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Wagniskapital (2)

Foto: jW

Der 30. US-Präsident Calvin Coolidge hat einmal gesagt: »The business of America is business.« Dazu gehörte die Firma Blackwater für internationale Söldnereinsätze, die nach einigen Skandalen wie dem »Nisour Square massacre« 2007 und Besitzerwechsel 2011 in »Academi« umbenannt wurde. Business macht aber vor allem die Investmentfirma Blackrock Inc., die »wichtigste Finanzinstitution der Welt«, wie der Banker Ralph Schlosstein von der Investmentbank Evercore meint. Blackrock bietet institutionellen und privaten Anlegern an, ihr Vermögen »mit Fokus auf Risikomanagement« zu verwalten.

Blackrock wurde 1988 von Larry Fink mitgegründet, der 1986 als Investmentbanker bei der First Boston mit einer Fehlspekulation 100 Millionen US-Dollar verloren hatte. Er entwickelte daraufhin ein neues »Businesskonzept« des Risikomanagements, für das er von der Investmentfirma Blackstone einen Kredit bekam. 1994 verwaltete er bereits 53 Milliarden US-Dollar. 1999 ging das Unternehmen mit einem Ausgangspreis von 14 US-Dollar pro Anteil an die Börse und verwaltete am Ende des Jahres 153 Milliarden US-Dollar

Nach der Finanzkrise 2008 schob die Regierung dem Unternehmen notleidende Banken zu, um sie zu sanieren bzw. abzuwickeln, denn sein Unternehmen verfügte nach Ansicht der Regierung über »die weltbeste Risikoanalyse«.

Als der Ukraine-Krieg auch deutsche Rüstungsfirmen mit Aufträgen beglückte, erhöhte Blackrock prompt seine Beteiligung an der Rheinmetall AG und verkündete im Mai 2024, man halte nun »offiziell mehr als fünf Prozent der Stimmrechte«. Inzwischen ist Blackrock mit einer Beteiligung von 7,1 Prozent der größte institutionelle Anteilseigner. Daneben hält Blackrock als weltgrößte Vermögensverwaltung Beteiligungen auch an allen 40 Dax-Unternehmen.

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2016 wurde der CDU-Politiker Friedrich Merz Aufsichtsratsvorsitzender und Berater der deutschen Blackrock-Niederlassung. 2020 stieg Merz mit dem gewonnenen Know-how wieder in die Politik ein. Ein Jahr zuvor hatte Blackrock eine Projektgruppe für Renten gegründet, . Zwei Drittel des von Blackrock verwalteten Vermögens (11,5 Billionen US-Dollar im Jahr 2024) stammen aus Renten- und Pensionskassen und der privaten Altersvorsorge von Kleinanlegern. Dafür gibt es Blackrocks Marke »­I-Shares« mit 800 Indexfonds (ETFs) im Angebot mit. Viele Anleger nutzen »I-Shares« als Altersvorsorge.

Die Stiftung Warentest bietet Ihnen das Buch »Alles über Fonds« an, und viele Finanzforen preisen 2026 »die besten ETFs« an, denn wir sollen unsere zunehmend schmalere Rente mit Aktiengewinnen aufstocken, verkündete jüngst die Regierung Merz. In den USA ist das angeblich beliebt. Geringverdiener kaufen Aktien, um zum Beispiel die teure Collegeausbildung ihrer Kinder zu finanzieren.

Das Problem dabei ist hier wie dort nur: Damit die Aktien der Unternehmen nicht fallen, müssen diese ständig rationalisieren, d. h. Beschäftigte entlassen. Wenn diese Aktien ihrer Firma besitzen, sind sie gut beraten, sich selbst zu entlassen.

Dies galt 2017 auch für die Firma Blackrock selbst, die viele ihrer Fondsmanager entließ, um sie durch »quantitative Strategien« zu ersetzen, also durch Algorithmen und KI, von der sich neben Merz auch Markus Söder und Cem Özdemir eine »rosige Zukunft« für ihr »Ländle« versprechen.

Während dort also die Geringverdiener mit Aktienspekulationen ihre Rente aufbessern sollen, will Bosch 22.000 Stellen abbauen, der Zulieferkonzern ZF Friedrichshafen 14.000, Porsche-Cellforce 1.200 und der Porsche-Gesamtkonzern 1.900 Stellen. Das Handelsblatt meldete am 29. September 2025: »Im Südwesten verschwinden gerade Industriearbeitsplätze im Rekordtempo. Die Politik findet kein Gegenmittel – und treibt der AfD eine neue Wählerschaft zu.« Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform ließ laut Welt am 19. Mai 2026 verkünden: »Westeuropa wird von historischer Pleitewelle erfasst. Fast 200.000 Unternehmen mussten 2025 in den Ländern Insolvenz anmelden.«

Etliche der Entlassenen werden in der Rüstungsindustrie unterkommen. Der Aufsichtsratschef Ulrich Grillo von Rheinmetall verriet stolz, dass sie bereits 300.000 Bewerbungen hätten.

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Erschienen in der Ausgabe vom 02.06.2026, Seite 10, Feuilleton

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