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Siegestag unter Feuer
Ukraine und Russland beschießen sich wechselseitig
Die von beiden Seiten für unterschiedliche Zeiträume ausgerufenen Waffenruhen im Ukraine-Krieg haben sich als Illusion erwiesen. Nachdem Moskau Kiews Proklamation für Mittwoch und Donnerstag ignoriert hatte, beschoss die Ukraine in der Nacht zum Freitag mehrere russische Industrieanlagen der Treibstoffbranche mit Drohnen. Getroffen wurde insbesondere eine Raffinerie in Jaroslawl, nördlich von Moskau. Präsident Wolodimir Selenskij bezeichnete die Attacke als »Akt der Gerechtigkeit«. Weitere Angriffe trafen Ziele in den Bezirken Perm westlich des Ural und in Rostow am Don.
Bereits am Donnerstag hatte die Ukraine erstmals ein Schiff der russischen Kaspischen Flottille im Hafen von Kaspijsk in Dagestan angegriffen und nach eigenen Angaben beschädigt. Es soll sich um eine Raketenkorvette der »Karakurt«-Klasse gehandelt haben, von der aus »Kinschal«-Marschflugkörper abgefeuert werden können. In russischen Militärblogs wird inzwischen darauf hingewiesen, dass die Ukraine möglicherweise die sich in letzter Zeit häufenden Drohnenangriffe auf Ziele in der russischen Wolga-Ural-Region nicht vom eigenen Territorium aus – von wo sie eine dichtgestaffelte russische Abwehr zu überwinden hätten – starte, sondern mit Rückendeckung aus Aserbaidschan von vorgeblich zivilen Schiffen im Kaspischen Meer aus.
Unterdessen veröffentlichte der frühere russische Präsident und heutige stellvertretende Vorsitzende des Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, einen ausgesprochen scharfen Angriff auf die deutsche Politik. Er warf dem »Nazinachkommen« Friedrich Merz vor, an die revanchistischen Politikkonzepte der 1950er Jahre anzuknüpfen und die Bundesrepublik auf einen neuen Eroberungskrieg gegen Russland vorzubereiten. Die BRD verletze sämtliche Verträge, die im Zusammenhang mit der »zu unserer Schande« geschehenen Übernahme der DDR abgeschlossen worden seien, und stelle damit ihre eigene Rechtsgrundlage in der heutigen Gestalt in Frage. Berlin strebe nach eigener Verfügung über Atomwaffen. Dies werde für Deutschland aber böse enden: mit der völligen Zerstörung. Ein »Unternehmen Barbarossa 2.0« werde Russland nicht zulassen, und ein zweites »Mirakel des Hauses Brandenburg« (gemeint ist der Allianzenwechsel Russlands während des Siebenjährigen Krieges 1756–1763, der Preußen vor der Niederlage rettete) werde es nicht geben. Gleichzeitig räumte Medwedew implizit ein, dass Russland außer der Androhung nuklearer Zerstörung keine Überzeugungsmittel gegenüber der BRD mehr habe. Daher fordert er die europäischen Alliierten Berlins auf, der Regierung Merz und ihren unterstellten Revanchebestrebungen im eigenen Interesse in den Arm zu fallen.
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