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Ein komischer Heiliger

Dem Dichter Allen Ginsberg zum 100. Geburtstag

Foto: CTK Photo/IMAGO
Dichter und Friedensaktivist: Allen Ginsberg (Prag, 1965)

Vier Buchstaben

Allen Ginsberg hat viele Rollen gespielt in seinem Leben. Er war der große Strippenzieher, zunächst im Beat-Movement und später bei den Hippies, er war Anti-Vietnam-Kämpfer, Naturschützer, Schwulen-, später AIDS-Aktivist und gern gesehener Gast auf den Klappen dieser Welt, die gute Seele mit einem »great gift for friendship« (Marianne Faithful), ein frömmlerischer Buddhist, warmherziger Lehrer – und nicht zuletzt einer der einflussreichsten US-Lyriker nach dem Zweiten Weltkrieg.

Selbst das alte Lästermaul Charles Bukowski, der selten ein gutes Haar lässt an seinen Kollegen und auch Ginsberg gern mal aufs Korn nimmt, vor allem wegen seiner sexuellen Präferenzen, muss schließlich einräumen: »Seit Whitman hat uns in der amerikanischen Dichtung keiner mehr so die Augen geöffnet wie Allen Ginsberg. Dieser ›kleine jüdisch-kommunistische Homo‹, wie ihn einmal ein rotznäsiger Kritiker genannt hat, schreibt 99,8 Prozent von euch angeblichen Schwergewichtlern jederzeit an die Wand.« Weil er sich schon Mitte der Fünfziger getraut hat, die Gosse ins Gedicht zu holen. In einem späteren Bonmot hat Ginsberg denn auch zugegeben, dass er sich vor allem deshalb so vehement ins Zeug gelegt hat, damit »ein sauberes angelsächsisches Schimpfwort mit vier Buchstaben für immer in Schulanthologien« verewigt wird.

Freunde

Nach seinem Studium in New York, wo er seine späteren Beat-Mitstreiter William S. Burroughs und Jack Kerouac kennen und zumindest im Falle des letzteren auch lieben lernt, arbeitet er in verschiedenen Professionen, als Schweißer, Handlanger auf einem Frachter, Redakteur und Reporter, um sich schließlich in San Francisco als Marktforscher zu verdingen. Das sind alles bloß Brotjobs, denn eigentlich versteht er sich ja als Dichter. Kerouac wird sein Mentor, und dessen delirante, spontan rausgehauene, immer auch ein bisschen prahlerische Prosa weist ihm den Weg. »Schau doch, der ganze Wert deines Verstands liegt in seiner Spontaneität«, schreibt ihm sein Buddy, »einen anderen hat er nicht. Alles gut Durchdachte ist was für existenzialistische Generäle, die sowieso auf Schlachten, und Hoch-Spät-Spenglerianer, die bis zum Stehkragen in Bürokratie und kostspieligem Hahnreitum bei ach so witzigem Midtown-Cocktail-Geblubber rumstehen.«

Das ist der Sound, der Ginsberg affiziert. In San Francisco gibt es mit Philip Lamantia, Gary Snyder, Michael McClure, Philip Whalen und anderen eine Szene aus verwandten Geistern, hier findet er seine Stimme. Und hier lernt er auch Peter Orlovsky kennen, die Liebe seines Lebens. Ginsberg macht ihn zu seiner »Frau«, das heißt in den Fünfzigern, er kommandiert ihn herum und lässt seine Launen an ihm aus. Orlovsky hat irgendwann genug und geht mit der Machete auf ihn los. Es ist eine konfliktreiche, grausame, von gegenseitigen Verletzungen geprägte, aber trotzdem haltbare Beziehung. Ginsberg will unbedingt, dass sie funktioniert. »Wenn schon Peter und ich nicht miteinander auskommen, wie können dann Juden und Araber miteinander auskommen?«

Yeah!

