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Aus Leserbriefen an die Redaktion

Foto: ZUMA Press/imago/Montage jW

Gefährlich

→ Zu jW vom 25./26.4.: »Eine Welt voller Zeitbomben«

Wir leben im Atomzeitalter nur, weil uns die Altlasten immer noch bedrücken. Der Beitrag von Wolfgang Pomrehn ist sehr informativ und zeigt, dass keine »funktionierenden Kraftwerke weggebombt«, sondern dass Methusalemreaktoren mit 50 Jahre alter Sicherheitstechnik zurückgebaut wurden. Die Abschaltung der deutschen Kernreaktoren war wahrscheinlich politisch die größte demokratische Leistung der Nachkriegszeit, nach einigem Hin und Her, es kam von der Bevölkerung. Mit der aktuellen Militarisierung kommt auch die Kernenergie wieder aus der Deckung. Die deutsche Atombombe geht nicht ohne Kerntechnik. Die Chinesen haben zwar als Land die meisten Reaktoren in Bau und Planung. Es handelt sich allerdings um das bevölkerungsreichste Land der Erde, das immer noch 60 Prozent seiner Energie über Kohlekraftwerke generiert. Das größte Wachstum haben aber die Erneuerbaren mit einem aktuellen Anteil von 40 Prozent. Die Kernenergie hat lediglich einen Anteil von fünf Prozent, daher ist die Behauptung einer Renaissance von deutscher Seite pure Propaganda. China ist weltweit führend bei erneuerbaren Energien und wird diesen Kurs fortsetzen. Ich war selbst in mehreren Forschungsreaktoren als Kernphysiker tätig. Kernenergie ist eine sehr komplizierte und gefährliche Art, um Wasser heißzumachen. Da gibt es mittlerweile Alternativen.

Wolfgang Doster, Erding

Klar

→ Zu jW vom 28.4.: »Was bringt der Stadt dieses neue Drohnenzentrum?«

Danke an Dominik Mikhalkevich, den ich sehr gut kenne, und an Marc Bebenroth für dieses sehr klare Interview. Brandenburg als Bundesland wird durch solche Projekte wie hier, wie in Holzdorf oder heute gestartet in Oehna zur Zielscheibe. Und das kann und darf nicht im Interesse der Brandenburger Bürger sein. Nachhaltige Industrie mit gutbezahlten und damit auch dem Landeshaushalt zugute kommenden Arbeitsplätzen ist wichtiger als Rüstungsindustrie. Brandenburg muss gemäß seiner Landesverfassung weiterhin ein Land des Friedens sein! Aber auch die im Juni kommende Internationale Luftfahrtausstellung (ILA) wird sich in das Kriegsgeschrei einreihen. Mehr als 90 Prozent der derzeit veröffentlichten Aussteller kommen aus der Rüstungsbranche. Neben dem Krach und der Umweltverschmutzung wollen wir uns gegen die weiter eskalierende Militarisierung wenden. Krieg ist kein Volksfest! Wir laden alle ein, die sich dagegen wehren wollen, an unseren Protesten teilzunehmen. Ihr hört in Kürze von uns. Friedenskämpferische Grüße!

Andreas Eichner, Schönefeld

Abstoßend

→ Zu jW vom 23.4.: »Der totale Wahnsinn«

Dem einleitenden Satz »Zum Kotzen, einfach nur zum Kotzen« des Artikels kann ich nur zustimmen. Mein Mann und ich haben damals an einer Demo zum Erhalt des Palastes teilgenommen, aber da war uns schon klar: Wir paar Hansels werden ihn nicht retten. Der Wertewesten »konnte nicht aufhören zu siegen« (Gregor Gysis Worte), und er kann es bis heute nicht. Nun soll es dem SEZ an den Kragen gehen, nachdem man es jahrzehntelang hat verkommen lassen. Jedenfalls danke, Burga Kalinowski, für diesen guten Artikel, den ich aufbewahren werde.

In Anlehnung an den obigen drastischen Ausdruck und eingedenk der Worte Goethes »Auf groben Klotz ein grober Keil« traue ich mich jetzt einfach mal zu sagen: Zum Kotzen finde ich auch das Lächeln des Heiligen Wolodimir und das der ihn umgebenden Kriegstreiber auf dem Foto von Seite 9 der jW vom 24. April. Welche Freude in den Gesichtern über das in Händen gehaltene Mordwerkzeug. Das sehen zu müssen ist einfach nur abstoßend!

Margitta Mattner, per E-Mail

Bedroht

→ Zu jW vom 28.4.: »Volles Rohr«

Die Analyse der weltweiten Rüstungsausgaben 2025 des Stockholmer Friedensforschungsinstitutes zeigt, wer sich bedroht fühlen muss. Allein die europäischen NATO-Staaten investierten 476 Milliarden Euro in ihre Rüstung. Mehr als dreimal soviel wie Russland mit 155 Milliarden Euro. Seit mehr als 100 Jahren wird Russland bedroht. Eine Allianz europäischer Staaten, angeführt von England und Frankreich, wollte damals die Oktoberrevolution revidieren. Für ihre Besitz- und Machteliten war es der Super-GAU, dass sich ein Volk seiner Unterdrücker und Ausbeuter entledigte. Das durfte nicht Schule machen. Mehr als zehn Jahre später wiesen England und Frankreich das Angebot einer Antihitlerkoalition mit der Sowjetunion zurück. In der Hoffnung, ihre Probleme mit Hitler und Stalin würden sich in dem zu erwartenden Krieg von selbst erledigen. Fünf Jahre darauf verschoben die westlichen Alliierten die Stalin für 1942 versprochene Invasion in der Normandie um zwei Jahre. Wieder in der Hoffnung, Deutschland und die Sowjetunion würden sich in dem mörderischen Krieg zu Tode erschöpfen. Erst als die Rote Armee schneller als erwartet vorankam, Teile Westeuropas zu besetzen drohte, begannen sie mit der Invasion.

Im 17. Juni 1953 in der DDR, im Aufstand in Ungarn 1956 und in den Reformbemühungen 1968 in der Tschechoslowakei sahen die Sowjets – nach den Erfahrungen ihrer Geschichte – die Bedrohung ihres Macht- und Sicherheitsbereiches. Nach dem Ende des Kalten Krieges erschien die Hoffnung auf eine friedliche Welt realistisch. Der Osten löste den Warschauer Pakt auf. Angebote Russlands für eine umfassende wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Europa scheiterten jedoch am Veto der USA. Angesichts eines wirtschaftlich starken und entsprechend politisch selbstbewussten Europas fürchteten die USA um ihre Hegemonie. Statt dessen rückte die erweiterte NATO unter ihrer Führung bis an die Grenzen Russlands vor, wurden der Maidan-Putsch inszeniert, die Minsk-Abkommen sabotiert, der Ukraine-Krieg provoziert. In Anbetracht der Geschichte und der aktuellen militärischen und wirtschaftlichen Kräfteverhältnisse geht die Kriegsgefahr nicht von Russland, sondern von den Kriegsprofiteuren im Westen aus.

Christian Helms, Dresden

»Mit der aktuellen Militarisierung kommt auch die Kernenergie wieder aus der Deckung. Die deutsche Atombombe geht nicht ohne Kerntechnik.«

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Erschienen in der Ausgabe vom 04.05.2026, Seite 14, Leserbriefe

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