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Nachruf

Das Meme

Zum Tod des Schauspielers Chuck Norris

Foto: IMAGO
Supermaskulin mit Lehrervollbart: Texas Ranger Chuck Norris

Freitag, der 20. März, Chuck Norris ist tot, und ich sitze in der Maschine nach London Luton Airport, denn ich bin geizig, ein Idiot, viel zu weit draußen. Habe ich mit einem Staatsbegräbnis gerechnet? Hier, im Herzen des Empire? Natürlich nicht. Habe ich Urlaub und soll trotzdem noch in letzter Minute diesen Nachruf schreiben? Es ist wahr. Wenige Amis waren so amerikanisch wie Chuck Norris, der auf der Leinwand seine Heimat gegen eine Invasion von Guerillas unter sowjetischer Führung verteidigt hat (»Invasion U. S. A.«, 1985). Zu kompensieren hatte der 1940 als Carlos Ray Norris in Oklahoma geborene einiges, hatte ihn Bruce Lee doch 1972 gebrochen (»Die Todeskralle schlägt wieder zu«). Lees Vorgänger, ebenso mit der dämlichen Todeskralle im Titel, war trotzdem besser.

Das Œuvre von Norris schwitzt B-Movie-Testosteron, aber es stinkt, nur eben fad. Übermaskuline Actionhelden gaben sich in den Lichtspielhäusern der 80er und frühen 90er Jahre die Klinke in die Hand, manche wurden Kult. Schnelles Geld mit diesem Hype und jenem um Karate zu machen, dazu wurden Norris wie auch Michael Dudikoff und Charles Bronson – die ersten beiden auch Martial Artists – zu den Maskottchen der Cannon-Filmstudios erkoren. Norris stilprägend in »Missing in Action« (1984) und »Delta Force« (1986), denn Vietnam (oder ähnliches) plus Balleraction waren hoch im Kurs, wobei »Magnum« oder sogar der erste »Rambo« noch in die Abgründe posttraumatischen Stresssyndroms zu blicken versuchten.

Vielen mag Norris in Erinnerung bleiben als »Walker, Texas Ranger« – acht Jahre, acht Staffeln, über 200 Folgen, RTL 2 hatte bei der Planung des Abendprogramms ausgesorgt. Unvergesslicher Cameo in der unterschätzten Ben-Stiller-Komödie »Voll auf die Nüsse« (2004): Daumen ging hoch, er wurde Meme. Das Internet hat ihn konserviert und anfänglich davon abgelenkt, dass nicht viel intelligenter als seine Filme auch sein presbyterianisches Faible für »Intelligent Design« war. Er bewunderte Ronny R., publizierte in rechten Medien, kritisierte die Homoehe, witterte eine islamische Unterwanderung; ein Freund der Waffenlobby und Unterstützer Netanjahus. Was mit Memes begann, verwandelte ihn in den ideellen Gesamt-4-Chan-Poster.

Kommen wir zu des Pudels Kern. Der einzige Grund für diesen Nachruf ist eine Auflistung von Chuck-Norris-Witzen: Chuck Norris wurde einmal von einer Kobra gebissen. Nach drei qualvollen Tagen starb die Kobra. Chuck Norris zählt bis unendlich. Zweimal. Wenn Chuck Norris ins Wasser fällt, wird er nicht nass – das Wasser wird Chuck Norris. Wie viele Liegestütze kann Chuck Norris? Alle. Chuck Norris hat nicht den Löffel abgegeben, der Löffel hat Chuck Norris abgegeben.

junge Welt

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Erschienen in der Ausgabe vom 23.03.2026, Seite 10, Feuilleton

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→Leserbriefe
  • Max Muenster aus Osnabrück 28. März 2026 um 07:38 Uhr
    Auch zum Anlass und des vergangenen Seins passend: Chuck Norris hat nicht den Löffel abgegeben, Chuck Norris IST der Löffel
  • Onlineabonnent*in Heinrich H. aus S. 22. März 2026 um 21:26 Uhr
    Chuck Norris zählt bis unendlich. Aber halt nur zweimal.
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