Am 13. Oktober 1955 in dem kleinen Laden Six Gallery stellt er sich erstmals der von Kerouac mit billigem Rotwein abgefüllten Öffentlichkeit. Wie bei einem archaischen Stammesritual beginnt sein Bruder und Gelegenheitsliebhaber auf einer Flasche den Rhythmus vorzugeben und das Publikum aufzupeitschen unter vielen »Go, man, go!« und »Yeah!«, als stünde Charlie Parker auf der Bühne. Und dann kommt der Prediger endlich nieder mit seiner unfrohen Botschaft vom Moloch Amerika: »Ich sah die besten Köpfe meiner Generation zerstört vom Wahnsinn, ausgemergelt hysterisch nackt, / wie sie im Morgengrauen sich durch die Negerstraßen schleppten auf der Suche nach einer wütenden Spritze, / Hipster mit Engelsköpfen, süchtig nach dem alten himmlischen Kontakt zum Sterndynamo in der Maschinerie der Nacht / Die armselig und abgerissen und hohläugig und high wach hockten und rauchten im übernatürlichen Dunkel von Altbauwohnungen, in Jazz-Meditationen schwebend über dem Häusermeer der Städte.«

So fängt an, was bald als der Beginn einer neuen Epoche in der amerikanischen Lyrik gefeiert wird. Ein scheinbar extemporiertes, besinnungslos gebrabbeltes Traumstenogramm, eine Kombination von mystischer Metaphorik und knallhartem Realismus. Ginsberg führt das Gedicht raus aus den Gelehrtenklüngeln zurück auf die Straße. Er macht es populär, indem er seine Verse mit Motiven, Gesten und Phrasen der populären Kultur füttert – mit Jazz, Drogen, Sex, buddhistischer Spiritualität und einer modischen, in Filmen wie »The Wild One« oder »Rebel Without A Cause« gerade auch von Hollywood entdeckten Renegatenattitüde.

Das ist der gemeinsame Nenner einer Avantgarde, die sich dann Beat-Generation nennt und dem verdrucksten, spielverderberischen Puritanismus den nackten Arsch zeigt. »Howl« ist das Gründungsmanifest dieser Gegenkultur, weil die Verleger sich an Kerouacs »On the Road« vorerst noch nicht herantrauen – und Ginsberg mit seiner Litanei aus freien Langversen eine eingängige und trotzdem hochliterarische Form findet für das fundamentale Unbehagen seiner Generation an der geheimnislosen, repressiven, selbstzerstörerischen Industriegesellschaft, aber eben auch für ihre Lebensgier, sexuelle Passion und Freiheitseuphorie. Was diese Verse für den literarischen Nachwuchs damals bedeutet haben müssen, ist heute kaum mehr zu ermessen.

Obszönität

Nach der Six-Gallery-Performance ist Ginsberg eine große Nummer in der Szene. Der befreundete Buchhändler, Lyriker und neuerdings auch Verleger Lawrence Ferlinghetti bietet ihm einen Vertrag an für seine »Pocket Poets Series«. Im Jahr drauf erscheint »Howl and Other Poems« und wird ein Bestseller. Das liegt auch an den »Stellen«, in denen er recht explizit von sich und seinen Leuten spricht, »die sich von Motorrad-Engeln in den Arsch ficken ließen und schrien vor Lust, / die die Matrosen bliesen, diese Seraphen in Menschengestalt, und sich von ihnen blasen ließen und die Zärtlichkeiten atlantischer und karibischer Liebe erlebten«.

Wegen solcher Passagen müssen sich Ginsberg und Ferlinghetti vor Gericht verantworten, werden aber freigesprochen, weil namhafte Literaturkritiker wie Kenneth Rexroth sich auf ihre Seite stellen, die literarische Bedeutung des Werks bestätigen und den Vorwurf der Obszönität ausräumen können. Spätestens jetzt will alle Welt das Skandalwerk lesen, nur drei Jahre später erscheint sogar eine deutsche Übersetzung, »Das Geheul und andere Gedichte«, braucht aber noch ein paar Jahre, um hierzulande etwas zu bewegen.

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Ginsberg nutzt seinen beginnenden Ruhm, um seinen Freunden und Mitstreitern unter die Arme zu greifen. Während Kerouac in Mexiko die einheimischen Drogen durchprobiert und seine Visionen mitschreibt, versucht Ginsberg zu Hause in New York selbstlos dessen Manuskripte zu vermakeln. Und als Burroughs in Tanger nicht mehr weiterkommt mit »Naked Lunch«, besucht ihn Ginsberg, hilft beim Tippen, Redigieren und Arrangieren des Buches und besorgt ihm in Paris auch gleich noch einen Verlag. Dass es Maurice Girodiasʼ Pornounternehmen Olympia Press ist, erweist sich nicht mal als Nachteil.

