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Fußballweltmeisterschaft

Tod und Spiele

Fußballweltmeisterschaft USA: Noch immer wird um Visa und Einreisen gerungen, während der US-Senat neue Milliarden für ICE genehmigt und Stadionarbeiter streiken wollen

Foto: Caitlin Ochs/REUTERS
In gewohnter Manier gehen ICE-Beamte gewaltsam gegen Proteste vor der Abschiebehaftanstalt in Newark vor (5.6.2026)

Am Donnerstag startet die Fußballweltmeisterschaft, die in Kanada, Mexiko und den USA und somit erstmals in drei Ländern gleichzeitig ausgetragen wird. Neue Superlative sollen das Bild dieser WM bestimmen: Statt der bisher 32 Teilnehmer nehmen nun 48 Nationalmannschaften teil. Dem Weltfußballverband FIFA eröffnet das mehr Möglichkeiten für die kommerzielle Ausschlachtung des Turniers. Mehr Spiele, mehr TV-Rechte, mehr Sponsorenrechte, mehr Märkte und sogar mehr Ticketoptionen stehen auf der einen Seite. Gleichzeitig werden Teilnehmern aus dem globalen Süden mehr Chancen auf Teilhabe an einem Turnier eingeräumt werden, das ihnen lange systematisch verwehrt worden ist. Denn die Geschichte des Kolonialismus ist tief in die DNA der Weltmeisterschaft eingeschrieben. Und auch neokoloniale Machtstrukturen sind ein fester Bestandteil des bevorstehenden Turniers.

Die drei Ausrichterstaaten waren mit ihrer Bewerbung unter dem Slogan »United, As One« (»Gemeinsam, als Einheit«) beim 68. FIFA-Kongress am 13. Juni 2018 in Moskau erfolgreich gewesen. Doch von einer gemeinsamen Einheit und dem FIFAseitig vielzitierten Universalismus ist wenige Tage vor der Weltmeisterschaft nichts zu spüren. Seit Wochen ist vor allem ein Thema bestimmend: verwehrte Visa. Erst am Samstag morgen wurde der irakische Stürmer Aimen Hussein für beinahe sieben Stunden am Chicagoer Flughafen O’Hare festgehalten und befragt, wie ­Al-Dschasira berichtete. Auch sein Mobiltelefon sei nach der Ankunft inspiziert worden, wie The Guardian berichtete. Schlussendlich durfte er in die USA einreisen.

Teamfotograpf Talal Salah wurde nach zehn Stunden Befragung und ähnlicher Handykontrolle die Einreise verweigert. Ganz besonders betraf die Politik verweigerter Visa das iranische Nationalteam. Zwar hatte US-Präsident Donald Trump zugesichert, dass Iran trotz des US-amerikanisch-israelischen Angriffskriegs am Turnier teilnehmen dürfe, doch wurde wochenlang um Visa gerungen. Nur Spieler und Trainerstab dürfen in die USA einreisen, offenbar jedoch mit großen Einschränkungen. Wie der Kicker berichtete, gelten die Visa nur für die Spieltage. 15 Mitgliedern der iranischen Delegation wurden Einreiseerlaubnisse verwehrt.

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Währenddessen stärkte der US-Senat Präsident Trump am Freitag den Rücken. Er verabschiedete ein zusätzliches 70-Milliarden-Dollar-Paket für die US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) sowie die Grenzbehörde, wie Reuters berichtete. Das vor dem Hintergrund anhaltender Proteste gegen die Schlägertruppen wie auch gegen die Zustände in Abschiebehaftanstalten. Jene in Newark im Bundesstaat New Jersey ist zum jüngsten Brennpunkt der Proteste gegen Trumps harte Einwanderungspolitik geworden. Seit Ende Mai liefern sich Demonstranten und Einsatzkräfte Auseinandersetzungen, nachdem Inhaftierte wegen der miserablen Lebensbedingungen in den Hungerstreik getreten sind. Insgesamt sind durch die Gewalt von ICE bereits acht Menschen ums Leben gekommen.

