-
05.06.2026
- → Ausland
Massensterben hinter Gittern
Ecuador: Gefängnisse sind geprägt von Folter, Hunger und Tod
Alle sieben Stunden ist 2025 durchschnittlich ein Gefangener in Ecuador gestorben. Insgesamt 1.220 Menschen. Das berichtete das Rechercheportal Connectas am Dienstag basierend auf Angaben des ecuadorianischen Innenministeriums. Ein Blick auf die Todeszahlen der vergangenen Jahre macht deutlich, dass das massenhafte Sterben hinter Gittern Ergebnis der Militarisierung unter dem ultrarechten Präsidenten Daniel Noboa ist. Während in den 2010er Jahren jährlich unter 100 Menschen starben, waren es 2021 – zum Höhepunkt der eskalierenden Bandenkriege hinter Gittern – 497. Doch die allermeisten der 1.220 Verstorbenen des vergangenen Jahres wurden nicht durch Waffengewalt getötet – in 566 Fällen wurde eine »natürliche«, in 448 eine »unbestimmte« Todesursache angegeben.
Der Hintergrund: Bananenmogul Noboa, dessen Umfeld Recherchen zufolge selbst in den Kokainschmuggel verstrickt ist, hat im Januar 2024 den Drogenbanden den Krieg erklärt. Der Präsident hatte den Ausnahmezustand ausgerufen und das Land militarisiert – inklusive dem Strafvollzug. Menschenrechtsorganisationen berichten über das Verschwindenlassen von Personen sowie Hinrichtungen durch das Militär. Und: Noboa hat die Haftanstalten fluten lassen – auch mit politischen Gefangenen wie dem linken Exvizepräsidenten Jorge Glas oder Aquiles Alvarez, dem oppositionellen Bürgermeister Guayaquils, der größten Stadt Ecuadors. In den Knästen wird gefoltert, es herrscht Hunger, und Krankheiten breiten sich aus, wie die Connectas-Recherche aufzeigt. Demnach seien viele der Toten an Tuberkulose gestorben; in zahlreichen Fällen sei dokumentiert, dass den Erkrankten die medizinische Versorgung verweigert wurde.
Unterdessen arbeitet Washington immer enger mit Quito zusammen. Obwohl sich die Mehrheit der Ecuadorianer im November dagegen entschieden hatte, das US-Militär nach 17 Jahren wieder ins Land zu lassen, überging Noboa das Referendum und die Verfassung einen Monat später. Mittlerweile führen die Armeen beider Länder wieder gemeinsame Operationen aus. So etwa im März, als Landarbeiter aus dem abgelegenen Dorf San Martín einem New York Times-Bericht zufolge inhaftiert und gefoltert wurden. Auch die EU hat jüngst ihre Präsenz in dem Land mit einem Zentrum zur Koordinierung geheimdienstlicher Tätigkeiten im »Kampf gegen transnationale kriminelle Netzwerke« ausgebaut.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 3,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