Kaddisch

Ginsberg ist ruhelos, er engagiert sich politisch, reist durch die Welt. Bereits jetzt ist er mindestens so ernsthaft Aktivist wie Dichter, erst 1961 erscheint sein zweiter Gedichtband »Kaddish and other Poems«, und auch dieses Mal wird das Titelgedicht schließlich Stoff von Literaturseminaren. Weil seiner schon früh an Schizophrenie erkrankten Mutter Naomi am Ende ihre Leidenswegs, mit 62, das Kaddisch verwehrt wird – es müssen tatsächlich zehn jüdische Männer anwesend sein, sonst darf das Trauergebet nicht gesprochen werden –, ruft er ihr sein ganz persönliches »Kaddisch« hinterher. Es ist ein wütender, liebevoller, schwerverständlicher und -erträglicher, eben schockierend intimer Nachruf, der nichts auslässt, nicht ihre ständige Paranoia, ihr Siechtum in der Psychiatrie, ihren Krebs, ihre Schlaganfälle, aber eben auch nicht Ginsbergs Gefühlswelt zwischen Mitgefühl, Liebe und völliger Überforderung. »Mit vierzig, krampfadrig, nackt, dick, verdammt, vor der Wohnungstür versteckt beim Lift rufend Polizei, brüllend nach Freundin Rose um Hilfe – / Sperrte sich einmal ein mit Klinge und Jod – hörte sie husten unter Tränen an der Spüle – Lou brach durch Glas-grün-farbene-Tür, wir zerrten sie hinaus ins Schlafzimmer. / Dann monatelang ruhig jenen Winter – spazieren, allein, auf nahem Broadway, las Daily Worker – Brach sich den Arm, stürzte auf eisiger Straße – / Begann Flucht auszuhecken vor kosmischen Geld Mordkomplotten – rannte später davon in die Bronx zu ihrer Schwester Elanor. Und es gibt eine weitere Saga der seligen Naomi in New York.«

Man darf daraus eigentlich nicht zitieren, weil ein Schnitt diesem unablässigen, angeblich in 31 Stunden nonstop aufs Blatt halluzinierten Wortstrom zuviel seiner Suggestionsmacht raubt.

Ein komischer Heiliger

Als er die Beat-Bewegung auf einem guten Weg weiß, macht er Ernst mit seiner buddhistischen Selbstfindung, reist mit Orlovsky für zwei Jahre nach Indien und kommt als komischer Heiliger zurück, der nun ständig, auch zu den unpassendsten Gelegenheiten, seine Mantras absingen muss.

Sein Freund Bob Dylan nimmt ihn 1975 mit auf seine »Rolling Thunder Revue«, und auch hier liest er nicht nur aus »Kaddisch«, sondern beschließt den Abend mit seinem meditativen Gefrömmel, bis es Dylan sehr früh schon reicht. »Ginsbergs spirituelles Singsangfinale ist aus der Show gestrichen worden, geknickt hockt er mit Peter (Orlovsky) in der ersten Reihe«, schreibt Sam Shepard im »Rolling Thunder Logbook«. »Normalerweise kann ich über Allens zuversichtliche Art nur staunen. Er scheint unendlich viel einstecken zu können, und er rappelt sich nach Tiefschlägen hoch, ohne austeilen oder andere fertigmachen zu müssen.«

Das sind die Vorteile seiner Zenversenkung. Von der Kehrseite berichtet der junge deutsche Autor Carl Weissner, der bald schon zum wichtigsten Vermittler des US-Underground aufsteigt. Er trifft Ginsberg öfter während seines New-York-Aufenthalts 1968 und notiert sich in seinem Tagebuch »Die Abenteuer vom Trashman«: »Vor zwei Wochen habe ich auf seinem Schreibtisch etwas gelesen, er schreibt Kassetten ab, auf die er bei Fahrten mit seinem VW-Bus zu allerhand College-Lesungen seine Beobachtungen gesprochen hat. Da lese ich also etwas von einem Waschbär, der in Oregon am Straßenrand auf den Hinterpfoten sitzt und … betet. Das Blatt habe ich so schnell weggelegt, als wäre es kontaminiertes Klopapier.«

