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Aus: Ausgabe vom 26.03.2026, Seite 6 / Ausland
Ukraine-Krieg

Russische Ölhäfen brennen

Ukraine-Krieg: Beide Seiten intensivieren gegenseitige Angriffe.
Von Reinhard Lauterbach
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Satellitenaufnahmen vom Mittwoch zeigen meterhohe Rauchwolken über dem russischen Ölverladehafen Ust-Luga

Im Schatten der Eskalation im Nahen und Mittleren Osten haben die Ukraine und Russland in den vergangenen Tagen ihre gegenseitigen Drohnen- und Raketenangriffe intensiviert. In der Nacht zum Mittwoch lösten ukrainische Drohnen im russischen Ölverladehafen Ust-Luga westlich von St. Petersburg einen Großbrand aus. Schäden gab es auch an Gebäuden in der Stadt Wyborg nahe der Grenze zu Finnland sowie auf der Insel Kronstadt vor St. Petersburg. Menschen wurden nach russischen Angaben nicht verletzt.

Am Montag hatten ukrainische Drohnen bereits Öltanks im Ostseehafen Primorsk in Brand geschossen. Die beiden wichtigen Exportterminals stellten nach Informationen der Agentur Reuters am Mittwoch die Verladung von Rohöl und Ölprodukten ein. Schon am Sonntag musste die Ausfuhr demzufolge nach Drohnenangriffen ausgesetzt werden; die Verladungen wurden am Montag wieder aufgenommen. Verschiedenen Quellen zufolge wurden im vergangenen Jahr aus Ust-Luga 32,9 Millionen Tonnen Erdölprodukte und aus Primorsk 16,8 Millionen Tonnen exportiert.

Aus Moskau wurden unterdessen die baltischen Staaten beschuldigt, der Ukraine die Nutzung ihres Territoriums und Luftraums für die Drohnenangriffe auf die Petersburger Region zu erlauben. Das russische Nachrichtenportal Argumenty i Fakty zitierte einen Luftwaffengeneral mit der Aussage, mindestens 56 Drohnen seien über den Finnischen Meerbusen oder das Territorium Estlands hinweg nach Russland eingeflogen. Andere Meldungen auf derselben Seite waren zurückhaltender und vermuteten, die Ukraine habe die Drohnen aus der Region Sumi im äußersten Nordosten des Landes gestartet.

Nachrichten wie diese wurden erwartungsgemäß in den baltischen Staaten nicht kommentiert. Es fällt aber auf, dass sich seit dem vergangenen Wochenende die Meldungen über Drohnenvorfälle in der Region häufen: So soll in der Nacht zum Mittwoch eine »aus Russland kommende« Drohne in den Schornstein eines nahe der russischen Grenze stehenden estnischen Kraftwerks eingeschlagen sein. Andere unbemannte Flugobjekte stürzten offenbar in Lettland ab. Die Behörden der jeweiligen Länder vermieden es, Russland einen absichtlichen Beschuss ihrer Territorien vorzuwerfen. Die vorherrschende Interpretation ist, dass es sich um ukrainische Drohnen gehandelt haben soll, die durch die russische Abwehr von ihrem Kurs abgebracht worden und dann unkontrolliert anderswo eingeschlagen sind.

Der Angriff auf Ust-Luga folgte auf eine großangelegte russische Drohnen- und Raketenoffensive zwischen Montag und Dienstag abend als Reaktion auf ukrainische Angriffe. In der Nacht zu Dienstag hatte Russland fast 1.000 Drohnen abgefeuert, am Dienstag weitere knapp 500. Ziele waren zunächst Städte im Osten und im Zentrum der Ukraine; vor allem aus Poltawa wurden schwere Schäden gemeldet. Später verlagerten sich die Angriffe auf die Westukraine. So wurde in Lwiw das im historischen Stadtzentrum liegende Andreas-Kloster getroffen. Dort ist unter anderem auch das Stadtarchiv untergebracht. In der westukrainischen Metropole und im benachbarten Iwano-Frankiwsk wurden Einwohner getötet und verletzt. Der Chef der ukrainischen Drohnenabwehr, ein Offizier mit dem Kampfnamen »Madjar«, warf dem Bürgermeister von Lwiw »Gemecker« vor, weil er nach den Angriffen die Wirksamkeit der Drohnenabwehr angezweifelt hatte.

Tatsächlich war es das erste Mal, dass Russland einen so umfassenden Drohnenangriff erstens am Tage und zweitens auf Ziele derart weit im Westen des Landes durchgeführt hatte. Ukrainische Medien äußerten die Vermutung, Moskau habe insbesondere die Grenzen der Drohnenabwehr demonstrieren wollen, um der Ukraine das Exportgeschäft in den Golfstaaten zu verderben. Präsident Wolodimir Selenskij hatte mit Blick auf iranische Vergeltungsschläge gegen Ziele mit US-Bezug Expertenteams mit Werbeauftrag nach Katar, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate sowie auf eine US-Basis in Jordanien entsandt. Der ukrainische Staatschef sagte Mitte März, dass mit den Golfstaaten grundlegendere, langfristige Drohnenverträge ausgehandelt werden könnten, und noch zu klären sei, wie die Gegenleistung für die Unterstützung aussehen solle.

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