Monopolgut des Tages: Pistazie
Von Luca von Ludwig
Die Lieferkettenzusammenhänge auf der Welt zu entwirren, ist zuweilen eine harte Nuss. Dass die globale Erdöl- und Erdgasversorgung durch den Iran-Krieg empfindlich gestört wird, das hatten die meisten wohl auf dem Zettel. Aber es gibt auch noch offensichtlich viel wichtigere Produkte, die nun knapp werden: Pistazien. Davon produziert Iran etwa ein Fünftel der globalen Erntemenge. Aktuell bezahlt man für die begehrte Nuss, die keine Nuss ist, bis zu 25 Prozent mehr als vor Kriegsbeginn, wusste die FAZ am Donnerstag zu berichten. Schlechte Nachrichten für die Fans von Dubai-Schokolade und derlei Scheußlichkeiten – was im Umkehrschluss natürlich gut für das kulinarische Gesamtniveau ist.
Könnte man sich jetzt einfach über nun zum Hungertod verdammte Influencer lustig machen, es wäre alles im pistaziengrünen Bereich. Doch um die hartschalige Steinfrucht drehen sich handfeste Kapitalinteressen. Nach der iranischen Revolution stieg Kalifornien zur wichtigsten Anbauregion auf, und die US-Bourgeoisie wird ihre Vormachtstellung mit allen Mitteln verteidigen. Laut den Machern des Dokufilms »Pistachio Wars« haben so auch die Eigentümer des größten Pistazienkonzerns Wonderful, Stewart und Lynda Resnick, über die Jahre jede Menge Geld an Thinktanks gegeben, die für einen Krieg gegen den Iran argumentieren.
Wie Aschenbrödels Haselnüsse erfüllen wohl auch kalifornische Pistazien Wünsche. Die Resnicks dürfen sich auf jede Menge Extraprofit freuen: Nicht nur stehen gerade ohnehin keine relevanten iranischen Exporte zu befürchten, auch hat das US-Militär Medienberichten zufolge sogar Pistazienlagerhäuser im Land bombardiert.
Kurz sah es so aus, als ob Teheran mit der Blockade der Straße von Hormus den Petrodollar endgültig hätte beerdigen können. Womit die Welt nicht rechnen konnte, war der blutig durchgesetzte Pistachio-Dollar.
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