Hippies

Die Beats sind mit ihrer Exzessivität, spirituellen Bedürftigkeit und ihrem Rebellentum so etwas wie Role Models für spätere Gegenkulturen, die sich der kapitalistischen Knochenmühle widersetzen – zunächst mal für die Hippies. Schon in den frühen Sechzigern hat sich Ginsberg mit Acid-Guru Timothy Leary getroffen und reichlich LSD probiert. Jetzt macht er sich zum Sprachrohr der Jüngeren und glaubt tatsächlich an eine Bewusstseinsrevolution durch die von der Säure Erleuchteten, die auf eine »neue transzendental-Rock-’n’-Roll-revolutionär-sexual-ästhetisch-planetare Ebene eingestimmt« sind.

Jedenfalls diktiert er es so dem Playboy in die Feder. Am Hippiewesen soll die Welt genesen. »Wir brauchen Millionen von Kinderheiligen, die sich aufs Zaubern verstehen, auf technologisches Vaudeville, rhythmische Tänze, hypnotische Akrobatik, nackten Zirkuskitzel – magische Politik, um dem Polizeistaat den Teufel auszutreiben. Gibt es eine Form der Poesie oder ein hinreichend erhabenes Theater, um die Ziele der Nation zu ändern und den Leuten das Bewusstsein zu öffnen?«

Er pilgert von Happening zu Happening – und das FBI lässt ihn jahrelang beschatten. Um die für ihr rabiates Auftreten gefürchteten US-Cops zu befrieden, schlägt er in einem Aufsatz vor, auf Demonstrationen Blumen zu verteilen. Der suggestive, den ganzen schönen Irrwitz der Bewegung auf den Punkt bringende Slogan »Flower Power« ist seine Wortschöpfung. Sogar die Hells Angels glaubt er für die gute Sache einspannen zu können. Er ist ganz vernarrt in die Outcasts, sieht in ihnen Abkömmlinge der Räuberbande aus dem Sherwood Forest und widmet ihnen gleich mehrere Gedichte. Ein kapitales Missverständnis, denn die »Rocker« haben natürlich nichts gegen LSD und Pot for free, aber wenn die Eierköppe aus Berkeley sich tatsächlich erdreisten, gegen den Vietnamkrieg zu demonstrieren, entpuppen sie sich als räudiger Haufen Rednecks, die den »Kommunisten« und »Vaterlandsverrätern« ganz schnell mal die Hammelbeine langziehen.

Networking

Ginsberg ist ein hoffnungsloser Idealist, ein Rebell und zugleich ein großer Pragmatiker, der in der Kulturszene mitspielen will und dem das auch mühelos gelingt. Anders als der schüchterne Kerouac, der öffentliche Auftritte hasst und nur unter Alkohol durchsteht, weiß der jüdische Lehrersohn sich in der Dickdenkerszene auf alerte Weise zu inszenieren. Kleine öffentlichkeitswirksame Ausraster inklusive. Als es bei einer Lesung zu viele kritische Zwischenrufe gibt, zieht er kurzerhand blank und fordert seine Kritiker auf, sich ebenfalls ganz offenherzig zu zeigen. Das sorgt für Ruhe.

Gegenüber Verlegern, Literaturagenten, Dozenten und Kritikern benimmt er sich, er ist verbindlich, höflich, professionell, ein gewiefter Netzwerker, der sich in der Rolle des öffentlichen Intellektuellen wohlfühlt und dem ohne weiteres die akademischen Weihen zuteil werden, während Kerouac weiterhin bloß der »Latrinenlaureatus der Hoboheme« bleibt. Das nagt an Kerouac, der sich langsam einem unansehnlichen Suff hingibt und den Freund irgendwann mit antikommunistischen, antisemitischen und schwulenfeindlichen Sottisen plagt. Doch Ginsberg bleibt ihm gegenüber stets loyal und räumt gern ein, wie sehr er ihn »beklaut« hat. Damals.

