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06.05.2026
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Hof, Möckel, Börne
Diese monumentalen Lichtshows bei den Konzerten der Band Rammstein … geschaffen hat sie Gert Hof, einer der größten Lichtkünstler der späten 90er und 2000er Jahre, mit Lichtereignissen über der Akropolis, in Beijing, auf dem Roten Platz in Moskau, an der Berliner Siegessäule, aber auch bei der Wiedereröffnung des Dresdner Hauptbahnhofs. So unterschiedliche Künstler wie Mikis Theodorakis, Reinhold Messner und Leni Riefenstahl drückten ihm ihre Bewunderung aus, und Gottfried Helnwein war es eine Ehre, für Hof Bühnenbilder zu kreieren. Zu Literatur und Theater kam der aus dem sächsischen Taucha stammende Dramaturg als Archivar im Berliner Brecht-Haus. Bald gab es gemeinsame Theaterarbeiten mit Alexander Lang, Frank Castorf und Ursula Karusseit. Hof wurde Spezialist für den sozialkritischen französischen Autor Bernard Marie Koltès, dessen Stücke er in Berlin, Altenburg und Tübingen inszenierte. Musik war prägend für ihn, seit er 1987 in Schwedt das Musical »Paule Panke« mit der Gruppe Pankow zur Uraufführung brachte. Auch Silly, die Einstürzenden Neubauten und die Rainbirds trugen zum Erfolg seiner Inszenierungen bei. Gert Hof starb 2012 mit 60 Jahren. Am 4. Mai wäre er 75 Jahre alt geworden.
Im von deutschen Truppen eingeschlossenen Leningrad hatte Musikprofessor Erwin Johannes Bach seiner kleinen Tochter das Leben gerettet, als Aljonna zweimal Lungenentzündungen erlitt. Lebensrettende Medizin war nur mit großem Aufwand zu bekommen. Kurzerhand opferte Bach seine Goldplomben für Sauerstoff. Aljonna, heute Möckel, wurde gerettet und kann am Sonntag ihren 85. Geburtstag feiern. Sie kam in Moskau zur Welt, weil ihr Vater als Kommunist und Jude 1933 in Deutschland doppelt gefährdet war. Doch der Musikwissenschaftler konnte zwar lehren, unterzeichnete jedoch einen Protestbrief an Stalin, als der Hitler-Stalin-Pakt in Kraft trat, und wurde mehrfach von Moskau ferngehalten, so dass Aljonna schöne Kindheitserinnerungen an Jahre in Taschkent hat. Sie war sechs Jahre alt, als die Familie nach (Ost-)Berlin übersiedeln durfte. Aljonna konnte in Jena Slawistik und Romanistik studieren, heiratete den Romanisten Klaus Möckel, aber ihr gemeinsamer Sohn Dan (jetzt 60) wurde ein Sorgenkind, das weder hören noch sprechen konnte. In dem Buch »Hoffnung für Dan« (1983), das ein Bestseller wurde, schildern die Eltern die Schwierigkeiten und bürokratischen Hürden für ein Kind mit mehrfacher Behinderung. In dieser Zeit entwickelte sich Aljonna Möckel in Heimarbeit zu einer anerkannten Übersetzerin russischer Literatur, vor allem der phantastischen Romane der Brüder Arkadi und Boris Strugazki oder Poemen von Jewgeni Jewtuschenko. Sie ist bis in die jüngste Zeit aktiv, wenn sie auch etwas kürzer treten will.
Eine ausführliche Lebensgeschichte des Schriftstellers Ludwig Börne, der am 6. Mai vor 240 Jahren im jüdischen Ghetto von Frankfurt am Main als Juda Löb geboren wurde, muss hier unterbleiben. Aber immerhin schrieb er viele Sätze, die auch heute gültig sind, etwa: »Nicht gegen den Besitz, nur gegen die Vorrechte der Reichen streitet das Volk.«
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
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