Zum Inhalt der Seite
Rentenpolitik und Altersruhe

Frührente auf der Kippe

Studie zur Abschaffung der abschlagsfreien Altersruhe nach 45 Beitragsjahren

Foto: Wolfgang Maria Weber/IMAGO
Fakt: 60 Prozent der neuen Altersrentner erreichten – zumeist krankheitsbedingt – nicht die gesetzliche Altersgrenze

Kürzen, kappen, stutzen – etwa bei der Rente. Der neueste Clou: Abschaffung der abschlagsfreien Frührente für besonders langjährig Versicherte. Eine Studie als Planspiel, am Mittwoch präsentiert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung.

Der Coup des Clous: Damit würde die Rentenkasse um 9,5 Milliarden Euro pro Rentnerjahrgang entlastet (nicht pro Jahr, wie es fälschlich in Agenturmeldungen hieß). Mehrwertproduzenten und Werktätige können bis dato zwei Jahre vor Erreichen der Regelaltersgrenze in die Altersruhe wechseln – nach mindestens 45 Beitragsjahren ohne Abschläge. Derzeit liegt diese Grenze bei 66 Jahren und vier Monaten.

Überraschend kommt die Untersuchung nicht. Bereits vor zwei Wochen hatte Katherina Reiche (CDU) in der Debatte über die Reform der Altersvorsorge den Slogan ausgegeben: »Stopp von Frühverrentungsprogrammen«. In Deutschland müsse das Arbeitsvolumen gesteigert werden, so die Bundeswirtschaftsministerin weiter. Dabei gehöre auch die Option der Frühverrentung »auf den Prüfstand«, sagte André Schleiter, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann-Stiftung, laut Mitteilung.

Anzeige

Sarah Vollath (Die Linke) widerspricht. Die, die mehr als 45 Jahre hart gearbeitet haben, sollen auch künftig »das Recht haben, frei über ihren Ruhestand entscheiden zu dürfen, denn dafür ist unser Sozialstaat da«, wurde die rentenpolitische Sprecherin ihrer Bundestagsfraktion am Mittwoch in einem Statement zitiert. Hier dürfe es keine Einschnitte für minimale Einsparungen geben. Denn pro Jahrgang seien das lediglich drei Prozent aller Rentenausgaben – »und damit wesentlich weniger, als von den Kürzungsfanatikern der Union zuletzt oft behauptet«, betont Vollath.

Der neuerliche Vorstoß gegen die Frührente ist vor allem eines: realitätsfern. Denn schon heute erreichen 60 Prozent der neuen Altersrentner – zumeist krankheitsbedingt – nicht die gesetzliche Altersgrenze, sondern gehen vorzeitig in Rente. Das belegen Daten der Deutschen Rentenversicherung, auf die sich auch der DGB bezieht.

→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 04.06.2026, Seite 5, Inland

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Pressefreiheit schützen, Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!

Heute liegt der jungen Welt das achtseitige Extra »wein« kostenlos bei. Die Ausgabe erhalten Sie im gut sortierten Pressehandel für 2,50 Euro.