Desinformationstätigkeit unserer Mainstreammedien im Sinne des »betreuten Denkens« ihre Früchte. Dabei spielen Ablenkung, regelrechte Kampagnen, Hypes und das »Starwesen« eine große Rolle. Jetzt wird wieder so ein Hype zur Fußball-WM erzeugt und schon die Sage verbreitet, dass bei Gewinn des Titels unserer Mannschaft alles, was bei uns an sozialen Grausamkeiten abläuft, vergessen sein wird. Schließlich sind es ja Milliarden Fußballfreunde, die die Spiele verfolgen. Massen von national aufgeputschten Fans lassen sich leichter von den wirklichen Problemen unserer Zeit ablenken. Nicht umsonst erwartet auch Trump für seine irre Politik weltweit Anerkennung. Also, liebe Fußballfreunde, ich bin auch einer, lasst uns die Spiele trotz eines Trump und Konsorten kritisch ansehen. Und vergessen wir nicht unser Eintreten für Abrüstung, Verhandlungen, Solidarität und friedliches Miteinander überall.
Rainer Stüllein, Langenwetzendorf
Schluss mit der Ausschüttung von Dividenden, von Profit, der im Privatvermögen der Besitzer landet oder zur Spekulation auf internationalen Finanzmärkten eingesetzt wird.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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