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Warm hier

Foto: Kevin Coombs/REUTERS
Der Boden ist Lava

Hartmut knechtet Europa: glühender Asphalt, akute Lebensgefahr und mittendrin Redakteure, die versuchen, halbwegs klare Gedanken zu fassen. So auch in Berlin: Alle Angaben sind hitzebedingt ohne Gewähr und erfolgen zwecks Hitzigkeit in Kelvin.

Mailand am Freitag, 309 Grad. »Was gerade geschieht, ist die neue Normalität, mit der wir in den kommenden Jahrzehnten zu jeder Jahreszeit leben müssen«, stellt der Evolutionsbiologe Telmo Pievani das Publikum von Corriere della Sera auf lebenslanges Schwitzen ein. Leugnen, jammern, agitieren – das alles hilft nicht: »Die Gesetze der Physik lassen sich von unseren Diskussionen nicht beeindrucken.«

Gleichentags Amsterdam, 310 Grad. Volkskrant-Kolumnist Jarl van der Ploeg liebäugelt mit der Ökodiktatur: »Weist jeden mit einem zugepflasterten Garten umgehend aus dem Land.« Da darf Zensur nicht fehlen: »Gebt außerdem jedem Bildredakteur, der zu Nachrichtenartikeln über die extreme Hitze noch fröhliche Badefotos stellt, ordentlich einen auf den Deckel.« Als der Dampf abgelassen, das Gemüt also abgekühlt ist, schließt er ganz demokratisch: »Und wählt niemals, aber auch wirklich niemals, Klimaleugner.«

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Saint-Denis am Vortag, 313 Grad. Genau wie »die Wahrung der wirtschaftlichen Interessen einer Minderheit auf Kosten der planetaren Grenzen und der Mehrheit der Menschheit« sei die klimapolitische »Untätigkeit der Regierung verbrecherisch«, werde sie doch »zu noch mehr Dramen und Toten führen«, wettert L'Humanité. Obwohl allen die »himmelschreiende Dummheit der Klimawandelleugner« einleuchten müsste, blieben Empörung und Protest aus. Gewinnen könnten den »existentiellen Kampf« gegen den Klimakollaps einzig »antikapitalistische Kräfte«.

London am Dienstag, 312 Grad. Die Hitze bereitet dem Daily Telegraph Schwierigkeiten mit Statistik: »Als ob ein gesunder Erwachsener schon bei ein wenig Sonneneinstrahlung tot umfallen würde.« Die Redaktion ist offenbar bestens klimatisiert und will daher von der »Hysterie« nichts wissen: »Wenn Hitzewellen auftreten, erscheint es kaum tragbar, dass Schulen schließen und kein Zug mehr fährt.« Der ebenso gut gemeinte wie lebensferne Appell: »diesen kurzen britischen Sommer als das seltene Vergnügen genießen, das er ist«.

Helsinki am vergangenen Wochenende, 294 Grad. Während Europa das Wasser ausgehe und Ernten der Hitze zum Opfer fielen, »entwickelt sich Finnland im Hinblick auf das Wetter zu einem Paradies«, feiert Helsingin Sanomat das geographische Glück seiner Heimat. Selbst »der dunkle und lange Winter« dürfte »bald wie ein Kinderspiel erscheinen im Vergleich zu monatelanger, gnadenloser Hitze«. Obendrein boome mit »›Coolcation-Tourismus‹« auch die Wirtschaft. (nu)

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Erschienen in der Ausgabe vom 27.06.2026, Seite 2, Ansichten

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→ Leserbriefe
  • Istvan Hidy aus Stuttgart 27. Juni 2026 um 15:43 Uhr
    Der Klimawandel ist inzwischen keine Randnotiz mehr, sondern sitzt mitten im Raum – und schwitzt mit. Während der Norden noch darüber diskutiert, wie sich Produktivität trotz tropischer Temperaturen steigern lässt, hat der Süden Europas das Problem längst pragmatisch gelöst: Siesta. Was hierzulande als mediterrane Gemütlichkeit belächelt wird, ist dort gelebte Vernunft. Wer mittags bei 40 Grad Celsius nicht durch die Gegend hetzt, spart Kraft, Strom und Nerven. Anders gesagt: Wer schläft, heizt weder sich noch die Welt zusätzlich auf. Kein Wunder also, dass – zumindest in der satirischen Parallelwelt – Brüssel bereits über eine europaweite Pflicht-Siesta nachdenkt. Ein Klimaschutzprogramm, das keine Milliarden kostet, keine neuen Verordnungen braucht und sogar die Zahl hitziger Debatten senken könnte. Vielleicht sollten wir tatsächlich von Andalusien lernen. Nicht jede Herausforderung verlangt nach einer neuen Technologie. Manche verlangen einfach danach, die Rollläden herunterzulassen, die Uhr zu vergessen und der größten Hitze des Tages mit Gelassenheit zu begegnen. Manchmal ist die radikalste Antwort auf ein komplexes Problem nicht mehr Technik, nicht mehr Planung, nicht mehr Kontrolle – sondern einfach, zur richtigen Zeit nichts zu tun.
  • Frank Lukaszewski aus Überhitzthausen 27. Juni 2026 um 11:06 Uhr
    Fast passend: In sechs Monaten beginnt der Umtausch der Weihnachtsgeschenke!
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.

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