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21.04.2026
- → Feuilleton
Hirnschmelze
Am 26. April 1986, am Sonntag wird es 40 Jahre her sein, ist in Tschernobyl ein Atomreaktor durchgebrannt. Was Bundesbussibär Gorbatschow erst einmal verschwiegen hat. Als die Wolken Cäsium abregneten, wurde in beiden deutschen Staaten abgewiegelt und vertuscht, und die Leute bekamen verstrahltes Gemüse auf den Teller. Außer in der Szenewirtschaft »Palais Schaumburg« im Nürnberger »Türkenviertel« Gostenhof (aka Gostambul). Am Samstag war das AKW havariert, bekannt wurde es am Montag, und am Mittwoch abend zechte ich im »Balläh« und verlangte ein Käseschinkenbaguette. Als ich es bekam, schaute ich betroffen auf das Salatblatt, das darin steckte. »Des basst scho«, beruhigte mich die Genossin aus der Küche, »der Salod is a Wochn ald«. Und in der Fußgängerzone wurde einer verhaftet, weil er mit einem Geigerzähler herumgespielt hatte.
Mehr Erinnerungen zum An-den-Kopf-Langen bringen zwei Features in dieser Woche, die für Nachgeborene ungeahnt irre Geschichten bereithalten dürften: »Die Kommunikationskatastrophe von Tschernobyl« von Noemi Schneider (Mi., 19.30 Uhr, DLF Kultur) und »Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und die Folgen«, darin zu hören viel damaliger Radiooriginalton (Sa., 14.04 Uhr, HR 2 Kultur). Inzwischen ist Atomstrom wieder populär, Tschernobyl und Fukushima zum Trotz, was das ewige Bemühen der Menschheit anzeigt, sich um den Preis der eigenen Vernichtung dumm zu stellen. Aus diesem urmodernen Stoff hat Doris Lessing eine Story gewoben, in der Außerirdische in San Francisco einen »Bericht über die bedrohte Stadt« abfassen (NDR 1981, Sa., 18.05 Uhr, NDR Kultur).
Sonst im Radio: »Die Zusage«, ein Feature über den deutschen Verrat an den afghanischen Flüchtlingen (DLF 2026, Ursendung, Di., 19.15 Uhr). Für »Kaisers Klänge« hat der namensgebende Niels die Töne ausgemessen, die im Kopf des Irren spuken: »Melodien am Abgrund – Wahnsinnsmusik« (Mi., 15.04 Uhr, So., 13.04 Uhr, HR 2 Kultur). Wahnsinnskomponist Sergej Prokofjew würde am 23. April gregorianisch abgezählt etwa 135 Jahre alt werden, NDR Kultur sendet das Porträt »In der Selbstverwirklichung nahtlos konsequent« (Do., 19.04 Uhr).
Hörspiel mit dem aussagekräftigsten Titel der Woche ist »Unsere Fahrräder wiegen nichts und kosten ein Vermögen« von Dominik Busch (BR 2017, Fr., nach 20.03 Uhr, Bayern 2). Auch der Titel »Harper Lee, Truman Capote und der amerikanische Süden« ist schon ein ganzer Roman, Fragmente daraus im Feature von Marc Bädorf und Konstantin Schönfelder (HR 2023, Sa., 12.04 Uhr, WDR 3, So., 18.04 Uhr, HR 2 Kultur). Elisabeth Weilenmann hat eine Liebeserklärung abgeliefert mit dem Stück »Prince – Funky Purple Assoziationen«, gewidmet dem vor zehn Jahren verstummten Prince Rogers Nelson (HR, ORF 2026, Sa., 14 Uhr, Ö 1). Live von der »Jazzahead!« in Bremen werden am Samstag abend Auftritte übertragen, u. a. von Louise Knobil, Langendorf United und dem Sharon Mansur Trio (19.05 Uhr, DLF Kultur).
Am Sonntagnachmittag laufen gleich zwei nagelneue Stücke. In »Bahnsinn« wartet Fritz Eckenga mit einer Sensation auf: Die Deutsche Bahn löst ihre Probleme (WDR 2026, 17.04 Uhr, WDR 5), und mit »Asiawochen« kündigt Yannic Han Biao Federer eine komplizierte Familiengeschichte an (SWR 2026, Ursendung, SWR Kultur). Anfang kommender Woche erzählt Günter Kotte im Feature »Ich stehe keinem mehr gegenüber« vom sowjetischen Schriftsteller Tschingis Aitmatow und gemeinsamen Erlebnissen bei der Kartoffelernte 1963 in Dresden (MDR 2002, Mo., 20.04 Uhr, MDR Kultur).
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
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