Mitte der Sechziger ist Ginsberg bereits einer der wichtigsten Repräsentanten der US-Literatur. In den Siebzigern folgen National Book Awards, und drei Jahre vor seinem Tod, 1994, sogar der Pulitzerpreis für seine gesammelten Gedichte. Als die Gruppe 47 aus Deutschland 1966 in Princeton tagt, holt man ganz selbstverständlich ihn auf die Bühne, um mit Günter Grass, dem walrossbärtigen Haupt der deutschen Literatur, eine literarische Transatlantikbrücke zu schlagen. Sie schwadronieren grandios aneinander vorbei, denn in Deutschland ist die psychedelische Revolution noch gar nicht angekommen. Ginsberg redet vom Glück eines neuen Zeitalters, von Bewusstseinsexpansion und Unendlichkeitsvisionen. Grass hebt nur die Schultern. Er nehme kein LSD, er trinke Kaffee. Der tue es auch.

Körperlos

Zufällig, weil beide in das gleiche Taxi einsteigen wollen, lernt Ginsberg den tibetischen Lama Chögyam Trungpa kennen und schließt sich seiner buddhistischen Apostatensekte an. Sie profitieren beide voneinander, Ginsberg bekommt spirituelle Unterweisung, Trungpa Lektionen in kreativem Schreiben. Als der Prediger Mitte der Siebziger seine private Naropa-University gründet, in der neben Meditation und Religionsphilosophie auch diverse Künste unterrichtet werden sollen, überzeugt er Ginsberg und die befreundete Lyrikerin Anne Waldmann, eine eigene Poesieabteilung aufzubauen – die Jack Kerouac School of Disembodied Poetics. Und so widmet er sich in den noch folgenden Jahrzehnten neben dem Schreiben, dem Reisen und seinem politischen Aktivismus mit großer Leidenschaft dem Unterrichten und offenbart auch dabei ein beachtliches Talent. Er plädiert für eine welthaltige, unschematische, das Dargestellte individualisierende, das heißt als etwas Singuläres darbietende Poesie, und es gelingt ihm sogar, das Geschäft des Schreibens in durchaus handfeste Maximen zu pressen. Diese sehr pragmatischen Direktiven, die er teilweise seinen Freunden und Vorbildern Ezra Pound (»the natural object is always the adequate symbol«), William Carlos Williams (»no ideas but in things« und »close to the nose«) oder Jack Kerouac (»details are the life of prose«) abgelauscht hat, können Anfängern durchaus nützlich sein. Auch seine »13 Schritte der Überarbeitung« liefern ganz konkrete Hilfestellung. Am einleuchtendsten, jedenfalls allemal beherzigenswert ist Schritt zehn: »Auf Schwachpunkte hin prüfen, die du eigentlich nicht magst und nur aus Gründen der Trägheit im Text belassen hast.« Später vielleicht!

Nobler Abgang

Als Ginsberg unheilbar an Leberkrebs erkrankt, macht er kein großes Aufhebens darum. Ganz im Sinne der buddhistischen Lehre: »Wenn du etwas Schreckliches siehst, klammere dich nicht daran, und wenn du etwas Schönes siehst, klammere dich nicht daran.« Kurz vor seinem Tod, am 5. April 1997, mit gerade mal 70 Jahren, telefoniert er noch mit seinem Dichterfreund Amiri Baraka, ehemals LeRoi Jones, dessen Antisemitismus er all die Jahre ebenso ausgehalten hat wie den von Ezra Pound und am Ende auch Kerouac. »Ich sterbe, aber ich mache mir keine Sorgen – es ist nun mal so«, setzt er ihn in Kenntnis, um dann gleich zum Wichtigen zu kommen. »Brauchst du Geld?«

Zum Autor: Frank Schäfer

Frank Schäfer ist Schriftsteller, Musik- und Literaturkritiker. Er lebt in Braunschweig. Zuletzt erschien von ihm an dieser Stelle am 2./3. Mai 2026 »Auferstanden aus Ruinen« über die Metalband Judas Priest.

→ Letzte Buchpublikationen: »Black Sabbath« (Wallstein, 2026), »Motörhead – die lauteste Band der Welt« (Suhrkamp, 2025) und »AC/DC« (Reclam, 2024)

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Erschienen in der Ausgabe vom 06.06.2026, Seite 6, Wochenendbeilage

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