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Bildende Kunst

Maximale Kunst

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zeigt die erste umfassende Ausstellung der US-amerikanischen Künstlerin Anne Truitt in Europa

Foto: Achim Kukilies/Kunstsammlung NRW
Anne Truitt: »Mein ganzes Leben lang habe ich dafür gekämpft, mit der einfachsten Form ein Maximum an Bedeutung zu erreichen«

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen (K20) in Düsseldorf zeigt vom 28. März bis zum 2. August 2026 die erste umfassende europäische Retrospektive der US-amerikanischen Künstlerin Anne Truitt (1921–2004) mit 120 Werken aus vier Jahrzehnten, von der mit weißer Haushaltsfarbe lackierten Skulptur »First« aus dem Jahr 1961 bis zu den schwarzen »Pith«-Leinwänden, die als Reaktion auf »9/11« entstanden. Anne Truitt brüskierte 1963 die New Yorker Kunstwelt: Sie nahm das Bild von der Wand und ließ die Farbe als freistehende Skulptur in den Raum treten. Sie wolle die Farbe schweben lassen, sie in drei Dimensionen freisetzen, sagte sie später. Obwohl der einflussreiche Kritiker Clement Greenberg sie bereits 1967 als Wegbereiterin der Minimal Art feierte, wehrte sich Truitt gegen diese Einordnung. »Meine Kunst ist maximal«, sagte sie 1986, und im Jahr darauf: »Meine Arbeit ist vollständig referentiell. Mein ganzes Leben lang habe ich dafür gekämpft, mit der einfachsten Form ein Maximum an Bedeutung zu erreichen.« Die Retrospektive im K20 ordnet Truitt nicht nur historisch ein, sondern hinterfragt auch die Mechanismen des patriarchalen Kunstkanons. Warum ist Anne Truitt heute weniger bekannt als ihre männlichen Zeitgenossen der Minimal Art wie etwa ­Donald Judd oder Sol LeWitt?

»Anne Truitt. Pionierin der Minimal Art«, K20 in Düsseldorf, bis 2.8.2026

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Erschienen in der Ausgabe vom 28.03.2026, Seite 10, Feuilleton

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  • Onlineabonnent*in Martina D. aus V. 28. März 2026 um 07:37 Uhr
    »Warum ist Anne Truitt heute weniger bekannt als ihre männlichen Zeitgenossen der Minimal Art?« Das wäre ein Thema für die jW! Frauen und Gleichberechtigung im Imperialismus. Ihr Werk jedoch hat mit Kunst nichts zu tun und sollte – wenn überhaupt – als Symptom des Verfalls der Kultur im Imperialismus kritisch betrachtet werden. In meinem nicht veröffentlichten Leserbrief zum Artikel »An der Quelle« vom 20.3.26 hatte ich begründet, dass »ready made«, also Eisenbahnschienen und leere Coladosen, keine Kunst ist. Das Gleiche gilt für »minimal art« – einfarbige Leinwände oder bemalte Säulen. Der Westen (USA, westl. Industrieländer) räumte spätestens ab 1945 der abstrakten, gegenstandslosen Kunst eine Führungsrolle ein. Dogma Nr. 1: Nichteinmischung in politische und soziale Fragen, keine Kritik am Imperialismus, die Arbeiterklasse heraushalten. Realistische Kunst wird immer wieder für tot erklärt, darüber zu sprechen, sei zum Erbrechen langweilig, das sei »Kitsch« und »Klischee«, »zugeschnitten auf die Bedürfnisse der Volksmassen« (abwertend gemeint). Wikipedia beschreibt den »Kunst«prozeß: »A. Truitt ließ ihre Malgründe aus Mahagoniholz produzieren, trug mehrere Schichten Grundierung und anschließend vierzig Schichten Acrylfarbe auf, jede sorgfältig mit Sandpapier abgeschliffen« – das kann jeder Stubenmalerlehrling, der würde es aber freiwillig nicht tun – »bis eine Oberfläche von außergewöhnlicher Tiefe und Leuchtkraft entstand ... bis es von Erinnerungen, Gedanken und Assoziationen durchdrungen war«. Was das Hobby einer gutsituierten, gelangweilten Schicht oder die verzweifelte Anpassung von Habenichtsen an die »Weltkunst« ist, lenkt objektiv von sozialen Problemen ab, dient der Systemerhaltung. Da gibt es nichts zu deuteln. Am 30.09.2026 wird der Maler Wolfram Schubert 100 Jahre alt. Zu diesem Jubiläum eröffnet der Kunstverein Schwedt am 30.05.2026 eine Ausstellung. Da kann man Kunst sehen!
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