Am Sonnabend gab es auch in Los Angeles erneut Proteste und gewaltsame Auseinandersetzungen gegen das Vorgehen von ICE. Dort stimmten zudem die Beschäftigten des Sofi Stadium für die Möglichkeit eines Streiks während des Turniers, wie AP meldete. Hintergrund sind festgefahrene Tarifverhandlungen, bei denen die Gewerkschaft kritisiert, dass die erwarteten hohen Einnahmen aus der Fußballweltmeisterschaft nicht angemessen in den Lohnangeboten des Betreibers berücksichtigt werden.

Asymmetrie und Privilegierung werden auch diese Weltmeisterschaft prägen. Denn die FIFA steht seit jeher eng an der Seite imperialer Machtverhältnisse. Das gilt für (Nicht-)Ausschlüsse von Mitgliedsverbänden (Russland ja, Israel nein) ebenso wie für die Ungleichverteilung der WM-Spiele. Von 104 WM-Partien finden 78 in den USA statt. Genau dort, wo größere Stadien stehen und höhere Eintrittsgelder verlangt werden können.

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Erschienen in der Ausgabe vom 08.06.2026, Seite 1, Titel

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→ Leserbriefe
  • Peter Balluff aus Vöhl 8. Juni 2026 um 15:56 Uhr
    Ein kurzes Gedicht vor dem nächsten Gewitter. »Für Geld, da kann man alles kaufen - auch Leute, die dem Ball nachlaufen« soll die Valentin Wiedergeburt Fredl Fesl mal gesungen haben. Und wenn's dann noch Deppen gibt, die dafür bezahlen, sich das anzuschauen, gut so, dann schlagen sie in dieser Zeit »Gottlob« nicht ihre Frauen (Hilfsdichter Peter Balluff). Peter Balluff 34516 Vöhl
  • Rainer Stüllein aus Langenwetzendorf 8. Juni 2026 um 12:53 Uhr
    Viele von uns fragen sich, warum nicht mehr Leute wegen des Kriegskurses, der vielseitigen Verschlechterung der Lebenslage der abhängig Beschäftigten und zunehmend antidemokratischer Maßnahmen der Regierung, ganz zu schweigen von der katastrophalen Außenpolitik, auf die Straße gehen. Man erinnere sich an die Massenproteste der 80er Jahre in der BRD gegen die Stationierung von US-Mittelstreckenraketen. Nach dem römischen Stillhaltekonzept »Brot und Spiele« trägt die Desinformationstätigkeit unserer Mainstream-Medien im Sinne des »betreuten Denkens« ihre Früchte. Dabei spielen Ablenkung, regelrechte Kampagnen, Hypes und das »Starwesen« eine große Rolle. Jetzt wird wieder so ein Hype zur Fußball-WM erzeugt und schon die Sage verbreitet, dass bei Gewinn des Titels unserer Mannschaft alles, was bei uns an sozialen Grausamkeiten abläuft, vergessen sein wird. Schließlich sind es ja Milliarden Fußballfreunde, die die Spiele verfolgen. Massen von national aufgeputschten Fans lassen sich leichter von den wirklichen Problemen unserer Zeit ablenken. Nicht umsonst erwartet auch Trump für seine irre Politik weltweit Anerkennung. Also, liebe Fußballfreunde, ich bin auch einer, lasst uns die Spiele trotz eines Trump und Konsorten kritisch ansehen. Und vergessen wir nicht unser Eintreten für Abrüstung, Verhandlungen, Solidarität und friedliches Miteinander überall.
    • Onlineabonnent*in Heinz-Joachim R. aus B. 11. Juni 2026 um 19:41 Uhr
      Ich gebe Rainer Stüllein bei seiner Einschätzung zum Missbrauch dieses Ereignisses Fußball-WM vollkommen recht. Allerdings hatte ich beim Vorlesen Probleme mit den Hypes. Meine Frau – wir befinden uns schon im 8. Lebensjahrzehnt – störte der Ausdruck und ich ahnte zwar die Bedeutung, sprach jedoch den Begriff deutsch aus. Die Benutzung der Wörter: Rummel, Reklame, Werbung wäre unseres Erachtens ausreichend angemessen. Die deutsche Sprache sollte, wo es geht, deutsch bleiben und nicht mit Anglizismen verunziert werden. »Das Leben ist zu kurz, um Deutsch zu lernen«? Das verriet uns schon der irische Schriftsteller Oscar Wilde (1854–1900).
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