Zum Inhalt der Seite
Globale Landwirtschaft

Indien trägt globales Agrarwachstum

Der Subkontinent soll laut UN bis 2035 einen Großteil zur weltweiten Landwirtschaft beitragen

Foto: Francis Mascarenhas/REUTERS
Niedrige Preise bringen Milchbauern in Bedrängnis

Indien, dem bevölkerungsreichsten Land und führenden Milchproduzenten der Welt, kommt beim Wachstum der weltweiten Landwirtschaft eine Schlüsselrolle zu. Das ist eine zentrale Aussage des Agrarausblicks 2026–2035, vorgelegt von der Agrarorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Darin geht es um Prognosen der globalen Nahrungsgüterproduktion – aber auch um bäuerliche Einkommensverhältnisse, Gefahren und Risiken. »Die Region Asien-Pazifik wird bis 2035 voraussichtlich 58 Prozent der zusätzlichen globalen Agrarproduktion ausmachen, wobei allein Indien 26 Prozent zum Anstieg beitragen wird«, heißt es in dem 160-Seiten-Kompendium. Das Wachstum werde maßgeblich durch einen schnell wachsenden Milchviehbestand und steigende Milcherträge getrieben, hieß es weiter. 77 Prozent der Gesamtzuwächse würden allein auf die Milchwirtschaft entfallen.

Doch die indischen Milchbauern stehen unter Druck. So bedroht der Klimawandel die ausreichende Versorgung mit Viehfutter. Der indische Futtermittelmarkt wird, so die Wirtschaftsausgabe von The Hindu am 4. Juli, aktuell auf rund 15,4 Milliarden US-Dollar geschätzt. Mit einem jährlichen Zuwachs von 4,3 Prozent bis 2031. Voraussetzung ist aber, dass genügend Getreide von den Feldern geerntet werden kann, macht dieses doch 57 Prozent der Futtermittel aus. Doch allein der aktuelle Monsun, der unlängst begann, wird laut India Meteorological Department (IMD) nur 90 Prozent der Niederschläge des langjährigen Mittels bringen. Zum 30. Juni betrug das Defizit sogar 30 Prozent, Ernteausfälle scheinen in einigen Regionen schon sicher. Eine Verknappung des Angebots bedeutet Versorgungsengpässe, in jedem Fall aber steigende Kosten für die Milchbauern.

Laut der jüngsten Jahresstatistik des zuständigen Ministeriums, vorgelegt im November, lag Indiens Milchproduktion im Haushaltsjahr 2024/25 bei 247,8 Millionen Tonnen – ein Anstieg um 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Wichtigste milchproduzierende Unionsstaaten sind Uttar Pradesh, Madhya Pradesh, Gujarat und Maharashtra. Allein diese fünf Regionen sichern 54 Prozent des Gesamtaufkommens. 2018/19 lag es noch bei 287,74 Millionen Tonnen, der Anstieg hält schon viele Jahre zuverlässig an.

Anzeige

Milch (zu 54 Prozent von Kühen und 43 Prozent von Wasserbüffeln) ist in indischen Haushalten ein wichtiges Element der Grundernährung. Obwohl auch die Bevölkerung stetig wächst, legt die Milchproduktion noch stärker zu – 390 Gramm pro Kopf täglich konnte sie 2018/19 liefern, im Berichtsjahr 2024/25 waren es schon 485 Gramm. Zwar gilt die Kuh im hinduistisch geprägten Indien als heilig. Und radikale Kuhschutzmilizen, befördert von der hindunationalistischen BJP-Regierung von Premier Narendra Modi und ihren regionalen Statthaltern, gibt es vermehrt im ganzen Land.

Verbilligte Milch verschärft die bereits kritische Lage von Milchbauern zusätzlich. In Jaipur protestierten viele von ihnen Ende Juni gegen Pläne der Regierung, dem Agrardiesel Ethanol beizumischen. Der neue Treibstoff, wird moniert, sorge für erhöhten Reparaturbedarf an den Traktoren, damit auch für erhöhte Betriebskosten. Ebenso richtete sich der Protest gegen steigende Futterkosten, die der Milchpreis nicht länger auffangen könne. Großmolkereien wie die staatliche Mother Dairy (5,5 Millionen Liter pro Tag) drängen darauf, ihn stabil zu halten.

Denn die Fälle von Verunreinigung nehmen zu. So wurden 2024 bei einer Studie 300 Milchproben analysiert – und bei 70,6 Prozent Verunreinigungen festgestellt. Mehr als die Hälfte (58,5 Prozent) waren mit Wasser gestreckt. Doch Zusätze von Reinigungsmitteln (23,9 Prozent) oder Harnstoff sowie Dünger (9,1 Prozent) können gesundheitlich schwerwiegende Folgen haben. Selbst die französische Le Monde berichtete im Februar von einem der jüngsten Skandale. Ein Molkereibetrieb in Modis Heimatstaat Gujarat, nun geschlossen, hatte fünf Jahre lang mit solchen Chemikalien die Milch gestreckt – aus 300 Litern Rohmilch pro Tag wurden so 1.800 Liter verunreinigtes Endprodukt.

→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 06.07.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Pressefreiheit schützen, Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!