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Kulturpolitik

Weimers Sorgen

Foto: Carsten Koall/dpa

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer barmt mal wieder. Er befürchte eine Abkehr von den Werten der Aufklärung, bekannte er anlässlich der Jahrestagung des Ordens Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste am Sonnabend. Extremistische und autokratische Bewegungen weltweit wie in Deutschland griffen Fundamentales an: »eben die Aufklärung an sich«. – »Wir erleben toxische Kontroversen im Land, wir erleben Empörungsrituale, wir erleben ja Menschen, die dem Telos der Spaltung folgen, und wir erleben Menschen, die das Agens der Diffamierung in sich tragen«, sagte Weimer. »Und es sind nicht mehr wenige, es sind viele, es werden mehr, und sie werden fundamentaler in dieser Herausforderung.« Phänomenen wie der rechten Theoriemode »Dark Enlightenment«, die bereits den ganz späten Habermas besorgte, setzt Weimer die Forderung entgegen: »Mehr Kant wagen.«

Uff. Da vergeht einem fast das Lästern, so langweilig ist es, die Sorgen eines Mannes zu »entlarven«, dessen kulturelle Bildung zweifelhaft ist, dessen Verbotsfreude dokumentiert und dessen Geschäftsfreude nur noch von seinem Spürsinn für politische Fettnäpfchen und der Abenteuerlust bei rhetorischen Verrenkungen übertroffen wird. Darf man Weimer glauben, dass er je einen Satz von Kant gelesen hat (geschweige denn verstanden)? Entscheiden Sie selbst, liebe Leser. Tröstend, dass sich den Sermon zumindest auch ein paar unbedingt bestrafungswürdige Delinquenten in voller Länge anhören mussten: Zu den bei der Gelegenheit in den Orden Aufgenommenen zählen der ungarische Sex-and-Commie-Crime-Schriftsteller Péter Nádas sowie der sehr begabte Gitarrenspieler Wolf Biermann.

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Erschienen in der Ausgabe vom 02.06.2026, Seite 10, Feuilleton

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