Irre
Gras
Welch erlesene Leser hat diese Zeitung! Frau Clasen schreibt mir: »Der Irländer kommt schon bei E. T. A. Hoffmann vor (›Der Elementargeist‹).« Und Herr Kelbel kabelt herüber: »Das Wort ›Irländer‹ ist in der Tat keine Neuschöpfung von Völler. Es findet sich etwa bei Friedrich Engels (s. MEW 442 f. oder MEW 35, 271), und auch der Brockhaus Wahrig von 1981 (Bd. 17, 787) führt es als Synonym für ›Ire‹.«
Ich bin beglückt. Ein erhebliches »Herzmerci« (Horst Tomayer) sei hinausgeflötet. Und wenn das so weitergeht, wird ein kollektiv verfasster Essay für den Merkur fällig: »Irritierend irreguläre Irländer – Eine Korrektur«.
Herr Kelbel fühlt sich durch diese Kolumnen hinreichend beschenkt, Frau Clasen hingegen möge noch ihren Präsentwunsch über die Redaktion an mich richten. Eine Hörspiel-/Feature-CD von mir über Ror Wolf wäre locker drin.
Zum Irrewerden ist indessen, was einem in den schlaflosen Spätabendstunden und Nächten um und in die Ohren fliegt. Tom Bartels (ARD) verweilt einen Augenblick »bei dem sogenannten Match-Momentum« und hat keinen Schimmer, was er damit meint. Dafür röhrt und presst Claudia Neumann (ich – kann – nichts – dafür!) im Rahmen von Kolumbien – Portugal eine Explikation raus, die zwischen Zirkelschluss und Demenz oszilliert: »Die Phasen des Match-Momentums, ham wir uns auch schon dran gewöhnt: geht um Phasen der Aktivität, der Intensivität, der Intensität.« Ein Momentum ist eine Phase, ein in der linearen Zeit gedehnter Zustand oder eine Kette körperlich-geistiger Entitäten? Schickt die mal jemand in eine intensivistische Logikvorlesung?
Den ganzen Torheitsdreck, diese ganze Hirnvergammeltheit toppt im Berichtszusammenhang aber Christoph Kramer: »Manchmal changed ja so ein Tor ein ganzes Momentum.« Jochen Breyer: »Changed?« Kramer: »Ja, mir fällt das deutsche Wort nicht ein.«
Sie delirieren. In ihrer Dauerpräsenz sind sie lückenlos abwesend. Sie sind Sprachroboter, auf die ständig irgendwer mit dem Baseballschläger eindrischt, und sie speien trotzdem Wörter aus. Und aus der Redaktion der Taz heraus verbietet ein basal Bekloppter das Wort »Elfenbeinküste«, weil es ein »Kolonialbegriff« sei, und Bastian Schwein-steiger wird zum Rassisten erwählt, da er die Spielweise der Elfenbeinküste als »wild« und »unorthodox« tituliert (Spiegel: »kolonialrassistische Stereotype«).
Wild und unorthodox? The Who verbieten, den Punk, Jimi Hendrix, Coltrane, den Bebop, van Gogh, Picasso, die Avantgardeliteratur, alles, alles, alles, im Namen des eisernen deutschen Reinheitsgebots. O Goebbels, what have you done?
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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