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09.06.2026
- → Kapital & Arbeit
Seuchengefahr in USA?
Mittel für Gesundheitsbehörde von Minister Robert F.Kennedy jr. extrem gekürzt. Bericht bescheinigt ihr Arbeitsunfähigkeit
Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) sind die nationale Gesundheitsbehörde der USA. Sie ist dem Gesundheitsministerium unter der Leitung des erklärten Impfgegners Robert F. Kennedy jr. unterstellt – und eine aktuelle Befragung von Beschäftigten bescheinigt ihr, kaum noch arbeitsfähig zu sein. Seit Beginn der zweiten Amtszeit der Trump-Regierung ist deren Tätigkeit dort gestört, etwa durch Anweisungen, die Kooperation mit der Weltgesundheitsorganisation zu beenden sowie durch eingeschränkten, bisweilen auch gesperrten Zugang zu Informationen im Bereich der öffentlichen Gesundheit.
Die Untersuchung an der Michigan State University von Mai 2026 analysiert die Personalsituation bei den CDC auf Grundlage einer anonymen Befragung aktueller und ehemaliger Beschäftigter. Es handelt sich um den ersten Bericht der Studienreihe »State of the CDC Workforce«, die untersucht, wie sich organisatorische und politische Veränderungen auf Betrieb und Personal der Behörde auswirken. Die Datenerhebung erfolgte zwischen Februar und April 2026 und umfasst 624 Rückmeldungen von Beschäftigten, was etwa fünf Prozent der Bundesbediensteten der CDC entspricht.
US-Gesundheitsminister Kennedy hatte drastisch in den Betrieb der Behörde eingegriffen. So entließ er im vergangenen Sommer alle 17 Mitglieder des Beratenden Ausschusses für Impfpraktiken und ersetzte sie anschließend durch von ihm selbst ausgewählte Personen. Darüber hinaus wurden Vorgaben für wissenschaftliche Forschung eingeführt, Stellen gestrichen, Programme gekürzt sowie wiederholte Führungswechsel veranlasst. Umfragen zeigen ein nur noch geringes Vertrauen in die CDC, laut einer Befragung der Kaiser Family Foundation halten inzwischen lediglich 47 Prozent der US-Bürger die Behörde für glaubhaft.
Nach Angaben des US-Amts für Personalverwaltung verloren die CDC innerhalb von 15 Monaten mehr als ein Viertel ihrer Bundesbediensteten, wobei die Zahl von 12.934 im Januar 2025 auf 9.453 im März 2026 sank, bedingt durch freiwillige und unfreiwillige Abgänge, einschließlich Vorruhestand, Kündigungen und Anreizprogramme. Zudem berichtete der britische Guardian im April, rund 80 Prozent der Spitzenpositionen bei den CDC seien derzeit unbesetzt.
Die Ergebnisse der Befragung deuten auf eine deutlich eingeschränkte Funktionsfähigkeit der Behörde hin. Nahezu alle Teilnehmenden (99 Prozent) gaben an, dass die seit dem Amtsantritt der aktuellen Regierung vorgenommenen Veränderungen die Fähigkeit, auf Pandemien und andere gesundheitliche Notfälle zu reagieren, beeinträchtigt hätten. Ein ehemaliger Berater für öffentliche Gesundheit, inzwischen nicht mehr bei den CDC, erklärte: »Es gab drastische Kürzungen bei der wissenschaftlichen Forschung und bei epidemiologischen Programmen, die zur Erfassung und Prävention von Krankheiten notwendig sind.« Außerdem gaben 94 Prozent der Befragten an, dass die Funktionsfähigkeit ihrer jeweiligen Arbeitseinheit so stark beeinträchtigt ist, dass sie ihren Auftrag nicht mehr vollständig erfüllen können.
Zugleich zeigen die Angaben eine hohe Wechselbereitschaft innerhalb der Belegschaft. 68 Prozent der derzeit Beschäftigten haben demnach bereits konkrete Schritte unternommen, die CDC zu verlassen, etwa durch Bewerbungen auf andere Positionen. Unter ehemaligen Beschäftigten nannten sogar 95 Prozent die politischen Veränderungen als Haupt- oder alleinigen Grund für ihren Austritt.
99 Prozent der Befragten berichteten im Report von einer beeinträchtigten Arbeitsmoral, ebenso viele von erschwerten Bedingungen für ihre Tätigkeit und von einer eingeschränkten Aufgabenerfüllung. Häufig wird zudem auf eine zunehmende Diskrepanz zwischen Arbeitsaufkommen und verfügbarem Personal verwiesen. Darüber hinaus äußerten viele die Einschätzung, die Vorbereitung der USA auf Pandemien und gesundheitliche Notlagen habe sich insgesamt verschlechtert, und die Entwicklungen innerhalb der CDC könnten sich negativ auf die öffentliche Gesundheit auswirken.
Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass die Beschäftigten der CDC aufgrund ihrer Position innerhalb der Behörde am besten in der Lage sind, die Fähigkeit der US-Regierung zur Sicherung der öffentlichen Gesundheit zu beurteilen. Aus ihrer Perspektive ergibt sich das Bild einer Institution, deren Funktionsfähigkeit so stark beeinträchtigt ist, dass sie ihren Auftrag nicht mehr vollständig erfüllen kann.
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