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US-Zionisten wählen mit

Foto: Newscom World/IMAGO
Unbequemer Parteigenosse für Trump und Co.: Der republikanische Abgeordnete Thomas Massie (o. D.)

Es ist das Ereignis dieser Tage in den USA: der innerrepublikanische Vorwahlentscheid im Bundesstaat Kentucky. Bevor am Dienstag die Entscheidung zwischen dem seit 2012 amtierenden Kongressabgeordneten Thomas Massie und dem früheren Navy Seal Ed Gallrein fallen sollten, blickten US-Medien auf die symbolträchtige Auseinandersetzung. Die »Vergehen« des libertären Konservativen Massie: Er hat gegen Trumps »Big Beautiful Bill« oder die Finanzierung von Israels Abwehrsystem »Iron Dome« gestimmt, Kritik am Feldzug gegen Iran geäußert und sich auch noch mit einem Demokraten zusammengetan, um die Veröffentlichung der Epstein-Akten zu erzwingen.

»Der Vorwahlkampf der Republikaner um den vierten Kongresswahlkreis dürfte als eine der teuersten, hässlichsten und folgenreichsten Vorwahlen dieses Jahres in Erinnerung bleiben«, schreibt die New York Times. Konkretisiert wird das nicht nur in der renommiertesten US-Zeitung. Der von Trump installierte Kandidat Ed Gallrein habe »Schecks in Höhe von 250.000 bis zu einer Million US-Dollar erhalten«. Die in den USA einflussreichste zionistische Lobbyorganisation AIPAC wird dort allerdings nicht namentlich genannt, sondern als »ein mit hohen Summen ausgestattetes politisches Aktionskomitee, das von drei Milliardären finanziert wird« umschrieben. John Paulson, Paul Singer und Miriam Adelson seien jedoch nur »durch Herrn Massies Votum gegen Hilfsleistungen für Israel auf den Plan gerufen« worden.

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Der in Washington beheimatete Jewish Insider redet weniger um den heißen Brei herum: »Das wird ein erster Test dafür sein, welche Partei ihre eigenen Probleme mit Antisemitismus wirksamer angeht«, so das Sprachrohr US-amerikanischer Zionisten in gewohnter Gleichsetzung von Antisemitismus mit Kritik an der Politik Israels. Bei CBS, mittlerweile Teil des proisraelischen Paramount-Imperiums der Familie Ellison, lässt man Massie zwar ausführlich seine Positionen darlegen, aber nicht ohne die obligatorische Frage, ob er antisemitisch sei. Die Antwort: »Zur Hölle, nein.«

Das Springer-Blatt Politico wies 32 Millionen US-Dollar Wahlkampfkosten für Trumps Kandidaten aus und richtete den Blick auf weit gedehntes Recht: »Hegseth schaltet sich in den Krieg zwischen Donald Trump und Thomas Massie« ein. »Der jüngste regelwidrige Schritt eines Pentagon-Führungsmitglieds, das versucht hat, Religion in das Ministerium einzuführen, die Rolle von Frauen im Kampfeinsatz zu überprüfen und Diversitätsbemühungen im Militär zu unterbinden.« Hegseth unschuldig: Er habe sich nur in seiner »Eigenschaft als Privatperson« für Gallrein ausgesprochen – in allerletzter Minute vor Ort in Kentucky. Ob damit »das nächste Ziel von Trumps Rachefeldzug« erreicht wird, wie der Businesssender CNBC fragt, bleibt abzuwarten. Die Umfragen sagten ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus. (si)

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Erschienen in der Ausgabe vom 20.05.2026, Seite 2, Ansichten

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