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»Unblock Cuba!«

Nächster Halt: Kuba?

Trump soll Erstellung von Plänen für Militäroperation gegen Havanna angeordnet haben. Moskau kündigt trotz US-Blockade nächste Öllieferung an

Von David Siegmund-Schultze
Foto: Ricardo Arduengo/REUTERS
Trump scheint es nicht bei wirtschaftlichen Zwangsmaßnahmen belassen zu wollen und bringt sein Militär in Stellung

Auf die Drohgebärden Washingtons gegen Kuba scheinen nun konkrete Vorbereitungen für eine militärische Operation zu folgen. US-Präsident Donald Trump soll dem Pentagon vor wenigen Tagen eine Anweisung erteilt haben, entsprechende Pläne anzufertigen, wie USA Today am Mittwoch (Ortszeit) berichtete. Die Zeitung beruft sich auf zwei anonyme Quellen aus dem US-Verteidigungsministerium, die mit der Anordnung vertraut sein sollen. Erst am Montag hatte Trump zum wiederholten Mal der sozialistischen Inselrepublik gedroht: »Vielleicht werden wir in Kuba vorbeischauen, wenn wir hiermit fertig sind« – gemeint war der US-israelische Angriffskrieg gegen Iran. Trump erwarte, »die Ehre zu haben, Kuba zu nehmen« – er könne mit dem Land alles machen, was er wolle, tönte der US-Präsident wenige Wochen zuvor.

Darüber, dass den Worten Taten folgen können, war sich die Regierung in Havanna auch schon vor dem Bericht von USA Today bewusst: Wenn die Vereinigten Staaten die Insel angreifen sollten, »wird es einen Kampf geben, und wir werden uns verteidigen, und wenn wir sterben müssen, werden wir sterben«, zitierte der US-Sender NBC News Kubas Präsidenten Miguel Díaz-Canel am Sonntag. Gleichzeitig zeigt sich Havanna weiter offen für Verhandlungen mit Washington. Man sei immer bereit gewesen, diplomatische Lösungen mit den USA zu suchen, betonte Vizeaußenministerin Anayansi Rodríguez Camejo im Gespräch mit junge Welt am Donnerstag in Berlin. Sie sprach von »zahlreichen gemeinsamen Interessen« mit Washington, etwa bei der Bekämpfung von Drogenhandel und Terrorismus. Die Gespräche befänden sich jedoch erst »in einem frühen Stadium«, sagte Camejo.

Es stellt sich die Frage, auf welcher Basis Verhandlungen stattfinden sollen. Denn für die USA zählt Kuba offiziell zu den »terrorunterstützenden Staaten«. Trumps Ziel ist, die Souveränität der sozialistischen Republik zu brechen, was für Havanna selbstredend nicht zur Disposition steht. Und dass die jüngsten Verhandlungen der USA mit Iran und Venezuela lediglich der Vorbereitung militärischer Aggressionen dienten, wird der Regierung von Díaz-Canel nicht entgangen sein.

Moskau hat derweil angekündigt, trotz der US-Energieblockade erneut Öl nach Kuba zu liefern. Das sagte Außenminister Sergeij Lawrow am Mittwoch am Rande eines Besuchs in China. Ende März erreichte der seit dem 9. Januar erste und einzige Tanker mit dem auf der Insel so dringend benötigten Rohstoff den Hafen von Matanzas. Trump hatte die Lieferung genehmigt, vorgeblich aus »humanitären« Gründen – ein Motiv, das man der US-Regierung nur schwer abkauft. Ob Washington weiteren Lieferungen zustimmen wird, ist unklar.

Die Ölimporte stellen ohnehin nur eine leichte Entlastung, aber keine strukturelle Lösung dar. Infolge der Energieknappheit »warten fast hunderttausend Patienten auf Operationen – etwa 11.000 davon sind Kinder«, sagte Camejo gegenüber jW. Um die Versorgung der Menschen im Land zu gewährleisten, setze Havanna auf einen Ausbau seiner Energieunabhängigkeit, so die Vizeaußenministerin. Der Anteil des inländisch produzierten Öls am Gesamtverbrauch sei auf 46 Prozent gestiegen und zehn Prozent des Stromverbrauchs seien 2025 bereits von erneuerbaren Energieträgern gedeckt worden – ein Anstieg um sieben Prozentpunkte innerhalb eines Jahrs, erklärte Camejo. Nicht eindeutig ist, wieviel davon auf tatsächliche Fortschritte und wieviel auf einen krisenbedingt gesunkenen Verbrauch zurückzuführen ist.

