-
28.05.2026
- → Feuilleton
Schwarze Romantik
Vom 22. bis 25. Mai fand in Leipzig das 33. Wave-Gotik-Treffen statt
Mit seiner 33. Auflage hat das Wave-Gotik-Treffen (WGT) am langen Pfingstwochenende in Leipzig seinen Nimbus als weltgrößtes Festival der schwarzen Szene eindrucksvoll bestätigt. Etwa 20.000 Besucher bedeuteten sogar noch einen leichten Anstieg gegenüber den 19.000 des Vorjahres und katapultierten das WGT nahezu wieder auf das Niveau vor den Coronamaßnahmen zurück. Während die Messestadtbewohner ohne Bändchen in erster Linie das »Viktorianische Picknick« im Clara-Zetkin-Park am Freitag frequentierten, um Fotos der abgefahrensten Outfits zu machen, schätzen die zahlenden Teilnehmer den facettenreichen subkulturellen Mix aus Konzerten, Vorträgen, Kunstausstellungen, Museums- und Friedhofsführungen, Kinofilmen, Oper, Partys und Disco.
Zum Auftaktfreitag feierten diesmal 6.000 in der großen Agra-Halle die WGT-Premiere der Achtzigerikone Kim Wilde, die sich sichtlich über die große Resonanz freute und vorwiegend ihre New-Wave-Hits darbot. »You Came«, »Never Trust a Stranger«, »Cambodia«, »Chequered Love«, »View from a Bridge« sowie »Kids in America«, produziert von ihrem sie live begleitenden Bruder Ricky, wurden begeistert mitgesungen und durch extraordinäre Coverversionen von »You Keep Me Hangin’ on« (The Supremes), »Anyplace, Anywhere, Anytime« (Nena) und »Enjoy the Silence« (Depeche Mode) geschickt ergänzt. Die 65jährige präsentierte sich hervorragend bei Stimme und musste sich überdies nicht verstellen, denn Schwarz ist ohnehin ihre bevorzugte Farbe. War die Menge gerade richtig in Partylaune, so folgte nun das Kontrastprogramm, denn das erste WGT-Konzert der 1980 in Westberlin von Mastermind Blixa Bargeld mitgegründeten Einstürzenden Neubauten glich einer musikalischen Andacht mit avantgardistischen Klängen. Der 67jährige Bargeld – bis 2003 auch Gitarrist bei Nick Cave and the Bad Seeds – überzeugte als Leadsänger u. a. mit »Ten Grand Goldie«, »Pestalozzi«, »Grazer Damm« und »Die Befindlichkeit des Landes« doch den stärksten Applaus löste als achtminütige Zugabe das eindrucksvolle Duett »Stella Maris« mit der seit diesem Jahr neu in der Formation spielenden Bassistin und Sängerin Josefine Lukschy aus.
Am Pfingstsonntag abend gerieten die Liebhaber von Gothic Rock und Dark Wave in Verzückung. Die in Leipzig ansässige niederländische Band Clan of Xymox um Frontmann Ronny Moorings überzeugte ebenso wie das türkische Duo She Past Away mit Sänger und Gitarrist Volkan Caner und Keyboarder Doruk Öztürkcan, das seit ihrer Goth-Hymne »Ritüel« aus dem Jahr 2012 Kultstatus genießt. Eine ähnliche Menschenmasse wie bei Kim Wilde zog danach die Vampirrockband London After Midnight aus Los Angeles um Sänger Sean Brennan an. Vor allem die Hits »Your Best Nightmare«, »Kiss« und »Sacrifice« versetzten die Fans in Ekstase. Anschließend lieferten »Lacrimosa« um Tilo Wolff und Anne Nurmi ihren bereits zehnten WGT-Gig, und insbesondere die Bühnenrückkehr der finnischen Sängerin und Keyboarderin nach schwerer Krankheit wurde mit großem Beifall bedacht.
Doch auch das Rahmenprogramm war wieder einmal superb. Wer am Sonntag ab 13.45 Uhr die aus Österreich stammende Ausnahmekabarettistin Lisa Eckhart live erleben wollte, musste neben dem Mittagessen auch auf das Frühstück verzichten, denn die Warteschlange vor der Agra-Halle 4.2 erreichte kilometerweite Ausmaße. Wenn man rechtzeitig vor Ort war, wurde man durch »Kaiserin Stasi I. von Österreich und Ostdeutschland« durch ein brillantes Nonstopspektakel aus kreativen Höhenflügen und hintersinnigen Pointen entschädigt. Durch eine Kooperation mit der Oper Leipzig kamen am Montag zudem 150 WGT-Besucher in den Genuss von Georges Bizet »Carmen«, wobei in der Inszenierung von Lindy Hume insbesondere Mezzosopranistin Maya Gour (Carmen), Tenor Irakli Kakhidze (Don José) sowie die Sopranistinnen Solen Mainguené (Micaela) und Samantha Gaul (Frasquita) gesangliche Glanzleistungen lieferten.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
