junge Welt - 2 Wochen gratis testen!
Gegründet 1947 Dienstag, 21. April 2026, Nr. 92
Die junge Welt wird von 3063 GenossInnen herausgegeben
junge Welt - 2 Wochen gratis testen! junge Welt - 2 Wochen gratis testen!
junge Welt - 2 Wochen gratis testen!

Hirnschmelze

Von Pierre Deason-Tomory
14.jpg
Ein Wahnsinnskomponist: Sergej Prokofjew (27.4.1891–5.3.1953)

Am 26. April 1986, am Sonntag wird es 40 Jahre her sein, ist in Tschernobyl ein Atomreaktor durchgebrannt. Was Bundesbussibär Gorbatschow erst einmal verschwiegen hat. Als die Wolken Cäsium abregneten, wurde in beiden deutschen Staaten abgewiegelt und vertuscht, und die Leute bekamen verstrahltes Gemüse auf den Teller. Außer in der Szenewirtschaft »Palais Schaumburg« im Nürnberger »Türkenviertel« Gostenhof (aka Gostambul). Am Samstag war das AKW havariert, bekannt wurde es am Montag, und am Mittwoch abend zechte ich im »Balläh« und verlangte ein Käseschinkenbaguette. Als ich es bekam, schaute ich betroffen auf das Salatblatt, das darin steckte. »Des basst scho«, beruhigte mich die Genossin aus der Küche, »der Salod is a Wochn ald«. Und in der Fußgängerzone wurde einer verhaftet, weil er mit einem Geigerzähler herumgespielt hatte.

Mehr Erinnerungen zum An-den-Kopf-Langen bringen zwei Features in dieser Woche, die für Nachgeborene ungeahnt irre Geschichten bereithalten dürften: »Die Kommunikationskatastrophe von Tschernobyl« von Noemi Schneider (Mi., 19.30 Uhr, DLF Kultur) und »Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und die Folgen«, darin zu hören viel damaliger Radiooriginalton (Sa., 14.04 Uhr, HR 2 Kultur). Inzwischen ist Atomstrom wieder populär, Tschernobyl und Fukushima zum Trotz, was das ewige Bemühen der Menschheit anzeigt, sich um den Preis der eigenen Vernichtung dumm zu stellen. Aus diesem urmodernen Stoff hat Doris Lessing eine Story gewoben, in der Außerirdische in San Francisco einen »Bericht über die bedrohte Stadt« abfassen (NDR 1981, Sa., 18.05 Uhr, NDR Kultur).

Sonst im Radio: »Die Zusage«, ein Feature über den deutschen Verrat an den afghanischen Flüchtlingen (DLF 2026, Ursendung, Di., 19.15 Uhr). Für »Kaisers Klänge« hat der namensgebende Niels die Töne ausgemessen, die im Kopf des Irren spuken: »Melodien am Abgrund – Wahnsinnsmusik« (Mi., 15.04 Uhr, So., 13.04 Uhr, HR 2 Kultur). Wahnsinnskomponist Sergej Prokofjew würde am 23. April gregorianisch abgezählt etwa 135 Jahre alt werden, NDR Kultur sendet das Porträt »In der Selbstverwirklichung nahtlos konsequent« (Do., 19.04 Uhr).

Hörspiel mit dem aussagekräftigsten Titel der Woche ist »Unsere Fahrräder wiegen nichts und kosten ein Vermögen« von Dominik Busch (BR 2017, Fr., nach 20.03 Uhr, Bayern 2). Auch der Titel »Harper Lee, Truman Capote und der amerikanische Süden« ist schon ein ganzer Roman, Fragmente daraus im Feature von Marc Bädorf und Konstantin Schönfelder (HR 2023, Sa., 12.04 Uhr, WDR 3, So., 18.04 Uhr, HR 2 ­Kultur). Elisabeth Weilenmann hat eine Liebeserklärung abgeliefert mit dem Stück »Prince – Funky Purple Assoziationen«, gewidmet dem vor zehn Jahren verstummten Prince Rogers Nelson (HR, ORF 2026, Sa., 14 Uhr, Ö 1). Live von der »Jazzahead!« in Bremen werden am Samstag abend Auftritte übertragen, u. a. von Louise Knobil, Langendorf United und dem Sharon Mansur Trio (19.05 Uhr, DLF Kultur).

Am Sonntagnachmittag laufen gleich zwei nagelneue Stücke. In ­»Bahnsinn« wartet Fritz Eckenga mit einer Sensation auf: Die Deutsche Bahn löst ihre Probleme (WDR 2026, 17.04 Uhr, WDR 5), und mit »Asiawochen« kündigt Yannic Han Biao Federer eine komplizierte Familiengeschichte an (SWR 2026, Ursendung, SWR Kultur). Anfang kommender Woche erzählt Günter Kotte im Feature »Ich stehe keinem mehr gegenüber« vom sowjetischen Schriftsteller Tschingis Aitmatow und gemeinsamen Erlebnissen bei der Kartoffelernte 1963 in Dresden (MDR 2002, Mo., 20.04 Uhr, MDR Kultur).

Probeabo

Sie lügen wie gedruckt. wir drucken, wie Sie lügen.
Jetzt 2 Wochen gratis lesen – das Probeabo endet automatisch!
 

links & bündig gegen rechte Bünde

Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.

Ähnliche:

  • Ein russischer Soldat bewacht den Zugang zum Atomkraftwerk ­Sapo...
    04.04.2026

    »Wir sind im Zeitalter der Atomenergie«

    Über die Zukunft der Atomenergie 40 Jahre nach dem Tschernobyl-Unglück und die Gefahr für die nukleare Sicherheit durch die aktuellen Kriege. Ein Gespräch mit Yousri Abushady
  • Bagdan freut sich, dass ihm in Kuba geholfen wurde (5.4.2005)
    09.05.2023

    Die Kinder von Tarará

    Super-GAU Tschernobyl: Kuba rettete Tausende Betroffene mit medizinischer Hilfe trotz eigener schwieriger Lage
  • Der ukrainische Präsident Leonid Kutschma (M.) und Fidel Castro ...
    09.05.2023

    Ein Fähnchen im Wind

    Ukraine bis Maidan-Putsch solidarisch mit Kuba verbunden. Kiew folgt nun Washington

Regio:

Mehr aus: Feuilleton