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Aus Leserbriefen an die Redaktion

Foto: ZUMA Press/imago/Montage jW

Kritik der Kritik der Kritik

→ Zu jW vom 27.4.: »Kein blinder Fleck«

Heile Welt in der jungen Welt, endlich eine Debatte! So »äußert sich Hopfmüller« dazu, »dass die zur Herstellung des Produkts erforderliche Arbeit nach dem einmaligen Produzieren auf null sinkt«: Er hat den Artikel »Zur Ware gemacht« als Behauptung gelesen und verstanden, Informationen seien von Anfang an wertlos. Wenn jetzt klargestellt wird, dass »gesellschaftliche Durchschnittsarbeit« zur Produktion von Informationen nötig ist, ist das meiste wieder im Lot. Was ihn aber immer noch brennend interessiert: Wie ist das Verhältnis von Wert, Preis, Gebrauchs- und Tauschwert?

Nach meiner Auffassung steckt der Wert in einer Ware, nachdem sie produziert wurde (die neue Marx-Lektüre behauptet ja, der Wert entstünde in der Zirkulation). Ob ihr Wert auf dem Markt realisiert wird, sie unter Wert oder über Wert verkauft wird (Preis/Tauschwert), steht auf einem anderen Blatt. In diesem Zusammenhang sollte auch »geistiges Eigentum« (die Verwertung von), Patente, Markenrechte etc. diskutiert werden. Weiter mit Erdöl: Wie der Name andeutet, wird Öl von erdölproduzierenden Staaten produziert. Nun wird es nicht handgeschnitzt, sondern mit riesigen Maschinen aus der Erde geholt, transportiert, verarbeitet und wieder transportiert. Wat dat all kost? Gemini nach »Förderkosten Erdöl« fragen! Bei der »Inwertsetzung« (Kommodifizierung) von irgend etwas stellt sich doch die Frage, was haben Wert und Preis der Ware miteinander zu tun? Anderes Thema: Goldpreis und die Spekulation mit Gold. Noch ganz anderes Thema »Care-Arbeit«: Die ist ja nicht wertlos, nur preislos … Ach, gibt es auch noch einen Kostpreis? Da war doch was.

Heinrich Hopfmüller, Stadum

Plädoyer für Bioenergie

→ Zu jW vom 24.4.: »Vollgas im Rückwärtsgang«

Schade, einen solchen Artikel in der von mir sehr geschätzten jW lesen zu müssen. Es fällt mir jetzt nicht ein, die aktuelle Regierung zu verteidigen, aber ich verteidige die Bioenergie! Insbesondere Biogas (darauf zielt ja der Artikel in erster Linie, wenn ich das Bild richtig verstehe) kann sehr wohl für eine klimagerechte Mobilität sorgen: sei es als CNG (Pkw) oder LNG (Lkw, Binnenschiffahrt, Landwirtschaft etc.). Gegenwärtig gibt es circa 9.600 Biogasanlagen in Deutschland, von denen circa 310 Anlagen Biogas aufbereiten und circa 160.000 Kubikmeter pro Stunde Biomethan in das öffentliche Gasnetz einspeisen. Gegenwärtig werden weniger als 30 Prozent der tierischen Exkremente (Gülle, Mist) in Biogasanlagen verarbeitet. Aber auch die Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen zur Vergärung in Biogasanlagen kann umweltverträglich verdoppelt werden. Darüber hinaus bieten Stroh und andere naturbelassene Reststoffe und auch Abfälle weitere Potentiale.

Kurz und gut: Seit fast 20 Jahren wird eine unsägliche »Tank-Teller-Diskussion« geführt, die aber auch beim x-ten Wiederholen nicht richtiger wird. Fakt ist: In Italien fahren 4,5 Millionen Fahrzeuge mit CNG, in Deutschland sind es weniger als 70.000. Fakt ist: Auch die Landwirtschaft wird den Feldbau klimaneutral betreiben müssen. Wie soll das gehen ohne Bioenergie? Elektrisch? Dem Autor ist zuzustimmen, dass der Verkehr viel stärker »kollektiviert« werden muss, ich nenne es ÖPNV. Dass der Individualverkehr jedoch gleich ganz abgeschafft werden soll und Unfallopfer durch elektrisch betriebene Fahrzeuge weniger tragisch seien, kann ich nicht teilen.

Lars Klinkmüller, Berlin

Ganz Westeuropa durchzogen

→ Zu jW vom 24.4.: »Drohnenweltmeister braucht Drohnen«

Liegt es nicht auch an den Zulieferungen? Lars Lange sollte sich mal mit den Lieferketten der ukrainischen und ukrainisch-deutschen Waffenproduzenten beschäftigen. Eventuell wird sich dabei zeigen, wie sehr ganz Westeuropa bereits von diesem Aufrüstungsschimmelpilz durchzogen ist, der wohl nach dem ukrainischen, gerade per »90-Milliarden-Euro-Kredit« verhinderten auch den deutschen Staatsbankrott bzw. eine Inflation auslösen wird.

Volker Wirth, Berlin

»Dokumente der Erinnerung«

→ Zu jW vom 23.4.: »Der totale Wahnsinn«

(…) Burga Kalinowski hat ein Hohelied auf die Planer, Erbauer, Betreiber und Gäste des einmaligen Palasts der Republik gesungen. Er wurde erbaut als Mehrzweckgebäude unter Leitung des im VEB Ingenieurhochbau-Kombinats Berlin arbeitenden Kollektivs des stadtbekannten Architekten Heinz Graffunder. Dieses Haus des Volkes hatte einen würdigen Standort, es kündete vom Aufbau eines von Ausbeutung und Kriegen befreiten Volkes, das seine Geschicke in die eigenen Hände genommen und in der Mitte der Hauptstadt sein eigenes Schloss errichtet hatte – an der Stelle des preußischen Hohenzollernschlosses, steinernes Zeugnis der Macht und Verantwortung für Welteroberungskriege der deutschen Imperialisten. Das Schloss wurde gesprengt, und der Bauschutt fand durch Aufarbeitung eine zweckmäßige Verwendung! Die Autorin hätte noch viel, viel mehr über die unterschiedlichsten Erbauer und Gäste des PdR schreiben können, aber darüber könnten die noch lebenden Zeitzeugen ihre Beiträge als Dokumente der Erinnerung verfassen, denn diese könnten, sollten – ja, sie müssten mit den Lügen und Verleumdungen aufräumen, die offensichtlich dazu dienen, die Versäumnisse und die Unfähigkeit zu kaschieren bei der zügigen Baudurchführung und Fertigstellung von Bauwerken aller Art, wie zum Beispiel bei den Berliner und Frankfurter Flughäfen mit einer über zehn Jahre währenden Bauzeit. (…)

Armin Lufer, Oranienburg

»Der Palast der Republik als Haus des Volkes hatte einen würdigen Standort, er kündete vom Aufbau eines von Ausbeutung und Kriegen befreiten Volkes, das seine Geschicke in die eigenen Hände genommen hatte.«

junge Welt

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Erschienen in der Ausgabe vom 30.04.2026, Seite 14, Leserbriefe

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