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11.04.2026
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Abgekartetes Spiel in Benin
Der scheidende Präsident Patrice Talon hat bereits im Vorfeld der Wahl am Sonntag für seine Nachfolge gesorgt
Nach zehn Jahren im Amt tritt Patrice Talon als Staatsoberhaupt des westafrikanischen Benin ab. Bei den Präsidentschaftswahlen am Sonntag kandidiert er nicht erneut – die Verfassung lässt keine dritte Amtszeit in Folge zu. Zwar hat Talon den Ruf seines Landes als »Musterdemokratie« der Region – erworben nach dem reibungslosen Umbruch von einem prosowjetischen Modell zu einer bürgerlichen Demokratie im Jahr 1991 – durch die Inhaftierung politischer Gegner nachhaltig ruiniert. Doch anders als in den vergangenen Jahren etwa die Staatschefs von Côte d’Ivoire (Alassane Ouattara) und Guinea (der mittlerweile gestürzte Alpha Condé) verzichtete er darauf, die Verfassung zu frisieren, um doch weitermachen zu können.
Allerdings wählte Talon seinen mutmaßlichen Nachfolger aus, den bisherigen Wirtschafts- und Finanzminister seiner Regierung, Romuald Wadagni. Dieser tritt als Bewerber des Regierungslagers in Gestalt der beiden Parteien UP-R und Bloc Républicain mit geballter Medienunterstützung auf. Nur ein einziger Gegenkandidat, der frühere Kulturminister unter Talons Amtsvorgänger Thomas Yayi Boni und »gemäßigte Oppositionelle« Paul Hounkpè, wurde zugelassen.
Nicht teilnehmen wird hingegen wegen Nichtzulassung ihres Kandidaten – des Anwalts Renauld Vignilé Agbodjo – die wichtigste und aktivste Oppositionspartei, Les Démocrates. Diese entstand 2019 aus einem Teil der seit 2003 existierenden, als »liberal-populistisch« bezeichneten politischen Bewegung der »Forces Cauris pour un Bénin émergent« (FCBE, etwa: »Kräfte der Kaurimuscheln – für ein aufstrebendes Benin«). Sie war von Yayi Boni mitgegründet worden, der auch als evangelikaler Prediger aktiv ist. In seiner Amtszeit als Präsident von 2006 bis 2016 führte er immerhin ein, dass Mädchenbildung und Entbindungen mit Kaiserschnitt kostenfrei sind. Im März dieses Jahres trat er infolge des schlechten Abschneidens seiner Anhänger bei den Parlamentswahlen vom 11. Januar, offiziell jedoch aus Gesundheitsgründen, von allen Parteiämtern zurück. Nun vertritt Hounkpè die FCBE bei der Wahl am Wochenende.
Die abgespaltenen »Demokraten« wählten hingegen ein eher linkes Profil und benutzen Rot als Parteifarbe. Während sie von der Abstimmung ausgeschlossen bleiben, waren zwei ihrer Ehemaligen in deren Vorfeld sehr aktiv – allerdings im Lager des voraussichtlichen Wahlsiegers, zu dem sie übergelaufen sind. Der frühere Vize- sowie Interimsvorsitzende der Oppositionspartei, Eric Houndeté, sowie der vormalige Parteisprecher Guy Mitokpè unterstützten Talons Kandidaten Wadagni im Wahlkampf. Dabei verglich Mitkopè sich selbst mit einer Witwe, die nach dem Verscheiden des Ehemanns verdientermaßen einen neuen Partner gefunden habe – dies sei kein Ehebruch, betonte er, um mit diesem leicht seltsamen Argument an ihn gerichtete Vorwürfe des politischen Verrats zu entkräften.
Einen Schimmer Hoffnung bedeutet wiederum die wahrscheinliche Aussicht, dass nach dem erwarteten Wahlsieg Wadagnis wenigstens die Beziehungen zu dem nördlichen Nachbarland Niger verbessert werden. Beide Staatsführungen schlugen in den vergangenen Jahren unterschiedliche außenpolitische Wege ein: Niger schloss sich nach dem Armeeputsch vom Juli 2023 einem Bündnis mit den benachbarten Republiken Mali und Burkina Faso an. Alle drei gründeten im September desselben Jahres die »Allianz der Sahelstaaten« (AES), wandten sich von der Neokolonialmacht Frankreich ab, Niger später auch von den USA. Hingegen zählte Benin unter dem in den vergangenen zehn Jahren amtierenden Staatsoberhaupt Talon zu den Unterstützern der Rolle Frankreichs in der Region.
Doch aufgrund gekappter Wirtschaftsbeziehungen zu Niger, das als Binnenstaat die Häfen am Golf von Guinea für seine Rohstoffexporte sowie Warenzufuhr nutzt, liegen die Aktivitäten in Benins Meereshäfen zum Teil darnieder. Wadagni verspricht einen »Dialog«, was er mit der notwendigen gemeinsamen Bekämpfung der dschihadistischen Gefahr durch die Länder der Region begründet. Ansonsten stellt der 49jährige, der in der Vergangenheit in Frankreich und in den USA – konkret in Grenoble sowie Boston – zum Finanzexperten ausgebildet wurde, vor allem eine Kontinuität zu den Regierungen unter Talon und ihrer außenpolitischen Orientierung zugunsten der westlichen Großmächte in Aussicht.
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