Addio Amore
Ein Mann stiftet Einheit, indem er spaltet. Wer ein übergreifendes Medienthema sucht, am dem sich alle im Grunde täglich abarbeiten, stellt fest: Ein bisschen Trump findet sich in den Kommentarspalten der Zeitungen noch immer. Defekte in der Haltung und die Stellung des Mannes beziehungsweise seines Amtes in der Welt erklären die Besessenheit, sich an Donald Trump, was auch immer er schon wieder angestellt hat, und dessen Dachschaden abzuarbeiten. Aktuell beschäftigt Medien das Ende der Freundschaft zwischen Donald und Giorgia.
Denn die italienische Regierungschefin hat sich für einen anderen entschieden: »Trump oder Leo XIV.? Die Römerin Giorgia Meloni musste nicht lange überlegen, auf wessen Seite sie stehen will: auf der des Papstes«, schreibt die FAZ. Warum wählt sie so? Ganz einfach: »Sie weiß, was sie der italienischen Staatsräson schuldig ist.«
Zu solch grundsätzlicher Haltung in einem katholischen Land gesellt sich eine akute Opportunitätserwägung. »Die Nähe zur MAGA-Welt zahlte sich nicht mehr aus, wie sich beim Referendum (über eine Justizreform) und der Ungarn-Wahl gezeigt hat. Ihr«, also Melonis, »Balanceakt konnte die Erzählung von der Verteidigung des nationalen Interesses nicht mehr tragen«, erklärt La Stampa aus Turin.
Vorbei also die »politische Romanze zweier Populisten«, doch beim Handelsblatt weiß man: »Die Entfremdung zwischen Trump und Meloni ist kein isoliertes Ereignis, sie ist Teil eines Trends, der sich mit dem Iran-Krieg beschleunigt hat. Europas Rechte geht auf Distanz zur Regierung in Washington.« Aber wieso denn bloß? Populisten haben, analysiert mit feinem Gespür das Düsseldorfer Wirtschaftsblatt, für Stimmungsumschwung »ein feines Gespür«. Trump kommt unter Wählern der EU-Staaten einfach nicht mehr an.
Gelinde gesagt. Die Schweizer NZZ schlussfolgert nämlich ähnlich, aber im Ton deutlicher: »Trump wirkt in Europa inzwischen auf viele Wähler toxisch. Darum gehen auch seine rechtsnationalen Gesinnungsgenossen auf Distanz.«
Doch der Realitätssinn ist den Trump-Auguren noch nicht komplett ausgetrieben: »Italien und Europa müssen mit ihm noch eine Weile auskommen« (FAZ). »Zu voll sollten die Europäer den Mund allerdings nicht nehmen. Sie könnten gezwungen sein, bald wieder leisere Töne anzuschlagen. Denn an den realpolitischen Abhängigkeiten hat das neue Selbstbewusstsein nichts geändert« (NZZ).
Für Medien sind das indessen gute Nachrichten. Sie können noch fast drei weitere Jahre Tag für Tag an der MAGA-Mülltonne schnuppern. (brat)
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