junge Welt

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Erschienen in der Ausgabe vom 17.04.2026, Seite 1, Titel

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→Leserbriefe
  • Reinhold Schramm aus Berlin 19. Apr. 2026 um 19:21 Uhr
    Wir sollten uns stets an der Wirklichkeit und nicht am (idealistischen) Wunschdenken orientieren. Die »internationale Völkergemeinschaft« steht unter der Kontrolle der regionalen, nationalen und internationalen Administrationen und Kollaborateure des nationalen und internationalen Kapitals; insbesondere im Macht- und Herrschaftsinteresse der jeweiligen Oligarchen und Bourgeoisien, sowie der internationalen Finanz- und Monopolbourgeoisie. Eine vom privaten Eigentums- und Kapitalinteresse unabhängige sozialrevolutionäre Bewusstseinslage der werktätigen Bevölkerung, vor allem der historischen Arbeiterklasse in den ökonomisch am stärksten entwickelten Weltregionen und einstigen Nationalstaaten, existiert heute nicht. Alle bisherigen sozialrevolutionären und nationalrevolutionären Befreiungsbewegungen wurden von den führenden imperialistischen Monopolstaaten und deren ökonomischen, ideologischen und militärischen Bündnissen liquidiert. Zumeist durch Kriege im Bündnis mit den feudalen Stammesführungen, den heimischen Oligarchien und feudal-religiösen Glaubensgemeinschaften erfolgreich beseitigt. Die weitere Entwicklung der ökonomischen und nationalen Existenz Kubas wird auch uns Gegnern des Kapitalismus und Kapitalfaschismus aufzeigen, inwieweit die ideologische mediale Gehirnwäsche des nordamerikanischen Kapitalfaschismus auf die kubanische Bevölkerung und primär auf die Jugend einwirkte. Zumal weltweit auch alle nationalrevolutionären und sozialökonomischen Bestrebungen vorgeblich revolutionärer Parteien und Organisationen bisher gescheitert sind am äußeren Widerstand der imperialistischen Staaten und am Opportunismus der Mehrheit in ihren postbürgerlichen und letztlich antikommunistischen Parteien.
  • Frank Lukaszewski aus Oberhausen 17. Apr. 2026 um 13:34 Uhr
    Cuba: Trump verärgert – plant er jetzt die Entführung von Fidel Castros Grab?
  • Onlineabonnent*in Andreas E. aus Schönefeld 17. Apr. 2026 um 05:32 Uhr
    Exakt vor 65 Jahren überfielen exilkubanische Paramilitärs mit Unterstützung der CIA die Republik Kuba in der Schweinebucht. Was daraus wurde, wissen diejenigen, die sich mit der Geschichte auskennen. Die letzten Wochen und Monate zeigten, dass Kuba nicht alleine steht. Hilfe aus Mexiko, aus Russland, aus China und auch private Initiativen aus europäischen Staaten zeigen eines – Kuba ist nicht allein. Dieser Aggressor aus dem Norden, der diese kleine Insel mit seinem friedlichen Volk seit der siegreichen Revolution von 1959 mit Hass und Terror überzieht, will nun zum Großangriff übergehen. Wann setzt endlich jemand die USA auf die Liste von Terrorstaaten? Die US-Administration, die ganz Lateinamerika als ihren Hinterhof betrachtet, terrorisiert unter fadenscheinigen Vorwänden schon seit Jahrzehnten die ganze Region. 1954 Guatemala, 1973 Chile, 1983 Grenada, 1989 Panama, 2026 Venezuela, in den 1980ern die US-unterstützten Contras in Nicaragua. Wann stoppt die internationale Völkergemeinschaft endlich diesen kriegsbesoffenen Machthaber in Washington? An Kuba wird er sich hoffentlich die Zähne ausbeißen – hier stehen große Teile der Bevölkerung im wahrsten Sinne des Wortes Gewehr bei Fuß, um diesen »Herrenmenschen« den Empfang zu bereiten, den sie verdienen würden – wenn sie denn kommen … Die schallenden Ohrfeigen, die Trump im Iran bekam, muss er aber vor den Zwischenwahlen im Herbst möglichst vergessen machen – und hier sehe ich das große Risiko für die kubanischen Menschen. Machtkalkül generiert menschenverachtenden Terror.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

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