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Watsche für Musterschüler

Foto: Michael Kappeler/dpa

Im September 1973 wurden BRD und DDR gleichzeitig in die UNO aufgenommen. Die Bundesrepublik war erstmals 1977 und 1978 nichtständiges Mitglied des UN-­Sicherheitsrats, die DDR 1980 und 1981. Das wird nicht mitgezählt, wenn es heißt, Deutschland sei bisher sechsmal dort vertreten gewesen und am Mittwoch im siebten Anlauf gescheitert. Im Auswärtigen Amt hat es die DDR nie gegeben – nach deren Anschluss ein Markenzeichen der deutschen Außenpolitik. Solch Umgang mit Geschichte und mit einst engen Partnern der DDR mag u. a. zur Niederlage beigetragen haben. International fand das Ganze aber außerhalb Westeuropas ohnehin wenig Aufmerksamkeit.

Genugtuung über die »brutale Klatsche« (Kronenzeitung, Wien) spricht aus starken Formulierungen einiger Medien. Corriere della Sera (Mailand): »schallende Ohrfeige«. Neue Zürcher Zeitung: »herber Rückschlag«, sowie: »Ganz offensichtlich verfügt das Land international nicht über die nötige Strahlkraft, die für die angestrebte Führungsrolle vonnöten wäre.« Die Presse (Wien): »herbe Blamage«. Le Monde (Paris): »beispielloser Rückschlag«. Le Figaro (Paris): »bittere Niederlage«. The Times (London): »historische Niederlage«. New York Times: keine Silbe. Financial Times: dito.

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Einige Zeitungen spekulieren über Hintergründe, so zum Beispiel der Züricher Tagesanzeiger: »Die Niederlage auf dem internationalen diplomatischen Parkett zeigt, dass viele Länder deutsche außenpolitische Positionen kritisch sehen. Berlin verurteilt den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine als völkerrechtswidrig, nicht aber den Angriff der USA und Israels auf den Iran. (…) Vor allem im globalen Süden stößt Deutschlands Nahostpolitik auf Unverständnis. Berlin hat die Netanjahu-Regierung teilweise kritisiert, steht aber fest an Israels Seite – obwohl die israelische Regierung marodierende Siedler gewähren lässt, die Todesstrafe einführt, die faktisch fast nur für Palästinenser gilt, und im Gazakrieg nach dem 7. Oktober jedes Maß verloren hat.«

Einige deutsche Medien sind unverdrossen und raten »Weiter so!«, andere erklären den UN-Sicherheitsrat zu einer sauren Traube. Die Taz witzelt: »Die Niederlage ist ein Rückschlag, heißt aber nicht, dass Deutschlands Ruf in der Welt nun allein an der DFB-Elf hängt.« Der Bremer Weserkurier doziert: »Es ist fraglich, welche Bedeutung der Sicherheitsrat heute noch hat.« Faz.net stimmt dem zu, erinnert aber den »völkerrechtlichen Musterschüler«: »Hierzulande ist weitgehend vergessen, dass die Bundeswehr im Kosovo ohne UN-Mandat in ihren ersten Krieg zog. Nicht legal, aber legitim, nannte man das damals. Na ja, es war eben Interessenpolitik.« (as)

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Erschienen in der Ausgabe vom 05.06.2026, Seite 2, Ansichten

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