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22.05.2026
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Toter Zeuge in der Wüste
Irak: Hirte, der mutmaßliche Geheimbasis der israelischen Armee in der Wüste entdeckt hatte, tot aufgefunden
Inmitten der westlichen Wüste des Iraks sei dem 29jährigen Hirten Awad Al-Schammari etwas aufgefallen: ausländische Soldaten, eine unbekannte Landebahn, Helikopter und Zelte. Nachdem er die irakischen Behörden benachrichtigt hatte, habe er es nicht mehr nach Hause geschafft. Ein Helikopter habe ihn verfolgt und mehrmals auf sein Fahrzeug geschossen, bis es im Sand stehenblieb. Das teilten drei Beduinen, die in der Nähe ihr Lager errichtet hatten, der New York Times (NYT) mit, wie die Zeitung am Montag berichtete. Lange Zeit galt Al-Schammari als vermisst. Einzig die Überreste seines Pick-ups – mit Kugeln durchlöchert – bezeugen, was ihm in der Wüste angetan wurde.
Seine Familie suchte zwei Tage lang nach ihm, sagten sie der NYT. Er sei die Route normalerweise immer gefahren, um Besorgungen in der Stadt Al-Nuchaib zu machen, schildern sie. Von den ansässigen Beduinen, die zu verängstigt gewesen seien, in die Nähe des Trucks zu gehen, hätten sie gehört, was passiert war. Sie hätten seine Leiche verbrannt im Fahrzeug vorgefunden, erzählte sein Cousin Amir der NYT. Bilder des Leichnams zeigte die Familie der Zeitung. Ohne großes Aufsehen setzte sie ihn am Tatort neben seinem Truck mit einem simplen Grabstein bei. Fahim Al-Guraiti, General der zuständigen Militärbehörde, die der 29jährige kurz vor seinem Tod benachrichtigt hatte, bestätigte den Tatverlauf. Kurz danach wurden Truppen des irakischen Militärs entsandt, die auch von der unbekannten Militärpräsenz angegriffen wurden. Ein Soldat wurde getötet.
Die meisten Zeugen, die nach diesem Vorfall mit der NYT sprachen, bestanden aus Angst um ihre Sicherheit auf Anonymität. Darunter auch irakische Offiziere, die den Mord auf eine geheime israelische Stellung zurückführten. Das wäre somit das erste Mal, dass ein irakischer Zivilist durch israelisches Militär getötet wurde, seit die USA und Israel Krieg gegen den Iran angefangen haben.
Anscheinend wurde die Basis, die von Awad Al-Schammari entdeckt wurde, bereits im 12tägigen Krieg gegen Iran im Juni 2025 benutzt, leitet NYT aus den zugespielten Details ab. Das würde bedeuten, dass die USA dem Irak gegenüber die Militärpräsenz eines verfeindeten Staats im eigenen Land verschleierten. Der Bau von Militärbasen auf dem Gebiet eines souveränen Staats ohne dessen Genehmigung ist laut Völkerrecht verboten. »Das zeigt eine schamlose Missachtung der Souveränität des Iraks«, sagte der Abgeordnete Waad Al-Kadu im irakischen Parlament.
Offiziell bestreitet die Regierung in Bagdad noch die Präsenz Israels und behauptet weiterhin, dass der Angriff durch die US-Armee erfolgt sei, wie der Sprecher der irakischen Sicherheitskräfte Saad Maan der NYT erneut mitteilte. Washington und Tel Aviv äußerten sich nicht dazu. Das Pentagon beantwortete zwar die Presseanfrage der New Yorker Zeitung nicht, doch ehemalige hochrangige US-Generäle, Pentagon-Beamte und US-Diplomaten, die in der Region tätig waren, teilten dem Blatt mit, dass es angesichts der engen Beziehungen zur israelischen Armee undenkbar sei, dass das zentrale Kommando des Pentagons nichts über deren Präsenz im Irak gewusst habe.
Seit ihrer Enttarnung sei die Militärbasis nicht mehr in Betrieb. Doch in der westlichen Wüstenregion soll sich eine zweite israelische Basis befinden, so ein anonymer US-Offizier gegenüber NYT.
Bisher ist Bagdad offiziell nicht in den Krieg eingetreten, doch die VAE beschuldigten irakische Milizen auf einer UN-Konferenz, Drohnen auf ihr Atomkraftwerk Baraka gefeuert zu haben. Ohne explizit Teheran zu nennen, sprachen sie von Proxies und davon, dass die Explosion, bei der es keine Verletzten gab, auf den Iran-Krieg zurückgeht. Vertreter aus Saudi-Arabien sagten ebenfalls, sie hätten drei Drohnen aus dem Irak abgefangen. Das Außenministerium in Bagdad erklärte, dass die eigenen Radarsysteme keine Drohnen im Luftraum Richtung Golfstaaten registrierten und forderte Beweise für die Anschuldigung. Sie argumentierten, dass die USA über Lufthoheit im Irak verfügen und ihre Abwehrsysteme somit in der Lage seien, besagte Drohnen zu orten und abzufangen.
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