Aus Leserbriefen an die Redaktion
»Nicht in unserem Namen«
Zu jW vom 20.3.: »Israel-Fans laufen Sturm«
In junge Welt vom 20. März berichten Sie unter der Überschrift »Israel-Fans laufen Sturm« über die Angriffe verschiedener Organisationen und Personen auf den Beschluss: Die Linke Niedersachsen lehnt den heute real existierenden Zionismus ab. Ich danke Ihnen, dass Sie als einzige der mir bekannten deutschen Medien feststellen: Diese Angriffe beruhen alle auf der Unterstellung, dass, wer den gegenwärtig in Israel herrschenden Zionismus ablehnt, das »Existenzrecht Israels leugnet«. Dabei sagt der Beschluss ganz klar, dass es verschiedene Formen von Zionismus gibt und nur die jetzt herrschende abgelehnt wird, weil diese auf Völkerrechtsverbrechen beruht und gerade dadurch Antisemitismus fördert.
Auch wird mit den Unterstellungen suggeriert, dass die Begriffe »Völkermord« und »Apartheid« antisemitisch sind. Das Umgekehrte ist der Fall. Die Begriffe sind völkerrechtlich korrekt (s. UNO und Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International). Die gegenwärtige Regierung Israels gefährdet die Zukunft Israels und befördert Antisemitismus. Die Öffentlichkeit sollte begrüßen, dass sich wenigstens eine Partei in Deutschland klar auf die Seite des Völkerrechts stellt und sich nicht dem Trend anschließt, sich von der deutschen Vergangenheit dadurch reinzuwaschen, dass die Völkerrechtsverbrechen des Staates Israel heruntergespielt und dadurch angeblich »die Juden« geschützt werden (vgl. Marwecki, Daniel: »Absolution? Israel und die deutsche Staatsräson«, Göttingen 2024). Eine wachsende Zahl von Jüdinnen und Juden, wie z. B. vertreten in »Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost«, sagt inzwischen klar und deutlich: »Nicht in unserem Namen.«
Ulrich Duchrow, Heidelberg
»Weißer Terror«
Zu jW vom 21./22.3.: »Solidarität durchbricht die Blockade«
Um den Beweis zu verhindern, dass ein Leben in sozialer Sicherheit und Gerechtigkeit möglich ist; und wo und wann immer diese sozialistische Idee versucht wird in die Tat umzusetzen, stößt sie auf Widerstand selbsternannter »Patrioten«. Dafür suchen die Entmachteten bei Volksfeinden Hilfe und rufen auch zum militärischen Eingreifen gegen die eigene Bevölkerung auf.
Nach der Oktoberrevolution kämpften US-Amerikaner, Polen, Briten, Franzosen, Japaner und die Tschechoslowakische Legion gegen Sowjetrussland. Der mit ausländischer Hilfe geführte Bürgerkrieg, dieser »weiße Terror«, forderte Millionen Todesopfer. In den 1980er und 1990er Jahren ist es gelungen, in den Volksdemokratien Osteuropas lange vorbereitete Regime-Changes mit Hilfe »opportunistischer Ortskräfte« zu vollenden.
Kuba war umgehend politisch und wirtschaftlich isoliert, hält bis heute, auch dank internationaler Solidarität, dem Revisionismus stand. Die Insel des Sozialismus braucht jede erdenkliche Hilfe gegen den »weißen Terror«. Den weltweiten Sieg des kapitalistischen Ausbeutungssystems unter dem Deckmantel der Befreiung kann nur der proletarische Internationalismus verhindern.
Uwe Joachim, Pasewalk
Chuck Norris Fact Nr. 2.498
Zu jW vom 23.3.: »Das Meme«
Chuck Norris zählt bis unendlich. Aber halt nur zweimal.
Heinrich Hopfmüller, Stadum
»Unsere beste Zeit«
Zu jW vom 20.3.: »En miniature«
Danke für den Artikel von Ronald Weber. Man müsste tatsächlich die alten, verstorbenen Schriftsteller wiederlesen, die man in guter Erinnerung hat – aber eben nicht mehr so genau. Mit den Erfahrungen von heute würde man viel mehr entdecken. Ich verstehe gut, dass sich Klaus Bellin auf die früheren Jahre der DDR konzentrierte. Das war in der Kunst vermutlich unsere beste Zeit, so bis Mitte der 70er Jahre.
Martina Dost, Vierlinden
Der Mann tötet
Zu jW vom 20.3.: »Mit Puppen reden«
Ihre breite Darlegung zu »Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe« hat mir gut gefallen, ich bin aber kein Theaterliterat. Ein Satz, den Hacks der Charlotte in den Mund legt, fiel mir besonders auf: »Der Mann ist der Mensch, der tötet« (115). Warum erwähne ich das? Zur Zeit erleben wir gerade grauenhafte Tötungsorgien der Männer fast überall auf der Welt. Die Frau ist schließlich der Mensch, der Leben hervorbringt, das eine Spermium des Mannes ist vernachlässigbar, führte aber im Verlauf der Menschheitsgeschichte zum allzu gewalttätigen Patriarchat. Das war vermutlich nicht immer so.
Die Feministin Ulli Lust hat mit ihrem grandiosen Buch »Die Frau als Mensch« auf matriarchalische Verhältnisse in der Frühzeit hingewiesen (die jW machte mich auf ihr Buch aufmerksam). Eigentlich sind also die Frauen die Chefinnen auf der Welt, waren es ganz früher auch, aber Religionen, zumindest die des alten und neuen Testaments, begründeten die Herrschaft des Mannes. »Die Frau sei dem Manne untertan«, das lernte ich noch in der Schule (ist gut 70 Jahre her). Bei Matthäus findet sich gleich im ersten Kapitel der Stammbaum des Jesus: Es ist nur von Männern die Rede. »Von Abraham stammte Isaak, von Isaak stammte Jakob« usw. bis schließlich nach 42 Generationen »von Jakob stammte Joseph, der Mann Marias, von der geboren wurde Jesus«. Eine Frau kommt also als Mutter Gottes vor, aber von einem folgenden Feminismus keine Spur, die Kirche kannte nur Pfarrer, Bischöfe, Päpste. Bei den Katholiken ist das bis heute so, mit dem Islam kenne ich mich zuwenig aus.
Anhand dieses Jesus-Stammbaums könnte man den bösen Zynismus des Peter Köhler (»Die Frau ist der Zwischenwirt für die nächste Generation«, aus dem »Nachlass« des Ambrose Bierce) für berechtigt halten. Ja, Peter Hacks war ein Großer, die »vorzeitige Ejakulation Goethes« dürfte eher eine lachhafte Nebenbemerkung sein. Wie war das dann bei Charlotte? »Kam« sie zu früh oder zu spät? Fragen Sie doch mal einen Psychoanalytiker!
Emmo Frey, Dachau
Chuck Norris zählt bis unendlich. Aber halt nur zweimal.
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