Quirlige Dreifaltigkeit
Von Gisela Sonnenburg
Drei Klarinetten und sonst nichts – das ergibt einen so seltenen wie originellen Sound. Der Berliner Jazzer Gebhard Ullmann macht’s möglich: Sein Clarinet Trio, also sein Klarinettentrio, gibt am kommenden Dienstag im Rahmen der Reihe »jW geht Jazz« in der Maigalerie der jungen Welt in Berlin-Mitte ein Konzert. Kuratiert werden die dortigen Jazzabende, die stets am ersten Dienstag im Monat stattfinden, von der Jazzkoryphäe Hannes Zerbe. Dessen Piano bleibt dieses Mal aber draußen, denn das Clarinet Trio spielt, wie der Name schon sagt, zu dritt: auf jenen Holzblasinstrumenten, die teilweise nur wenig bekannt sind.
Denn meistens wird, ob in der Klassik oder im Jazz, ein ganz bestimmter Typus von Klarinette eingesetzt: die sogenannte B-Klarinette, die eng mit der sogenannten A-Klarinette verwandt ist. Sie wurden nach ihrem jeweils tiefsten Ton benannt und haben beide eine praktische Flötengröße. Ihre Tonlage ist relativ weit oben angesiedelt, im klaren Sopranbereich. Man kennt das typische Quieken der Klarinette, wenn sie sich besonders wohlfühlt oder auch um Hilfe ruft. Aber: Es gibt eben noch mehr Modelle von Klarinetten, also weitere Mitglieder der Klarinettenfamilie, wie man sie nennt. Und Gebhard Ullmann, Jürgen Kupke und Michael Thieke – die derzeit das Clarinet Trio bilden – beherrschen sie.
So die Alt- und die Bassklarinette, die in den tieferen Tonlagen brillieren, und die jeweils mit ihrem langen Rüssel, der in einen steil emporragenden Schallbecher mündet, für Laien ein wenig nach Saxophon aussehen. Da ist es vielleicht kein Zufall, dass Jürgen Kupke, der dem Stammpublikum von »jW geht Jazz« schon gut bekannt ist, auch das Saxophon spielt. Aber in erster Linie ist er Klarinettist, wie auch Michael Thieke, der schon seit 17 Jahren mit Ullmann musiziert.
Ullmanns Kompositionen sowie Stücke aus den Swinging Sixties, also aus den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, bilden das Gerüst des Konzerts. Wobei die wichtigen Improvisationen vor allem bei den Soli nicht wegzudenken sind. Generell gehört die Impro ja zum Jazz wie das Amen in der Kirche. Dennoch haben große Jazzmusiker wie Duke Ellington und Charles Mingus auch Stücke komponiert, die praktisch ohne Improvisationen auskommen. Und wenn Jazz als fester Bestandteil für Ballettaufführungen komponiert ist, wie die erst im Februar dieses Jahres in der Deutschen Oper Berlin uraufgeführte Musik für »Ein Sommernachtstraum« von Milko Lazar, fällt die Improvisation ohnehin flach. Das wird es aber bei Gebhard Ullmann nicht geben, für ihn ist das Spontane im Konzert wie das Salz in der Suppe.
Die drei von der Klarinette – Gebhard Ullmann, Jürgen Kupke und Michael Thieke – leben übrigens alle trotz ihrer internationalen, auch in Übersee gesammelten Berufserfahrung in Berlin. Thieke zudem auch in Rom, er pendelt zwischen Preußen und Latium. Mediterrane Sinnlichkeit und gute Laune dürfte er gerade im Dezember sozusagen zollfrei nach Deutschland importieren, zumindest für das Konzert. Denn der Stil der drei Klarinettisten ist zwar experimentell und manchmal anstrengend, aber immer auch munter und sensitiv.
Manchmal wirken ihre drei Klangstimmen nachgerade harmonisch, dann wieder so divergent, als würden sich drei verschiedene Charaktere lebhaft über ein Thema unterhalten. Es ergibt sich eine quirlige Dreifaltigkeit. Da schneiden die Töne kraftvoll durch die Luft, versteigen sich in kühne Thesen, blubbern temperamentvoll ihre Statements hervor – und einigen sich dann zügig in wenigen Akkorden. Männerfreundschaft, leichtgemacht.
Gebhard Ullmann, Jürgen Kupke und Michael Thieke spielen als Clarinet Trio am Dienstag, 2. Dezember 2025, um 19.30 Uhr (Einlass ab 19 Uhr) in der Maigalerie der jungen Welt, Torstraße 6, 10119 Berlin. Eintritt: 10 Euro (erm. 5 Euro), Anmeldung erbeten unter: 0 30 / 53 63 55 - 54 oder maigalerie@jungewelt.de
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