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Der Zweck vons Janze

Foto: IMAGO/GRANGER Historical Picture Archive
Francisco de Goya: »Hexensabbat« (1798)

Das Wiener Freie Radio ­Orange 94.0 kämpft ums Überleben. Nach Angaben des Senders mussten zum 1. April vier der 13 Teilzeitangestellten ihren Job quittieren, die Stunden der übrigen wurden hart gekürzt. Der Kahlschlag war nötig geworden, weil die Stadt Wien ihre Zuschüsse stark reduziert und für die Zukunft ganz gestrichen hat. Auch überall sonst im deutschsprachigen Raum drohen die Freien Radios die zumeist geringen öffentlichen Mittel zu verlieren, in der BRD stehen Zuwendungen an »Links« gerade ganz oben auf der Kill Bill der Kulturkämpfer von AfD und Union. Überraschen muss einen das nicht, und im übrigen ist die Staatsknete ohnehin vergiftet. Und nun?

Die Community-Radios in den USA sind besser gegen Angriffe gewappnet. Trump hat die Unterstützung der Regierung für National Public Radio auf null gesetzt, aber die NPR-Stationen machen weiter. Sie sind auf Staatsgeld nicht unbedingt angewiesen, finanzieren sich durch Sponsoring und Monatsbeiträge der Hörer. Und die bezahlen, obwohl sie dadurch keine Mitspracherechte erwerben. Warum? Weil sie dafür hörbare, anspruchsvolle Programme mit hohem Gebrauchswert bekommen.

Das schafft Hörerbindung, die weit in die Gesellschaft ausstrahlt. Der Haken: Hörbares, anspruchsvolles Radio braucht – wie eine gute Tageszeitung – professionelle Anleitung. Etwas, das die basisdemokratisch gemeinten Strukturen des Freien Radios nicht erlauben. Diesen Widerspruch müssen die Erben der Piraten auflösen, damit sie überleben, ihre Freiheit zurückgewinnen und endlich publizistische Relevanz erreichen. Letzteres, nicht das Plenum, ist ihr Daseinszweck.

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Zum Thema passt das Hörspiel  »absolute zero!« von Klaus Buhlert: In einer Radiostation werden in totaler Freiheit Sendungen gemacht, die das Studio durch ein Kabel verlassen, das abgeschnitten im Graben endet (DLF 2024, Di., 20.05 Uhr, DLF). In den »Dimensionen« geht es am Mittwoch um  »Nachtarbeit« und was die mit einem anstellt (19.05 Uhr, Ö 1). »Jugendliche und Hunde haben keinen Zutritt« in Schorsch Kameruns Erinnerungen an seine sandige Jugend am Timmendorfer Strand (WDR 2024, Do. 22.05 Uhr, DLF Kultur).

Konzertknüller der Woche ist  »Der Schneesturm«, Georgi Swiridows Erzählkonzert zu Puschkins Novelle, aufgenommen im Februar vom Rundfunksinfonieorchester Berlin (Fr., 20.05 Uhr, Radio 3). Einen Knall haben die Protagonisten, die das nächste »Bayerische Feuilleton« bevölkern, sie beschwören »Die Rückkehr der Hexen« (BR 2025, Sa., 8.05 Uhr, So., 12.05 Uhr, Bayern 2). Milo Rau lässt die Landlosen zurückkehren, die vor 30 Jahren in Brasilien massakriert worden sind, in seiner  »Antigone im Amazonas« (WDR 2023, Sa., 12.04 Uhr, So., 15.04 Uhr, WDR 3). Nachwuchskabarettisten haben an fünf Abenden um den »Grazer Kleinkunstvogel 2026« gestritten, »Con­tra« bringt das finale Wettätzen der letzten sechs (Sa., 19.05 Uhr, Ö 1).

Wie bleibt man »Mental gesund in einer digitalen Welt?« Hülfreiche Hinweise hätte IT-Wunderwuzzi Scharief Salem Ahmed in der Reihe »Rauschfrei« (So., 10.30 Uhr,  ­Orange 94.0).  »Der Vorgang« von Catherine Verlaguet erzählt von einem Mädchen, das zwei Probleme hat: den Fötus in ihr und alle um sie herum (SR 2025, So., 17.04 Uhr, SR Kultur). In Patty Kim Hamiltons Stück »Peeling Oranges« sind es alte und junge Koreanerinnen in der Fremde, die Probleme haben. Miteinander. (SWR 2022, So., 18.20 Uhr, SWR Kultur) Schließlich geht am Montagabend der Kommissar um, genauer: Sven Strickers »Sörensen geht aufs Haus« (1/2), um Fall sechs zu lösen (DLF 2026, 22.05 Uhr, DLF Kultur).

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Erschienen in der Ausgabe vom 14.04.2026, Seite 14, Feuilleton

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