-
09.05.2026
- → Inland
Jugend trotzt Einschüchterung
»Nie wieder Krieg!«: Bundesweit 45.000 Schüler auf der Straße gegen Wehrpflicht, Bundeswehr-Werbung und Aufrüstung
Am 8. Mai 1945 kapitulierten die Hitlerfaschisten, Europa lag in Trümmern. Bis weit hinein ins konservative Lager schworen sich die Deutschen damals: »Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!«.
Die Organisatoren der Schulstreikbewegung hatten also ganz bewusst einen geschichtsträchtigen Tag für den dritten bundesweiten Schulstreik gegen die drohende Wehrpflicht gewählt. Am Freitag nahmen sich ihren Angaben zufolge wieder 45.000 Jugendliche in mehr als 150 Städten die Straße, um daran zu erinnern, wohin es die Welt führte, als der deutsche Imperialismus das letzte Mal die »stärkste konventionelle Armee Europas« haben wollte. Die Schüler forderten die Rücknahme des »Wehrdienstmodernisierungsgesetzes«, ein Ende der schleichenden Wiedereinführung der Wehrpflicht sowie einen Stopp von Bundeswehrauftritten an Schulen.
In einer Mitteilung erklärte Hannes Kramer, der Sprecher des bundesweiten Bündnisses: »Heute haben Schülerinnen und Schüler in ganz Deutschland erneut deutlich gemacht: Die Reichen wollen Krieg – die Jugend eine Zukunft. Damit ziehen wir die Schlussfolgerung aus dem Zweiten Weltkrieg. ›Nie wieder Krieg!‹ heißt heute ›Nie wieder Wehrpflicht!‹«
In Berlin waren den Veranstaltern zufolge etwa 9.000 Jugendliche dem Aufruf zum Streik gefolgt. Die Demonstration sammelte sich am Brandenburger Tor und zog von dort den Tiergarten entlang. Beim Vorbeimarsch am Sowjetischen Ehrenmal ertönte ein lautstarkes »Alerta, alerta, Antifascista!«. Auch sonst war die Berliner Demo wieder stark von klassenkämpferischen Parolen geprägt. Die zahlreichen Palästinafahnen zeigten zudem, dass sich viele Jugendliche der Zusammenhänge zwischen internationaler Solidarität, Antiimperialismus und Antimilitarismus durchaus bewusst sind.
Wie schon beim Schulstreik am 5. März war die Polizei wieder mit einem Großaufgebot vor Ort und wieder kam es zu einigen Festnahmen. Nach jW-Informationen wurden bei unterschiedlichen Vorfällen mehrere junge Leute festgenommen, nachdem sie den Provokationen einzelner Zionisten und anderer Faschisten auf den Leim gegangen waren.
Fälle von staatlichen Repressionen wurden auch aus anderen Städten berichtet. So teilten die Streikorganisatoren gegenüber jW mit, dass die Polizei in Essen unter Androhung von Anzeigen gefordert habe, ein Banner mit der Aufschrift »Merz leck Eier« herunterzunehmen. In Münster seien Personalien von Demonstranten aufgenommen worden, die die gleiche Parole riefen. Auch in Wuppertal habe die Staatsmacht mit Strafanzeigen wegen entsprechender Schilder gedroht. In München sei eine Person wegen eines Transparentes mit der Aufschrift »Merz, stirb doch selbst an der Ostfront« festgenommen worden. Die Abschlusskundgebung sei zudem von einer Polizeikette eingeschlossen worden.
Bereits zuvor waren einige der üblichen staatlichen Einschüchterungsversuche bekannt geworden. So berichteten zwei Jugendliche, die Teil der Schulstreikbewegung in Kiel sind, in einem Video auf Instagram von Anquatschversuchen durch Verfassungsschutz und Bundeskriminalamt. Gegenüber der Berliner Zeitung bestätigte einer der beiden, dass er auf dem Schulweg von einem Mann angehalten wurde, der sich als Mitarbeiter des Inlandsgeheimdienstes ausgegeben habe.
Solche Methoden halten die Schüler aber nicht davon ab, weitere Aktionen gegen Aufrüstung und Kriegsvorbereitung zu planen. Der nächste Schritt sei eine Aktionswoche gegen den »Veteranentag« vom 15. bis zum 21. Juni, teilten die Organisatoren mit. Dann werde man die Sommerferien zum Austausch innerhalb der Bewegung nutzen, um im Herbst zum nächsten Streik aufzurufen.
Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!