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Aus: Ausgabe vom 28.03.2026, Seite 2 / Inland
Solarstrom für kubanische Kliniken

Wie kann praktische Solidarität mit Kuba aussehen?

Berliner Organisationen sammeln Gelder, um Solarpanels für kubanische Krankenhäuser zu kaufen, erzählt David O.
Interview: Frederic Schnatterer
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Eine Collage aus Graffiti des Straßenkunstprojekts Interbrigadas an einer Außenwand des Berliner Hotel Mercure (5.5.2011)

Sie sind beim Verein Interbrigadas in Berlin aktiv, der seit vielen Jahren ganz praktisch internationale Solidarität in Lateinamerika übt. Nun organisiert Interbrigadas gemeinsam mit anderen Organisationen aus Deutschland eine Kampagne, mit der Solarpanels für Kuba beschafft und dort installiert werden sollen. Worauf kommt es jetzt an?

Seit dem US-Angriff auf Venezuela und der vollständigen Erdölblockade gegen Kuba haben auch hierzulande Menschen begonnen, sich zusammenzuschließen. Daraus ging die Kampagne »Licht und Energie für Kubas Krankenhäuser« hervor. Wir sammeln Geld für Solarpanels, die in kubanischen Krankenhäusern eingesetzt werden sollen. Unsere Priorität ist, ebenso wie die der kubanischen Regierung, den Gesundheitsbereich am Laufen zu halten. Danach kämen dann andere Bereiche wie Landwirtschaft und Transportwesen. Wenn wir genug Geld gesammelt haben, wollen wir verfolgen, wie die Solarpanels verbaut werden. Ähnliches machen wir in unserem Projekt in Viñales. Dort werden jetzt bald Panels verbaut. Mit dem so produzierten Strom kann sich dann die Gemeinde versorgen.

Wer ist bisher Teil der Kampagne?

Ins Leben gerufen wurde sie vom Bloque Latinoamericano und Interbrigadas. Mittlerweile sind aber auch Gruppen wie Forum Clara Zetkin, Todas las Sangres und die Freundschaftsgesellschaft Berlin–Kuba dabei. Auch von Cuba sí kommt Unterstützung.

Im Gegensatz zu Öl und Diesel kommen Solarpanels problemlos nach Kuba?

Solarpanels sind glücklicherweise noch nicht von der Blockade betroffen. Sie werden von chinesischen und vietnamesischen Unternehmen geliefert. Das Problem vor Ort ist eher der Transport, da der Sprit sehr überteuert ist.

Wie ist denn die Lage für die kubanischen Krankenhäuser derzeit?

Stromausfälle gibt es auf Kuba ja schon länger, was mit der Pandemie und der Verschärfung der Blockade durch US-Präsident Trump zu tun hat. Infolge der Pandemie ist der Tourismus eingebrochen, weniger Devisen kamen ins Land. Entsprechend konnten Kraftwerke nicht mehr repariert werden. Auch für Sprit war nicht mehr genug Geld da. Aus dem Grund wurde – von der Regierung geplant – immer wieder der Strom abgestellt. Neu ist jetzt, dass das Stromnetz zusammenbricht. Bisher verfügen die Krankenhäuser noch über Sprit, mit dem die Generatoren am Laufen gehalten werden. Die Frage ist: Wie lange noch? Wenn kein Treibstoff ins Land kommt, sind die Reserven irgendwann aufgebraucht.

Gibt es auch Versuche, über die traditionelle Kuba-Solidarität hinaus Menschen anzusprechen?

Bis weit ins bürgerliche Lager hinein gibt es Leute, die verstehen, dass die Blockade unmenschlich ist. Wir wollen, dass daraus praktische Unterstützung folgt. Anfang des Jahres haben wir außerdem die Kampagne »Hände weg von Lateinamerika« gegründet. Der Name wurde nach dem Angriff auf Venezuela gewählt. So erratisch, wie sich Trump äußert, ist es durchaus möglich, dass in ein paar Wochen das nächste Land in Lateinamerika von den USA attackiert wird. Auf derlei Eventualitäten wollen wir vorbereitet sein.

Im Oktober soll eine Brigade nach Kuba fahren, um die Versorgung mit Solarstrom weiter zu unterstützen. Wie groß ist die Hoffnung, dass es dann noch nicht zu spät ist?

Unser Ziel ist es, mit anzupacken, Anlagen aufzubauen und über die Situation zu informieren. Das gemeinsame Schwitzen kann eine nachhaltige Erfahrung sein, die dazu führt, dass man sich auch in Zukunft in die Soliarbeit einbringt. Manche spekulieren, angesichts der festgefahrenen Situation im Iran-Krieg könnte Trump ein Ablenkungsmanöver starten und versuchen, die kubanische Regierung zu stürzen. Allerdings denke ich nicht, dass das so einfach wird. Es ist nicht klar, wie weit die USA überhaupt gehen wollen. Die kubanische Regierung hat bereits gewisse Zugeständnisse gemacht, so die Öffnung der Privatwirtschaft für Exilkubaner. Das ist ein gewisser Einbruch des Kapitals von außen. Aber nur weil die Zukunft offen ist, dürfen wir jetzt nicht gelähmt sein und wie die Maus vor der Schlange sitzen.

David O. (Name geändert) ist bei Interbrigadas e. V. aktiv

Kampagne: interbrigadas.org

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