Finanzhai des Tages: Pete Hegseth
Von Luca von Ludwig
Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes. So steht es in der Bibel, und auf die legt Pete Hegseth, US-Verteidigungsminister bei Tag, Wolf of Wall Street in der Mittagspause, großen Wert. Wohlgemerkt in der protestantischen Auslegung, weshalb er weiß, dass Gott die Tüchtigen belohnt, das Belohntwerden im Umkehrschluss ein Zeichen für des großen Chefes Gunst ist, man also danach streben muss.
Nun begab es sich, wie die Financial Times am Montag abend kundtat, dass Pete einen seiner Apostel in Brokersgestalt zu sich rief, einen Plan auszuhecken, um die weltlichen Reichtümer einzuheimsen. Das Mittel der Wahl sollte ein Rüstungsfonds sein, in dem sich, neben anderen, die vier apokalyptischen Reiter der US-Waffenindustrie (RTX, Lockheed Martin, Northrop Grumman und Palantir) versammelt hatten. Das war im Februar, also kurze Zeit, bevor die Reiter auf Geheiß des Weißen Hauses gen Iran galoppieren sollten. Da liegt der Verdacht göttlicher Vorsehung – in der entzauberten Welt des Spätkapitalismus »Insiderhandel« genannt – nahe.
Allein, die Wege des Herrn sind unergründlich, und des Kriegsministers Pläne wurden vereitelt, weil der fragliche Fonds bei seiner Brokerage Morgan Stanley nicht zu haben war. Gott ist allerdings auch sehr tot, und statt von der gerechten Strafe der Finanzaufsicht ereilt zu werden, kam dieser Umstand Hegseth sogar noch zugute. Denn obwohl der Fonds im Vorjahr satte 28 Prozent zugelegt hatte, büßte er seit Kriegsbeginn 13 Prozentpunkte ein.
Muss man daraus schließen, dass Hegseth von himmlischer Seite vor seinem Fehler bewahrt wurde? Denn bekanntermaßen sollen ja auch die im Geiste Armen selig sein – von höchster Stelle garantierte Narrenfreiheit, so gesehen. Und was hieße das für die unsichtbare Hand des freien Marktes? Fragen für die Theologen der Nachwelt.
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