Umsteiger des Tages: Julian Röpcke
Von Reinhard Lauterbach
Am Gehalt eines »Leitenden Redakteurs Sicherheitspolitik« beim Axel-Springer-Verlag wird es kaum gelegen haben, dass sich der ständige Ukraine-Berichterstatter der Vier-Buchstaben-Zeitung beruflich verändern will. Julian Röpcke hat Gerüchte bestätigt, die in der Branche umliefen: Zum Jahreswechsel werde er bei einem »deutsch-ukrainischen Drohnenbauer, der seit 2023 operiert und zu den größten Lieferanten für die Ukraine gehört«, anheuern. Da wird er sich etwas umstellen müssen: Die Gerüchte über seinen Berufswechsel hat er höchstwahrscheinlich selbst in die Welt gesetzt, nachdem er die Informationspolitik seines künftigen Arbeitgebers als »aus Sicherheitsgründen äußerst zurückhaltend« beschrieben hatte.
Es sei denn, Röpckes Coming-out ist Teil eines umfassenderen Coming-outs der ganzen deutsch-ukrainischen Rüstungskooperation. Röpcke hat selbst an seiner bisherigen journalistischen Front an dieser medialen Mobilisierung mitgewirkt. Schon vor Jahren meinte er, den Tod russischer Soldaten als ihre »Verarbeitung zu Dünger« darstellen zu müssen, und seine Tiraden darüber, dass er »das Drecksregime in Blut und Asche untergehen« sehen wolle, sind auch noch nicht lange her.
Freilich: bloß wollen reicht nicht. Das »Drecksregime« hat ihm den Gefallen bisher nicht getan, in Blut und Asche unterzugehen. Das tut eher die Ukraine, auf deren Seite der Front sich Röpcke jahrelang aufgehalten und dort, wie es klang, halbwegs realistisch die militärischen Fortschritte der russischen Armee in der Ukraine auch gegen offizielle Schönfärberei aus Kiew dokumentiert hat. Was er an seiner neuen Arbeitsstelle konkret machen soll, weiß man nicht. Vielleicht einfach mal richtig Kohle machen. Meldungen über Korruption und Unterschlagung in der Drohnenbranche sind in der Ukraine Alltag. Warum soll da nicht auch für einen deutschen Kriegshetzer etwas abfallen?
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